Das Lied der Klagefrau

  • Droemer-Knaur
  • Erschienen: Januar 2011
  • Droemer-Knaur, 2011, Titel: 'Das Lied der Klagefrau', Originalausgabe
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Daniela Loisl
50

Histo-Couch Rezension vonNov 2011

Mäßig unterhaltsamer dritter Band des Puppenkönigs ohne großen Tiefgang

Kurzgefasst:

Göttingen, 1786. Die schöne Klagefrau Alena kommt mit ihrem Ehemann Julius in die Stadt. Julius will nach Jahrzehnten sein Medizinstudium wieder aufnehmen, um eine alte Schande zu tilgen: den unberechtigten, ehrverletzenden Verweis von der Universität. Doch das erneute Studium steht unter einem unheilvollen Stern, und Alena muss wie eine Löwin für Julius kämpfen. Für Wahrheit und Gerechtigkeit...

 

Göttingen 1786: Der Puppenspieler Julius Klingenthal ist knapp ein halbes Jahrhundert alt, als er beschließt, sein vor Jahren begonnenes Medizinstudium fortzuführen und zu beenden. So macht er sich mit seiner jüngeren Gefährtin Alena, einer Klagefrau, auf nach Göttingen, aber Julius hat sich das alles leichter vorgestellt als es letztendlich ist.

Den beiden sind so einige Leute nicht wohlgesinnt und sie müssen schon ziemlich kämpfen, um ihre Ziele zu erreichen. Während Julius´ Traum die Beendigung seines Studiums ist, will Alena endlich erreichen, dass sie in den Ehestand treten können wie es sich gehört. Bis jetzt war dies aufgrund ihres unterschiedlichen Standes nicht möglich, aber da wird ihnen eine Lösung geboten, mit der sie alle Probleme scheinbar aus dem Weg räumen können...

Viel Altbewährtes

Wolf Serno hat mit diesem Buch nun den dritten Band der "Puppenkönig-Reihe" geschaffen und Kenner der ersten beiden Bände werden auch auf alte Bekannte stoßen. Auch hat Serno so manche Eigenheiten des Protagonisten mit übernommen, was für manche Leser, speziell für jene, denen die ersten Bände nicht bekannt sind, etwas befremdlich wirken mag. So sprechen auch in diesem Roman die Puppen wieder mit ihrem "Herrn" - und umgekehrt - und mit der Zeit, wenn nicht schon in den Vorgängerromanen, drängt sich die Frage auf, ob Serno mit Julius gewollt eine Figur mit etwas psychischem Knacks darstellen wollte oder ob der Autor dies vielleicht als für den Leser lustig und innovativ gesehen hat?

Generell kann der Leser mit den gewollt lustigen Dialogen der Puppen nicht viel anfangen, wenn Julius diese sein Theater betreten lässt. Viel zu flach und ab und zu regelrecht billig wirken die aufgesetzten Witze.
War der erste Band noch spannend und temporeich, so plätschert die Geschichte hier eher dahin. Im Grunde könnte man die Geschehnisse in wenigen Sätzen zusammenfassen, ohne wichtige Details des ganzen Romans auslassen zu müssen.

Leblose Figuren

Ist Julius als Protagonist zuweilen noch ein interessanter Charakter, so scheinen die restlichen Darsteller wie mit Schablonen gepresst. Natürlich gibt es auch einen "Bösewicht", genannt "der Pommeraner", der Julius ständig ans Leder will und mit allerlei Tricks versucht, ihm zu schaden. Dann gibt es noch Heinrich, einen Studenten, der eigentlich ein Mädchen ist und Henrietta heißt. Henrietta tragt Männerkleidung, da sie als Frau nicht studieren kann und als Julius sie ein einziges Mal küsst, ist es um sie geschehen und sie liebt ihn inbrünstig. Als Alena zufällig zwei blonde Haare an Julius´ Gewand findet, schließt sie sofort daraus, dass er sie betrügt und reagiert zickenhaft wie ein heutiger Teenager.

So agieren die Figuren nicht nur absolut klischeebehaftet, sondern auch vorhersehbar und ohne jeden Tiefgang.

Sprachlich kein Höhenflug

Wer Sernos Bücher kennt, weiß, dass sie sprachlich ziemlich schlicht gehalten sind und so verwundert es auch nicht, dass der an sich schon nicht unbedingt spritzigen Geschichte durch die sprachliche Einfachheit des Autors nicht wirklich geholfen wird. So liest man schon Sätze wie "Denn dass es ein Junge werden würde, schien ihr klar. Abraham war nicht der Mann, der ein Mädchen zeugte." Oder "Ich werde den Scharlatan vernichten, denn er hat es verdient, tausend Mal verdient. Ja, das werde ich. ..."

Man ist eher enttäuscht von diesem Buch, wenngleich zwischendurch sehr wohl das Erzählpotential des Autors durchscheint. Geschmäcker sind natürlich verschieden, aber ein literarisches Highlight ist Serno mit diesem Buch jedenfalls nicht gelungen.

Das Lied der Klagefrau

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