Der Trümmermörder

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • DuMont, 2011, Titel: 'Der Trümmermörder', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Als wäre man live dabei - und das bei minus 20 Grad

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Dez 2011

Kurzgefasst:

Hamburg 1947: Die Stadt liegt in Trümmern, und es ist einer der kältesten Winter des Jahrhunderts. Die Menschen versuchen irgendwie zu überleben. Da wird mitten in der Trümmerlandschaft eine Leiche entdeckt: eine junge Frau, nackt, kein Hinweis auf den Mörder. Oberinspektor Stave hat kaum Hoffnung, den Fall aufzuklären, auch wenn ihm Lothar Maschke von der Sitte und Lieutenant MacDonald von der britischen Verwaltung zur Seite gestellt werden. Bald werden weitere Tote entdeckt, und Stave ist für jede Hilfe dankbar, die er auf der Suche nach einem grausamen Mörder bekommt.

 

Hamburg, Anfang 1947. Seit Wochen sind die Temperaturen im zweistelligen Minusbereich. Zehn Grad minus erscheinen schon fast komfortabel. Den frierenden Menschen ist es beinahe egal, so wie fast alles in dieser entbehrungsreichen Zeit. Mit ein bisschen Glück kann man anhand der zugeteilten Lebensmittelkarten etwas Essbares kaufen oder ein kleines Stück Seife, dass für einen Monat ausreichen muss. Hätte man doch nur die Möglichkeit zu heizen oder wenigstens sich anständig zu waschen. Kein Wunder, dass der Schwarzmarkt blüht und jeder sich selbst der Nächste ist. Da fällt es auch gar nicht weiter auf, dass plötzlich mitten in Hamburg mehrere Menschen verschwinden. Zunächst wird die nackte Leiche einer erwürgten jungen Frau gefunden. Wenig später in einem weiter entfernten Stadtteil die Leiche eines älteren Mannes; ebenfalls nackt und erwürgt.

Oberinspektor Frank Stave arbeitet unermüdlich, sofern das unter den gegebenen Umständen überhaupt möglich ist. Schließlich verfügt die Hamburger Kriminalpolizei nur über fünf fahrtüchtige Einsatzwagen, die zwar per Funk erreichbar sind, aber selber nicht auf gleichem Weg antworten können. Stave wird unterstützt von Lothar Mischke, einem zynischen Ermittler von der Sitte sowie Lieutenant James MacDonald von der britischen Verwaltung. Doch die Ermittlungen kommen keinen Schritt voran.

Aufgrund der Temperaturen kann nur geschätzt werden, wann die Morde erfolgten und auf die zahlreichen Plakate mit den Opferfotos gibt es keinerlei Resonanz aus der Bevölkerung. Nur eines scheint klar: Da der Hafen zugefroren ist und die Züge nur sehr eingeschränkt fahren, spricht vieles dafür, dass sich der "Trümmermörder" noch in der Stadt befindet und vermutlich erneut zuschlagen wird...

Detaillierte Beschreibungen

Cay Rademacher, hauptberuflich Geschäftsführender Redakteur des Magazins GEO-Epoche, hat mit Der Trümmermörder einen beeindruckend realistischen Roman vorgelegt. Wer das Buch liest, fröstelt unwirklich mit, so detailliert beschreibt er die Verhältnisse zu Beginn des Jahres 1947, einem der kältesten Winter des Jahrhunderts, bei dem nicht wenige Menschen zu Tode kamen; sei es aus Kälte oder Hunger. Dabei leidet Hamburg wie viele andere Städte zu jener Zeit noch unter den Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges. Hamburg liegt in Trümmern, der Schwarzmarkt floriert. Viele Menschen leiden zudem unter den Geschehnissen des Krieges. So wie der Protagonist Frank Stave, dessen Frau vor einigen Jahren bei einem Bombenangriff verbrannte und von dessen verschollenen Sohn bisweilen jede Spur fehlt.

An wenigen Stellen übertreibt es Rademacher mit allzu genauen Beschreibungen. Etwa dann, wenn er detailliert auflistet, welche Zuteilungen Stave anhand seiner Lebensmittelkarte erwarten darf. Liest man hier ein Geschichtsbuch oder einen Kriminalroman? Irgendwie beides, "und das ist gut so", wobei ganz klar gesagt werden muss, dass vor allem jene Leserinnen und Leser zugreifen sollten, die Interesse an Geschichte, hier an Zeitgeschichte haben. Die damaligen Lebensverhältnisse werden - wie die Ermittlungen - ausführlich beschrieben, nur dass die Ermittlungen selbst eben kaum voran kommen. Historie pur, Erzähltempo eher beschaulich, doch selten war man so "live" dabei.

