Eiswinter

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • btb, 2011, Titel: 'Eiswinter', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Wenn Liebe zur Obsession wird

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2011

Kurzgefasst:

Schleswig-Holstein im Winter 1683: Raureif überzieht die Landschaft. Es ist bitterkalt, und ganz Plön vergnügt sich beim Schlittschuhlaufen auf dem zugefrorenen See. Als Gesches Bruder einbricht, ist es ausgerechnet ein Schwarzer, der Feldtrompeter Christian, der ihn aus dem eisigen Nass fischt. Und die 17-jährige Ratsherrntochter verliebt sich Hals über Kopf in den misstrauisch beäugten Fremdling. Für ihre Liebe nimmt sie in Kauf, selbst zur Außenseiterin zu werden. Als ihr erstes Kind geboren wird, scheint die Idylle perfekt. Doch dann brennt mitten in der Nacht das Strohdach auf dem abgelegenen Hof des jungen Paares. Und irgendwann sind die Räder von Christians Jagdwagen gelockert. Ist alles nur Einbildung? Gesche spürt, dass sie für ihr Glück kämpfen muss.

 

Eigentlich hätte Gesches Vater durchaus glücklich darüber sein können, dass sich seine Tochter in den Feldtrompeter Christian verliebte - wenn Christian nicht schwarz gewesen wäre. Eine Heirat zwischen den beiden scheint ausgeschlossen, Gesches Vater wirft den Bittsteller um die Hand seiner Tochter kurzerhand aus dem Haus - und das, obwohl Christian eben das Leben von Gesches Bruder Berend rettete. Gesche mag jedoch nicht klein beigeben. Mit allem was sie zur Verfügung hat, setzt sie sich für ihre Liebe ein. Eine Liebe, die von Christian ebenso innig erwidert wird. Christians Ziehvater, ein wohlhabender Adliger, ist dem jungen Paar gewogen, nicht so die Verwandtschaft von Gesche. Und so sieht sich das junge Paar mit gemischter Hautfarbe einer Front von Ablehnung gegenüber. Auch als die beiden längst als glücklich verheiratete Eheleute zusammen leben, ebbt die Ablehnung und unterschwellige Gewalt gegen Christian nicht ab.

Als wäre es heute

Brigitte Beil siedelt ihren Roman um eine gesellschaftlich unmögliche Liebe im 17. Jahrhundert an und das in einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein. Der farbige Christian, der durch seinen Ziehvater eine fundierte Ausbildung erhalten hatte und - wäre nicht sein "Makel" mit der Hautfarbe gewesen - eine interessante Karriere hätte machen können, erlebt Ausgrenzung und Ablehnung durch die etablierte weiße Gesellschaft. Es gibt hier einige Parallelen zur heutigen Situation und man ist da und dort geneigt, der Autorin zu unterstellen, sie habe ein heute aktuelles Gesellschaftsproblem einfach vor eine historische Kulisse platziert. So einfach ist es aber nicht. Zwar dürfte sich die Anfeindung gegenüber Christian in einem weit größeren Ausmaß zugetragen haben, als dies geschildert ist, doch ist diese Frage nicht gar so zentral. Denn die Autorin legt ihren Finger auf einen weiteren wunden Punkt, der letztlich wohl die eigentliche zentrale Frage darstellt. Wie weit kann Liebe gehen, bis sie zur Obsession wird. Dass die Ausgrenzung durch die Gesellschaft das junge Paar einerseits stark belastet, andererseits aber auch zusammenschweißt, ist absolut nachvollziehbar. Dank einem geschickten Aufbau des Plots macht Brigitte Beil sichtbar, wie sich die Liebe zu Christian bei Gesche zu einer selbstzerstörerischen Kraft entwickelt. Diese geht so weit, dass Gesche sich keinen Einflüssen von außen mehr öffnen kann, sondern jede Gefühlsregung erstickt.

Leichtfüßige Sprache

Wenn auch der Inhalt des Romans durchaus schwer auf der Seele liegt, so leichtfüßig scheint hingegen die sprachliche Umsetzung. Dies führt keineswegs zu einer Diskrepanz zwischen erzählter Geschichte und Art der Erzählung. Vielmehr macht es den Roman zu einem Lesestoff, der trotz des oft schweren, manchmal gar schwermütigen, Inhalts genügend Raum zum Luftholen lässt. Brigitte Beil geht hier ganz auf die Bedürfnisse der Leser ein und schlägt ein Tempo an, mit dem es sich leicht mithalten lässt, das aber nie einschläfernd langsam wird.

So bestechend die Geschichte von Gesche ist - sie ist nicht nur glaubwürdig. Der Hungerstreik der jungen Frau, die eine Heirat mit Christian ertrotzen will, mutet ebenso "modern" an wie die subtile Ausgrenzung von Christian und Gesche zu einem späteren Zeitpunkt. Dem damaligen Zeitgeist hätte ein etwas rüderes Vorgehen wohl eher entsprochen. Zudem gibt es vereinzelte Szenen, die nicht ganz zu überzeugen vermögen - wie etwa die plötzliche Kehrtwendung des Verhaltens von Gesches Mutter. Dennoch: Eiswinter lohnt sich eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Roman an sich, aber auch mit den Themenbereichen, die in diesem Roman angesprochen werden. Wer hingegen eine etwas oberflächlichere Unterhaltung sucht, dürfte mit diesem Roman nicht ganz warm werden, dazu sind zu viele relevante Details zwischen die Zeilen eingeflochten und werden erst entdeckt, wenn man sich dem Geschehen ganz öffnet.

Nach diesem Roman darf man auf ein weiteres Werk aus der Feder der Autorin durchaus gespannt sein.

 

Eiswinter

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Letzte Kommentare:
24.12.2012 16:57:56
Rosi Krützfeldt

Ich habe das Buch "Der Mohr von Plön" gelesen und die Dokumentation "Der Schwarze Trompeter von Plön". All das berichtet ebenfalls von der Liebe zwischen Christian Gottlieb und Gertrud Radeleff. Diese Geschichte hat historische Hintergründe und ist gut recherchiert. Was uns heute modern erscheint, wie der Hungerstreik der Gertrud, ist historisch verbürgt und nachzulesen in den Staatsarchiven von Hamburg, Schleswig-Holstein und im Reichsarchiv Kopenhagen.

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