Die Affäre Mömpelgard

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • , 2011, Titel: 'Die Affäre Mömpelgard: Die Abenteuer des Junkers Carl von Schack', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Überladenes Intrigenspiel mit Schwächen

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2011

Württemberg, 1776. Junker Carl von Schack wird zu einem mitternächtlichen Treffen auf der Insel des Schlosses Monrepos eingeladen, wo er beinahe Opfer eines Hinterhaltes wird. Für die mit ihm verabredete junge Dame kommt indes jede Hilfe zu spät. Bei ihr findet Carl eine Papierrolle, auf der lediglich das Wort "Montbéliard", der französische Name für die Grafschaft Mömpelgard, steht. Zurück auf Schloss Ludwigsburg bittet Carl den Secondlieutnant von Neipperg, sich den Tatort näher anzusehen. Doch dieser findet weder Spuren noch eine Leiche.

Am folgenden Tag erhält Carl, der der herzoglich württembergischen Geheimpolizei vorsteht, von Herzog Karl Eugen einen Sonderauftrag. Offenbar versucht Frankreich durch weitere Okkupationen des Reichsgebietes seine Landesgrenzen zu erweitern. Durch eine Intrige will der Ururenkel Ludwigs XIV. die Grafschaft Mömpelgard an sich bringen, so dass Carl unmittelbar dorthin aufbrechen soll, um vor Ort gemeinsam mit Karl Eugens Bruder, Prinz Friedrich Eugen, geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Mit wechselnden Gefährten, aber immer an der Seite des Junkers Hermann Schott von Schottenstein, macht sich Carl auf den beschwerlichen Weg. Immer wieder geraten die beiden dabei in gefährliche Situationen, denn offenbar ist ihr Geheimauftrag gar nicht so geheim, wie er es sein sollte. Nach etlichen Überfällen gelangen sie nach Mömpelgard, wo ihnen offenbart wird, dass sich die Lösung des Konfliktes in einem verschwundenen Kräuterbuch befindet. Die abenteuerliche Reise geht somit weiter und findet ihren Höhepunkt in Paris…

Atmosphärisch ansprechend, aber etliche Fragen bleiben unbeantwortet

Heiger Ostertag hinterlässt mit seinem Roman Die Affäre Mömpelgard einen zwiespältigen Eindruck. Die Reise wird detailliert geschildert, wobei gefühlt in jedem Wirtshaus eine Übernachtung mit umfangreicher Verköstigung eingelegt wird. Dies trägt, ebenso wie die gelungene Darstellung der Hauptfiguren Carl von Schack und Hermann Schott von Schottenstein, zu einer ordentlichen Atmosphäre bei; man fühlt sich ein wenig in jene Zeit versetzt. Darüber hinaus erfahren die Protagonisten immer nur scheibchenweise, worum es überhaupt geht, was man als ausgefallene Idee bezeichnen mag, denn so bleibt diese Frage bis zum Schluss unbeantwortet.

 

"Seid unbesorgt, Herr von Schack. Alles Notwendige wird Euch kundgetan, und die Geschichte, die ich neulich Abend zu erzählen begann und auf die Ihr berechtigterweise anspielt, werde ich zur gegebenen Zeit selbstverständlich zu beenden wissen."

 

Was mag es mit dem geheimnisvollen Kräuterbuch auf sich haben und wer sind die zahlreichen "Wegelagerer", die immer wieder (recht plötzlich) auftauchen und sich den Gefährten in den Weg stellen? Wer zudem auf historische Fakten steht, kommt ebenfalls gut auf seine Kosten, denn zu den meisten Orten und Gebäuden sowie nicht wenigen Personen liefert der Autor gleich sein geballtes Wissen dazu. Mehrfach glaubt man, statt eines historischen Romans plötzlich ein Geschichtslehrbuch in der Hand zu halten. Geschmacksache, denn durch die mit Namen und Zahlen beladenen Ausführungen kommt zwangsläufig die Geschichte ins Stocken. Einige Ausflüge in die Literatur (Schiller, Goethe) bieten hingegen einen kurzweiligen Einblick in das kulturelle Schaffen der damaligen Zeit.

 

"Meine Güte, jetzt ist von Neipperg beleidigt, nur, weil ich ihm unterstellte, er lese dieses von Gefühlen überladene, unmoralische Büchlein des Herrn Goethe."

"Ihr solltet Neipperg nicht aufziehen, werter Freund. Er nimmt die Lektüre überaus ernst. Erst kürzlich sah ich ihn mit Jean-Jaques Rousseaus ´Julie ou la Nouvelle Héloise´."