Die Handlung basiert auf einem wahren Fall, der allerdings nie aufgeklärt wurde. Insoweit erlaubt sich der Autor einige Freiheiten, indem er den Plot so "anpasst", dass es eine Auflösung gibt. "Dichterische Freiheit" in einem Buch, das vor allem am Ende optimistisch stimmt. Zumindest, soweit es in dem Kontext seiner Zeit möglich ist.

Der Trümmermörder

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Letzte Kommentare:
24.12.2014 07:04:44
Thorsten Wiedau

Wen interessieren Leichen in Trümmern, unbekleidet, unbekannt und ohne Herkunft? Anscheinend niemanden, denn in Hamburg sind die Hamburger mit dem eigenen Überleben oder mit Schwarzmarktgeschäften beschäftigt. Dennoch muss der fallgeklärt werden, leider steckt die britische Besetzung von Hamburg ihren Kopf in den Fall und auch die Sitte macht dem Oberkommissar Polizeiinspektor Stave das Leben schwer - ein Fall den er klären muss und die Zeit rennt, denn neue Tote machen es nicht leichter.

Burghart Klaußner liest den Fall mit wunderbarem Hamburger Akzent für Polizeiinspektor Stave ein und auch der britische Akzent und das holperige Deutsch des englischen Leutnants stimmt perfekt.

Der Fall DER TRÜMMERMÖRDER von Cay Rademacher wird ohne Pathos präsentiert, das Hörbuch hört sich geschäftig an, sehr Hamburgisch, mit viel Understatement und Raffinesse.

Die Stimmung in Deutschland nach dem Krieg ist gut eingefangen, dennoch fehlt jeder Knalleffekt - doch das ist auch nicht nötig, die Subtilität des Falles ist interessant und man hört gerne zu - denn man will wissen wer es war und noch viel wichtiger WARUM?

DER TRÜMMERMÖRDER von Cay Rademacher beginnt ruhig, doch der Fall steigert sich als weitere Tote folgen, lange bleibt es unklar wer, warum und weshalb die Morde geschehen. Doch Polizeiinspektor Stave und der britische Leutnant sind dem Fall auf der Spur.

Empfehlenswert!

12.03.2014 11:12:16
Derfel

Das Buch hat alles, was einen guten historischen Krimi ausmacht.
Man fühlt sich sehr gut in die Zeit verstetzt, friert und hungert mit und kann sich in das Elend der Nachkriegsbevölkerung hineinversetzen.
Auch mit der Hauptperson, Kommisar Stave, kann man sich gut identifizieren, sehr authentisch.
Es klingt alles realistisch, und man erfährt auch einiges aus dem Deutschland kurz nach dem Krieg.
Für Leser mit Interesse am Nachkriegsdeutschland eine klare Empfehlung.

Negative Kritik gibt es von mir jedoch an den Dumont-Verlag.
"Der Trümmermörder" ist als broschierte Ausgabe für knapp 10 Euro zu haben.
Die bisher erschienen Nachfolgebände jedoch gibt es (bisher) nur als Hardcover zu einem weitaus höheren Preis.
Hier lockt man den Leser mit einem guten Buch, für weitere Bände muss man tiefer in die Tasche greifen. Kapitalismus pur.
Auch sieht es im Bücherregal dann etwas blöd aus, wenn von einer Reihe unterschiedliche Bände da sind.

27.11.2013 16:44:11
Rainer Kracht

Erste Wahl für alle, die sich für die Nachkriegszeit in Deutschland interessieren und einen spannenden Krimi suchen.
Der Autor schildert die Lebensverhältnisse in der britisch verwalteten Hansestadt Hamburg so realistisch, dass man denken könnte, er hätte das Jahr 1947 selbst erlebt. Man friert beim Lesen der Lebensumstände im Winter des Jahres 1947. Absolut empfehlenswert.

28.10.2013 18:24:13
Heiner Fosseck

Dieses Buch ist eine dicke Schwarte, die ich in einem Rutsch durchgelesen habe. Da wird haarklein erzählt, wie ein Mörder im tiefsten Nachkriegswinter 1946/47 seine unbekleideten Opfer im zertrümmerten Hamburg ablegt und ein Oberkommissar von der Hamburger Kripo muß sich mit riesigen Aufwand auf die Suche nach den Mördern machen, Er weiß nichts. Er kennt die Toten nicht. Er kann kein Motiv erkennen. Niemand kann oder will ihn was konkretes mitteilen. Erschüttern die Beschreibung des am Boden liegenden Hamburg. Bei 20 Grad minus rennen die Polizisten zu Fuß durch die Trümmerlandschaft.Sitzen in ungeheizten Behausungen. Haben kaum was zu beißen. Jeder denkt nur an sich.. Keiner kümmert das Schicksal anderer.. Ein gutes spannendes Buch. Lesenswert!

