Wunder in Pu-yang?

Erschienen: Januar 1964

Bibliographische Angaben

  • Diogenes, 1958, Titel: 'The Chinese Bell Murders', Originalausgabe

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87

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Dirk Jaehner
Die Fälle des Richter Di - ein intellektueller Spaß

Buch-Rezension von Dirk Jaehner Dez 2011

Es gibt nur einen Sherlock Holmes, sagen die Anhänger des bekanntesten Detektivs aller Zeiten. Das stimmt nicht, kontern die Kenner der Detektiv-Literatur. Denn es gibt einen Vorläufer, allerdings nicht aus England und auch nicht aus dem 19. Jahrhundert. Di Jen-dsiä heißt er, stammt aus China und lebte in der Tang-Zeit, von 630 bis 700 n. Chr. Im Gegensatz zu Sherlock Holmes lebte Di tatsächlich und ging besonders in die chinesische Geschichte als gewitzter und schlauer Bezirksrichter ein, der es bis in die höchsten Staatsämter des chinesischen Kaiserreiches schaffte. Der niederländische Sinologe, Diplomat und Schriftsteller Robert van Gulik setzte Richter Di in 14 Romanen und mehreren Kurzgeschichten eine literarisches Denkmal.

Drei Fälle gleichzeitig

Wunder in Pu-yang? ist der zweite Roman der Reihe und erschien zunächst 1955 als Fortsetzungsroman auf japanisch, 1958 dann als Buch auf englisch und niederländisch, erst 1964 auf deutsch. Richter Di hat soeben seinen Posten als Bezirksvorsteher und Richter in Pu-yang angetreten. Von seinem Vorgänger hat er eigentlich nur einen Fall geerbt, ein Raubmord an der Tochter eines Fleischers, bei dem auch zwei wertvolle Haarnadeln verschwunden sind. Di zeigt sich angesichts der Nachforschungen seines Vorgängers angetan, dessen Schlussfolgerungen lehnt er jedoch ab. Der zweite Fall wird durch einen seiner Gehilfen an ihn herangetragen. Das reiche Buddhistenkloster vor der Stadt verspricht, kinderlosen Paaren zum erwünschten Nachwuchs zu verhelfen. Doch Tao Gan, der Falschspieler in Richter Dis Diensten, traut der luxuriösen Idylle nicht. Zu seiner nicht geringen Enttäuschung wird er jedoch von Richter Di zurückgepfiffen. Er wolle sich nicht mit der Zentralregierung, wo die Buddhisten hoch im Kurs stünden, anlegen. Der dritte Fall wird von einer alten Dame, die auf einer der öffentlichen Gerichtsverhandlung vorspricht, ins Rollen gebracht. Richter Di stößt auf Habgier, Neid und eine alte Familienfehde.

In erstaunlich eingängiger Weise gelingt es van Gulik, chinesische Geschichte, Bräuche und Literatur für westeuropäische Geschmäcker aufzuarbeiten. Drei Kriminalfälle gleichzeitig ist charakteristisch für chinesische Detektivgeschichten, ebenso wie die Tatsache, dass der Ermittler immer ein staatlicher Beamter ist. Die detailreiche Schilderung von Hinrichtungen ist manchmal schwer erträglich, entspricht aber dem chinesischen Rechtsempfinden. Jemand, der schwere Verbrechen begangen hat, muss entsprechend bestraft werden, und wenn die Verbrechen beschrieben werden, muss es die Bestrafung auch.

Raubmord, Betrug, Familienverbrechen

Die Bandbreite der Verbrechen reicht vom einfachen Raubmord bis zur Staatsaffäre. Mit großem Scharfsinn und einzigartiger Beobachtungsgabe kann Richter Di schnell feststellen, dass der zunächst verdächtigte Literaturstudent nicht der Mörder ist. Allerdings braucht es ein bisschen länger, um den wahren Täter zu identifizieren. Dessen Profil hätte aber auch einem Sherlock Holmes Ehre gemacht.

Mehr Probleme bereitet das Geheimnis des Buddha-Tempels. Da der Buddhismus am kaiserlichen Hof neben dem Konfuzianismus immer angesehener wird, empfindet es Di als gefährlich, gegen die Glaubensgemeinschaft vorzugehen. Wenn es möglich wäre, innerhalb eines Tages das Unrecht zu beweisen und abzuurteilen, so sinniert Di gegenüber seinem treuesten Diener, so wolle er das tun. Vorher jedoch könne er nichts unternehmen. Fehlurteile der Bezirksbeamten wurden streng bestraft. Besonders dann, wenn sie gegen kaiserlichen Willen gefällt wurden.

Ungleich brutaler geht der Schuldige im Fall des Skeletts unter der Glocke vor. Die Familienfehde, die dahintersteckt, begann vor über zwanzig Jahren in Kanton und findet nun in Pu-yang ihr tragisches Ende. Der Hauptverantwortliche schreckt vor Meineid, Betrug, Schmuggel, Mord und sogar einem Angriff auf den Richter nicht zurück. Da die Beweislage aber für eine Verurteilung trotz allem nicht ausreicht, muss Richter Di am Ende auf einen juristischen Trick zurückgreifen.

Sehr chinesisch

Vielleicht lässt sich van Gulik vorwerfen, er forme die Charakteristika der Verbrecher nach Stereotypen. Vielleicht auch, dass er sehr wenig vom Privatleben des Richters schildert (verheiratet mit zwei Frauen, mehrere Kinder). Ersteres entspricht jedoch ebenfalls dem chinesischen Sinn für Gerechtigkeit und dem Klassendenken. Zweiteres steht der Vorstellung entgegen, dass die Arbeit des Richters im Mittelpunkt der Geschichte stehen muss und die Familie nur dann Erwähnung findet, wenn sie unmittelbar mit der Arbeit zu tun hat. Die Idee, dass die Geschichte des Ermittlers gleichwertig neben der des Verbrechers steht, ist eine moderne Erfindung.

Ganz tief im Inneren wird der europäische Leser - und die europäische Leserin - aber Richter Dis Abenteuer tief befriedigt goutieren. Denn die Aufklärung erfolgt in jedem Fall und zuverlässig. Die Schuldigen werden bestraft, die Unschuldigen entschädigt und Recht wird wieder hergestellt. Gleichzeitig erhält man einen detaillierten Einblick in die chinesische Gesellschaft, Denkweise und Geschichte. Richter Di lesen macht Spaß.

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