"Rousseau! Ein heilloser Schwärmer wie dieser Goethe. Ich halte von alledem nichts. Im blauen Frack mit Messingknöpfen, gelber Weste, braunen Stulpenstiefeln und rundem Filzhut umherrennen. Seinen Tee aus einer Werther-Tasse nehmen und sich in jede hübsche Larve, die Butterbrote schmiert, verlieben. Unfug! Und wie endet die ganze Liebelei? Im Selbstmord!"

 

Auf der Minusseite ist zu vermerken, dass sich die Handlung in einer "Endlosschleife" zu befinden scheint. Man reitet zu einem Ort, um dort in einer Herberge zu speisen und zu nächtigen und wird wahlweise dort oder auf dem Weg dorthin überfallen oder anderweitig in eine Kampfhandlung verstrickt. Danach geht es eine Station weiter und das Ganze beginnt von vorne. Man verfängt sich in ein dickes Gestrüpp aus undurchsichtigen Intrigen, die aber zum Ende des Buches nicht vollständig aufgeklärt werden. Überhaupt ist das (sehr plötzliche) "Finale" des Buches enttäuschend, denn von den zahlreichen Fragen, die sich nach über 250 durchaus spannenden Seiten stellen, werden nur die wenigsten ansprechend beantwortet.

 

"Ich bitt Euch, Ihr Herren. Das ist Politik, und Politik ist ein garstiges Feld, auf dem sich unsereins als einfacher Bürger besser nicht tummelt. Lasst uns von anderem sprechen, mir ist bei solchen Dingen nicht wohl."

 

Wem übrigens der Name Hermann Schott von Schottenstein ein leichtes Schmunzeln auf die Lippen prägt oder vielleicht doch eher ein Stirnrunzeln verursacht, dem sei gesagt, dass dies bei Weitem nicht alles ist. Louis-César-Cónstantin de Rohan-Guéménée-Montbazon und dessen Neffe Ludwig Renatus Eduard von Rohan-Guéménée wollen wie viele andere (zumindest) erwähnt werden. So ist das Buch an manchen Stellen (Personen, rein historische Abhandlungen) schlicht überfrachtet und wird mit der eher mageren "Auflösung" seinem eigenen Anspruch nicht gerecht. Wer darüber hinweg sehen mag und sich zudem für das 18. Jahrhundert interessiert, findet eine dennoch lesenswerte Abenteuergeschichte.

Die Affäre Mömpelgard

Die Affäre Mömpelgard

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Letzte Kommentare:
17.10.2014 16:50:55
tweety 19

Als ich das Buch in den Händen hielt, dachte ich: "Nett, eine historische Krimigeschichte in Württemberg". Doch schon das Vorwort macht deutlich, dass Ostertag nicht für alle schreibt, sondern nur für die "besonders Kundigen", da er im Roman versteckte literarische Anspielungen verstreut hat. Was soll das? Wieso schafft ein Autor so eine gewollte Trennung seiner Leserschaft? Leider sind dann die Anspielungen auch nicht wirklich geschickt eingebaut, sondern wirken wie ein grober Schnitt im Verlauf. Von versteckten Anspielungen, die den kundigen Leser erfreuen, ist daher mitnichten die Rede und meiner Meinung nach auch völlig unnötig. Wollte der Autor hier mit seinem Wissen prahlen? Wenn ja, ist das gründlich daneben gegangen.
Das Buch ist von der ersten Seiten an schlecht geschrieben. Seitenlange Unterbrechungen, in denen sich der Autor in historischen Gegebenheiten und Hintergründen ergeht, sind die Regel. Das Buch erinnert eher an eine langweilige Geschichtsstunde. Er jagt seinen grauen, langweiligen und zuweilen sehr spießigen Helden durch beinah das gesamte Europa. Auch wenn Ostertag zum Ende hin der Geschichte etwas mehr Spannung zugesteht, läßt er den Roman doch etwas allzu schnell enden. Sinnvoller wäre es gewesen ein paar Seiten weniger dröge erzählte Geschichte und dafür das Ende des Romans etwas mehr auszubauen.

26.08.2012 14:36:35
Hans Vastag

Endlich ein Roman aus der Württemberger Barockzeit, spannend erzählt, gut geschrieben und vorzüglich recherchiert. Allerdings bleibt der Roman nicht auf Württemberg beschränkt, die Reise führt den Helden über die Schweiz nach Frankreich, wobei ein unverhofftes Treffen mit einer berühmten historischen Persönlichkeit, deren Namen hier nicht genannt werden soll, unvorhersehbare Konsequenzen hat. Eine Fortsetzung der Geschichte wäre wünschenswert.
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