30.01.2013 22:56:47
Wyaconda

Mir hat der Kriminaloman
"Trümermörder" nur mäßig gefallen. Die atmosphärische Darstellung des Überlebens in Hamburgs Nachkriegszeit hat der Autor gut eingefangen. Die Kriminalgeschichte an sich verläuft nach dem üblichen abgenudelten Schwarz-Weiß-Muster. Natürlich wurde die Story straff in das langweilige Political-Correctness-Korsett eingezwängt, ohne das es in einem deutschen Roman nicht mehr zu gehen scheint.

24.01.2013 08:52:38
Klaus Schlüter

Ich bin von diesem Buch absolut begeistert. Vor allem die Atmosphäre im frostigen Hamburger Winter ist extrem eindringlich beschrieben, und da ich dieses Buch auch bei Außentemperaturen von minus 8 Grad gelesen habe konnte ich mich vermutlich besonders gut einfühlen. Vor allem die Zeichnung der Figuren ist exzellent und ich freue mich schon jetzt auf das nächste Buch mit Frank Stave. Ich wusste vorher nicht, dass es sich teilweise um wahre Begebenheiten handelt . Den Trümmermörder hat es wohl tatsächlich gegeben. Ich möchte mir noch ein wenig Luft nach oben lassen, dass ist aber wirklich der einzige Grund warum dieses Buch nicht die volle Punktzahl von mir erhält. UNBEDINGT LESEN

12.12.2012 11:27:27
Sebastian Haffke

Ein großartiger Roman. Die Kriminalgeschichte eingewoben in historische Handlung und eine so schöne Sprache. Der Autor nimmt einen mit. Ohne Anstrengung wird man gefangen in einer Welt, die schon lange vergangen ist.

Für mich ist dieses Buch ein echtes Kleinod in der Masse der Kriminallitaratur. Ohne zu belehren wird die traurige Geschichte Deutschlands erzählt. Nah an allen Beteiligten. Selbst "das Böse" bleibt menschlich.

Dem Autor ist hier ein ganz großer Wurf gelungen

03.05.2012 22:11:47
tassieteufel

Hamburg im bitterkalten Winter 1947, die Stadt liegt in Trümmern und wird von den Briten verwaltet. Die Überlebenden versuchen mehr schlecht als recht, irgendwie über die Runden zu kommen. Es gibt kaum Brennmatrerial, das Essen ist streng rationiert und sehr schlecht, auch Strom gibt es nicht immer und eigentlich fehlt es an allem, das fördert natürlich den Schwarzmarkthandel. Da wird mitten in den Trümmern die nackte Leiche einer jungen Frau entdeckt. Oberinspektor Stave wird mit dem Fall betraut, mit Hilfe von Lothar Maschke von der Sitte und Lieutenant MacDonald von der britischen Verwaltung soll er den Fall so schnell wie möglich klären.

Im Nachwort schreibt der Autor, das der Krimifall im Buch auf einem wahren Fall beruht, bei dem weder die Identität der Opfer, noch der Mörder je ausfindig gemacht werden konnten. Mich hat es hier sehr beeindruckt, was der Autor daraus gemacht hat. Die Lösung die er präsentiert ist logisch und glaubwürdig und könnte sich so tatsächlich zugetragen haben.
Schon mit der ersten Seite des Buches wird man unweigerlich in die eisige, von klirrender Kälte und Tristess beherrschte Szenerie gezogen, erlebt die Nöte und Entbehrungen der Menschen mit. Viele von ihnen haben nicht nur all ihr Hab und Gut verloren, sondern auch Familienmitglieder, so wie Oberinspektor Stave, dessen Frau bei einem Bombenangriff ums Leben kam und dessen Sohn immer noch verschollen ist. In jeder freien Minute ist Stave am Bahnhof und befragt erfolglos Heimkehrer.
Akribische, detaillierte Polizeiarbeit, wie man sie heute kennt war in dieser Situation kaum möglich, Benzin ist rationiert und Autos gibt es sowieso kaum, viele Straßen sind zebombt oder von Trümmern verschüttet, also muß ein Großteil der Strecken zu Fuß zurück gelegt werden und das mit ständig knurrendem Magen und der Kälte im Nacken. Trotzdem verbeißt sich Stave in den Fall und ermittelt unermüdlich, als weitere Opfer auftauchen.
Die Atmosphäre im Buch ist wirklich grandios geschildert, dabei bleibt allerdings die Krimispannung ein wenig auf der Strecke und wirklich spannend wird es erst im letzten Drittel, als Stave dann doch noch seinen Mörder findet. Hier hätte ein wenig mehr Ausgewogenheit gut getan, zumal man als aufmerksamer Leser schon nach ca. der Hälfte des Buches ahnen kann, wer als Täter in Frage kommt. Für mich ein weiterer, wenn auch kleiner Kritikpunkt ist die Gegenwartsform in der der Krimi geschrieben wurde, ich tue mich da immer schwer, wenn historische Romane im Präsenz geschrieben sind, weil es für mich das Gefühl vermittelt, das die Geschichte eben nicht in der Vergangenheit spielt, aber das ist sicher Ansichtssache.
Detailreich und vielschichtig sind auch die Charaktere im Buch, was mir gut gefallen hat war, das hier nicht die übliche Schwarz-Weiß Malerei betrieben wurde.

