Die Schleier der Salome

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • , 2005, Titel: 'Die Schleier der Salome', Originalausgabe

Couch-Wertung:

86
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Carsten Jaehner
Die eindrucksvolle Geschichte einer bekannten Unbekannten

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jul 2006

Vor zweitausend Jahren wächst die kleine Salome als Enkelin von Herodes dem Großen und Tochter von Herodes Boethos und seiner Gemahlin Herodias zwar wohlbehütet auf, weiß sich jedoch schon früh gegen die vorherrschenden Männer zu behaupten. Gerade Kephallion macht ihr ein ums andere Mal das Leben schwer, wurde sie doch von seinem eigenen Vater zum schulischen Unterricht zugelassen, was für Mädchen bislang nicht möglich war. Schon bald verliebt sie sich in den Griechen Timon, allerdings ist eine Verbindung der beiden schon aus Standesgründen nicht möglich. Doch immerhin freunden sie sich an, und auch Kephallion beobachtet dies argwöhnisch.

Salome findet sich allmählich in den Gebräuchen der Hochgestellten zurecht und lernt so auch Haritha kennen, die Frau von Herodes Antipas. Sie weiht Salome in die Kunst des Schleiertanzes ein, mit dem eine Frau alles erreichen kann, was sie will. Heimlich hat Herodes Antipas jedoch eine Affäre mit Salomes Mutter Herodias, und nach Harithas Tod nimmt er Herodias auch offiziell zur Frau. Als Timon vermeintlich durch Intrigen ums Leben kommt, sucht Salome nach ihm, bekommt jedoch keine Informationen und heiratet daher ihren Onkel Philippos. Erst Herodes findet Timon wieder, der inzwischen aus Gefangenschaft fliehen konnte und zu einem angesehen Architekten geworden ist. Salome erkennt dies und lässt ihn für ihren Mann die Stadt Philippi (später Caesarea) bauen, mit Timon als Architekt und geduldetem Liebhaber. Doch nicht alles in Salomes Leben verläuft so vermeintlich glücklich, den die Sekte der Zeloten, zu denen auch Kephallion gehört, gewinnt mehr und mehr Einfluss auf die Politik im Land, und auch eine Gruppe, die sich selbst Christen nennt und ihren Anführer hat kreuzigen lassen, gewinnt an Bedeutung.

Erzählungen mit viel Überblick

Eric Walz hat mit seinem großen, 700 Seiten starken Roman über die Tänzerin Salome einen eindrucksvollen Einblick in die Zeit des ersten Jahrhunderts neuerer Zeitrechnung vorgelegt. Von der ersten Seite an, die auf Salomes Geburt zusteuert, bis zur letzten Seite ist ihm ein bisweilen sehr spannendes Buch gelungen, das ihre Geschichte bis zur Vermählung mit ihrem zweiten Mann erzählt. Dabei schafft er es jederzeit, die teilweise sehr konfusen Verwandtschaftsverhältnisse der Familie zu erklären und auch die politischen Begebenheiten gut im Blick zu behalten.

Der Konflikt mit Kephallion wird logisch und konsequent von der Wurzel bis in den Schluß aufgebaut und erhalten, wenngleich in der Mitte des Buches diese Situation leider etwas in den Hintergrund gerät. Walz beobachtet dabei nicht nur die Geschichte Salomes, sondern auch die des gesamten Römischen Reiches mit all ihren Verwicklungen und komplizierten Hierarchien. Stets wird der Leser auf dem - möglichen - aktuellen Stand gehalten, was aufgrund der Entfernungen und der entsprechenden Kommunikation nicht immer einfach ist.

Die Charaktere sind alle liebevoll und eindrücklich beschrieben, gerade mit der verrufenen Haritha sympathisiert man leicht. Allerdings hätten die "Bösen" Zeloten noch mehr Raum vertragen. Eric Walz hält sich fast nur auf der Seite Salomes und ihrer Familie auf, dabei hätte mehr Blickwinkel aus der anderen Seite dem Buch noch mehr Würze gegeben.

Einige Längen, aber spannende Erzählweise

Eric Walz hat aus den wenigen bekannten Fakten der Person Salomes einen Roman erdacht, der bekannte Geschichten wie die Enthauptung Johannes des Täufers mit Fiktion verbindet. Das ist als Autor eines Romans sein gutes Recht und füllt so manche bislang unbelegte Geschichtslücke. Dies macht er so logisch, dass man sich durchaus vorstellen kann, dass es wirklich so hätte sein können. Allerdings, und dies ist einer der wenigen Kritikpunkte des Romans, ergeht er sich dabei und überhaupt durch den ganzen Roman in langwierigen Erzählungen, die zwar alle mehr oder weniger interessant sind, letztlich aber nicht immer zum eigentlichen Geschehen beitragen. Diese Längen im Roman kommen immer wieder. Zwar verdeutlichen sie die Situation und das Leben vor Ort, allerdings hätte einiges eingespart werden können und so die Geschichte mehr Tempo bekommen können. Auch einige Jahreszahlen oder ähnliche derartige Hinweise hätten besser die zeitlichen Dimensionen aufgezeigt.

Davon abgesehen ist Eric Walz ein durchaus spannender Roman gelungen, der einen interessanten Einblick in die Zeit und das Leben von vor zweitausend Jahren gewährt. Zwei Karten, ein Personenregister und ein ausführliches und daher sehr ergiebiges Nachwort runden einen Roman ab, dessen Sujet bislang noch wenig beschrieben wurde. Walz' zweiter Roman deutet allerdings bereits sein große Erzählkunst an, und das wünscht man sich von manch anderen Romanen auch.

 

Die Schleier der Salome

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