Der Thron der roten Königin

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2010, Titel: 'The Red Queen', Originalausgabe

Couch-Wertung:

82
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Daniela Loisl
Innovative Perspektive auf historisch bedeutende Ereignisse

Buch-Rezension von Daniela Loisl Okt 2011

Kurzgefasst:

Mit kaum zwölf Jahren wird Margaret Beaufort aus dem Hause Lancaster 1455 mit Edmund Tudor verheiratet. Die Familie wartet ungeduldig auf einen Thronfolger. Tatsächlich bekommt Margaret, selbst noch ein Kind, einen Sohn: Henry. Als mit dem Rosenkrieg ein tödlicher Kampf um die Krone entbrennt, gilt Margarets ganzes Streben einem einzigen Ziel: Ihr Sohn soll König von England werden. Denn in einem ist Margaret sich sicher: Gott steht auf ihrer Seite.

 

Die Königin der weißen Rose ist der erste Band der Reihe über die Rosenkriege, dem nun Der Thron der roten Königin folgt. Erzählt wird hier aus der Perspektive Margaret Beauforts aus der Familie der Lancaster, die mit Edmund Tudor verheiratet wird und deren Sohn Henry nun einer der Thronanwärter ist. Der Kampf um die Krone ist voller Intrigen und Machtkämpfe und Margarets oberstes und einziges Ziel ist es, ihren Sohn auf dem Thron zu sehen, denn von Kindesbeinen an ist es ihr sehnsüchtiges Wunsch, eines Tages mit "Margret R.", Margret Regina, Königinmutter zu unterschreiben.

Eine ziemlich unsympathische Protagonistin

Philippa Gregory ist dafür bekannt, die Geschichte der Tudors nicht nur historisch korrekt, sondern auch auf äußerst spannende Weise wiederzugeben. Diesmal ist sie ein ziemliches Wagnis eingegangen, denn die Protagonistin, der in der Regel der Leser mit Sympathie begegnet, ist hier alles andere als eine einnehmende Person. Man lernt sie schon im zarten Kindesalter kennen und stellt fest, dass sie nicht nur sehr fromm, sondern regelrecht besessen ist. Sie selbst hält sich schon für eine Heilige und betet so viel und inbrünstig, dass ihre Knie schon mit einer Hornhaut und Schwielen überzogen sind. Daran muss Gott doch sehen, wie sehr sie ihm zugetan ist. Ihre Mutter, die Margaret weder liebt noch mit Verständnis entgegenkommt, verheiratet sie bereits im Alter von 12 Jahren mit Edmund Tudor.

Man kann als Leser bis zu einem gewissen Grad Verständnis für das Mädchen aufbringen, dass so ganz gegen ihren Willen einfach verschachert wird. Gregory betont immer wieder ihren intensiven Glauben und ihre Verehrung von Jeanne d`Arc, aber es ist alles zu viel des Guten. Nur ständig davon zu lesen, wie heilig sich das Mädchen doch fühlt, wie gottberufen sie ist und ihr einziges Weg der einer Nonne sein kann, geht einem mit der Zeit etwas auf die Nerven. Dies bessert sich etwas, als Margaret das Erwachsenenalter erreicht und man nun auch immer mehr die Hintergründe der politischen Machtkämpfe mitbekommt. Margaret war die einzige Person, die es in der Hand hatte, den Weg für ihren Sohn zum Thron zu ebnen, da er selbst sich auf dem Festland im Exil befand. Dies alles zu regeln und mit raffiniertem Intrigenspiel hinzubekommen, bedarf es zweifelsfrei großer Intelligenz und Vorausdenken. Leider erscheint Margaret hier aber oft als etwas dümmlich fromm, und das kann sie keinesfalls gewesen sein. Gregory lässt Margaret einerseits äußerst überlegt und intelligent agieren, setzt aber gleichzeitig oft einen krassen Gegensatz in Form ihres blinden Glaubens dar. Sie weiß, welche Fäden sie im Hintergrund ziehen muss (und dass sie dies beherrschte, ist historisch belegt), gibt sich aber auf der anderen Seite unglaublich naiv, wenn sie felsenfest davon überzeugt ist, das Gott nur auf ihrer Seite stehen kann, da sie doch die Knie einer Heiligen hat.

Fachlich fundiert, spannend erzählt

Obwohl man Margaret alles andere als sympathisch empfindet, bewundert man sie dennoch für ihre wohl überlegten und gut durchdachten Handlungen. Da vieles um den Tod der "Prinzen im Tower" bis heute nicht geklärt ist, hat sich Gregory die Freiheit genommen, etwas andere Überlegungen anzustellen, die aber absolut schlüssig sind.
Obwohl eine Vielzahl von Personen vorkommt und jede mehr oder weniger gewichtig für die historischen Begebenheiten mitwirkt, ist es der Autorin stets gelungen, einen klaren Überblick zu schaffen, so dass sich der Leser nicht in den vielen Ereignissen verstrickt und den Überblick verliert. Vielleicht trägt gerade die wenige Sympathie der Protagonistin dazu bei, dass der Leser dazu animiert wird, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Margaret Beaufort war nachgewiesen eine sehr gebildete und intelligente Frau, was Philippa Gregory nicht wirklich gelingt darzustellen. Allzu sehr erscheint sie einem eher fanatisch und stur auf ihr Ziel konzentriert, als dass sie klug und überlegt die Fäden im Hintergrund zieht.

Das Buch lässt einen etwas zwiegespalten zurück. Einerseits ist es erfrischend anders, eine unsympathische Protagonistin zu haben, die die Geschichte aus ihrer Warte erzählt, aber der Wermutstropfen ist, dass die Autorin bei dieser Figur die Intelligenz zu Gunsten fanatischer Frömmelei und Narzismus zu sehr beschnitten hat, was einfach nicht den Tatsachen entsprechen kann. Eine gebildete Frau wie Margaret es war, hätte es mit einem Verhalten wie Gregorys Figur niemals so weit gebracht, dass ihr Sohn in dieser intriganten und machtbesessenen Welt doch noch gekrönt wurde. Dass das Buch dennoch spannend ist, liegt letztendlich am erzählerischen Können der Autorin und auch daran, historisch politische Ereignisse interessant wiederzugeben.

Der Thron der roten Königin

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