FaziT: grandios vermittelte Zeitgeschichte mit sehr lebensnahen Schilderungen, ich fand es beeindruckens, was der Autor aus dem realen Fall gemacht hat., allerdings bleibt bei der stimmigen Atmosphäre die krimispannung ein wenig auf der Strecke.

06.03.2012 18:47:55
allegra

Ich fühlte mich schon nach wenigen Seiten von der beklemmenden Stimmung gefangen, fröstelte im warm beheizten Wohnzimmer und klammerte mich am liebsten an einen heißen Tee. Die klirrende Kälte des Hungerwinters 1946/47 in den zerbombten Quartieren, in den Notunterkünften, auf dem Schwarzmarkt wird sehr eindrücklich beschrieben. Die graue, kalte Trümmerwelt und die dicke Eisschicht auf den Flüssen widerspiegeln sich im inneren Zustand der Menschen: Angst, Einsamkeit, Trostlosigkeit, Schweigen, Sehnsucht nach menschlicher Wärme. Getrieben von einem unbändigen Überlebenswillen legen sie weite Wege zurück, um irgendwelche Gegenstände zu finden, die sie auf dem Schwarzmarkt verkaufen oder tauschen können und stehen mit einer Vielfalt an Lebensmittelkarten, Berechtigungsscheinen oder Sonderzuteilungskarten in langen Schlangen an, um am Ende kleine Mengen minderwertiger Lebensmittel zu ergattern.

Mitten in dieser tristen Szenerie geschehen mehrere Morde. Die Leichen werden nackt auf Trümmergrundstücken gefunden. Niemand vermisst die Menschen. Die Ermittlungen von Oberinspektor Frank Stave und seinem Team führen uns zu den „Straßenschwalben“ der Reeperbahn, auf den Schwarzmarkt, in Notunterkünfte wie Nissenhütten oder Hochbunker, aber auch in die merkwürdigerweise praktisch unversehrten Villenviertel Hamburgs.

Frank Stave ist traumatisiert. Er hat im Jahr 1943 bei einer Bombennacht seine Frau verloren. Sein Sohn Karl ist gegen seinen Willen in den Krieg gezogen und wird vermisst. Er verbringt jedes Wochenende viele Stunden am Bahnhof, um heimkehrende Soldaten nach seinem Sohn zu fragen. Regelmäßig erkundigt er sich auch beim Suchdienst. Die zermürbende Ungewissheit um den Verbleib seines Kindes ging mir beim Lesen sehr nahe.

Ich habe aus diesem Buch sehr viele Eindrücke mitgenommen. Ich empfinde großen Respekt vor den Menschen, die aus den Trümmern heraus ihr Leben und ihre Städte wieder aufgebaut haben. Die Schwierigkeiten mit denen die Menschen tagtäglich kämpfen mussten, weil alles rationiert oder knapp war, sind sehr anschaulich dargestellt.

Die kriminalistischen Ermittlungen fand ich interessant und spannend. Allerdings hatte ich schon etwa nach der Hälfte des Buches einen Verdacht, wer als Täter in Frage kommen könnte und war dann fast etwas enttäuscht, dass der Krimi tatsächlich relativ geradeaus in diese Richtung verlief. Die unerwartete Wendung ganz am Ende hat mir noch mal richtig gut gefallen, auch wenn mir das Ende des Täters dann wieder etwas abgewürgt vorkam. Ich hätte die Auflösung gerne noch etwas weiter ausgeführt gesehen.
Die hoffentlich bevorstehende Rückkehr von Staves Sohn und eine sich entwickelnde Beziehung zu einer jungen Frau lassen als Cliffhanger auf eine Fortsetzung hoffen.

Als Roman der „modernen Trümmerliteratur“ sehr beeindruckend.
Als Krimi spannend, aber noch ausbaufähig.