Die Insel der tausend Quellen

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2011, Titel: 'Die Insel der tausend Quellen', Originalausgabe

Couch-Wertung:

69
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Rita Dell'Agnese
Wenig Tiefgang aber mit Schmöker-Potential

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2011

Kurzgefasst:

London, 1732: Nach dem Tod ihrer ersten großen Liebe geht die Kaufmannstochter Nora eine Vernunftehe mit einem verwitweten Zuckerrohrpflanzer auf Jamaika ein. Aber das Leben in der Karibik gestaltet sich nicht so, wie Nora es sich ertäumt hat. Der Umgang der Plantagenbesitzer mit den Sklaven schockiert sie zutiefst, und sie entschließt sich, auf ihrer Zuckerrohrfarm manches zum Besseren zu wenden. Überraschend unterstützt sie dabei ihr erwachsener Stiefsohn Doug, als er aus Europa anreist. Allerdings versetzt seine Rückkehr manches in Aufruhr - vor allem Noras Gefühle. Doch dann verliert Nora durch ein tragisches Ereignis plötzlich alles, bis auf ihr Leben ...

 

Noch bis vor kurzem wurde der Name Sarah Lark klar mit Neuseeland in Verbindung gebracht. Dies dürfte sich nun ändern. Denn die Autorin, die emotionsreiche Unterhaltungsromane schreibt, die ein vornehmlich weibliches Publikum fesseln, hat sich einer neuen Destination zugewandt. In ihrem Roman Die Insel der tausend Quellen lässt sie eine Londoner Kaufmannstochter nach Jamaika auswandern. Nora heiratet den um einige Jahre älteren Zuckerrohrpflanzer Elias zwar nicht aus Liebe, doch empfindet sie Achtung und Zuneigung zu dem Mann, der ihr den Traum erfüllen kann, auf einer exotischen Insel zu leben. Je länger Nora jedoch auf der Plantage Cascarilla Gardens lebt, desto mehr setzt ihr der Umgang ihres Mannes und seiner Aufseher mit den Sklaven zu. Nach und nach beginnt sie, ihren Mann mit anderen Augen zu sehen, die Bewunderung für ihn verwandelt sich in Ablehnung. Noras Gefühle geraten in Aufruhr, als Elias Sohn Doug eintrifft, der in Europa studiert hatte, sich aber immer nach Jamaika zurück sehnte.

Klassischer Liebesroman

Man mag es drehen und wenden wie man will: Dieser Roman ist ein klassischer Liebesroman mit historischem Hintergrund. Dabei gilt es, den Hintergrund nicht mit Kulissen zu verwechseln. Denn, was Sarah Lark schreibt, hat durchaus eine historische Basis. So spielen die Sklaverei generell und die Ausbeutung der Menschen auf den Zuckerrohrplantagen ebenso eine Rolle, wie die gesellschaftlichen Zwänge und Verhältnisse im London des Jahres 1732. Hier bietet die Autorin für alle historisch interessierten Leserinnen einiges an Informationen. Dennoch steht im Vordergrund die durchaus gut geschriebene, wenngleich absolut voraussehbare und in diesem Sinne auch nicht besonders spektakuläre Liebesgeschichte Noras. Nora, die unbestrittene Heldin des Romans, passt denn auch wunderbar ins Schema, das man bei dieser Geschichte erwartet: Sie ist gleichermaßen klug wie auch schön und unerschrocken. Allerdings bleibt Nora als Protagonistin eher farblos und letztlich auch uninteressant. Was für Nora gilt, gilt in noch größerem Masse für Doug, der an seinem Traumprinzen-Image erstickt und dadurch wenig an Spannung zu bieten hat. Da mag man sich eher den tragenden Nebenfiguren zuwenden, etwa Noras Zofe Máanu oder der rebellische Akwasi, der gebildet und voller Hass ist.

Sich auf die Insel träumen

So oberflächlich die Handlung bleibt, wenn es um Noras Leben geht, so gekonnt ist hingegen die Schilderung der Lebensumstände auf Jamaika. Sarah Lark lässt Atmosphäre entstehen und lädt dazu ein, sich auf die Insel zu träumen. Sie zeigt aber - unter anderem anhand des Schicksals einer Pastorenfamilie - auch die dunklen Seite des exotischen Paradieses. Und dies tut sie nicht nur kraftvoll, sondern auch überzeugend. Hier zeigt sich, dass Sarah Lark ihrem Ruf, den sie mit den Neuseeland-Romanen begründete, auch gerecht wird, wenn sie sich einer anderen Destination zuwendet: Sie schreibt Bücher, die zum Schmökern einladen, zwar keine großen Ansprüche ans Publikum stellen, aber sowohl sprachlich als auch von den geschilderten Hintergründen her solide ausgearbeitet sind.

Präsentiert wird Die Insel der tausend Quellen in ihrer Erstausgabe erstmals als Hardcover, das auf der Buch-Innenseite eine Karte von Jamaika enthält sowie im Nachwort der Autorin einige Erläuterungen zum tatsächlichen Geschehen zur Zeit der Sklavenaufstände enthält. Leider zeigte sich der Verlag jedoch wenig innovativ, was das Cover anbelangt. Hier wurde auf das schon dutzendfach strapazierte Bild mit einem in den See hinaus ragenden Holzsteg (in Varianten ist dies jeweils eine Bootsspitze) und einem dahinter aufragenden Gebirge gesetzt. Gerade der Wechsel der Destination der Handlung hätte die Chance geboten, von diesem Allerwelts-Cover wegzukommen und dem Publikum eine innovativere Gestaltung zu gönnen.

 

Die Insel der tausend Quellen

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