Die Frau des Ratsherrn

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Blanvalet, 2011, Titel: 'Die Frau des Ratsherrn', Originalausgabe

Couch-Wertung:

91

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
2 x 81-90
1 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:83.666666666667
V:2
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":1,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":1,"86":0,"87":0,"88":0,"89":1,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Daniela Loisl
Überzeugend, fesselnd und sich von der Masse deutlich abhebend

Buch-Rezension von Daniela Loisl Okt 2011

Kurzgefasst:

Hamburg, 1269: Nach der nicht standesgemäßen Liebeshochzeit mit dem Ratsherrnsohn Albert, beginnt für die junge, mittellose Dänin Ragnhild ein Leben in Feindschaft mit Rat und Kirche. Als die Kogge ihres Gemahls während einer Flandernreise sinkt, bleibt sie schutzlos im Kreise ihrer missgünstigen Familie zurück. Trotz allem entschlossen, den totgesagten Albert zu finden, gerät sie zwischen die Fronten der Macht. Sie erfährt Verrat und Unterdrückung aber auch Freundschaft und Liebe, bis ein gewaltiger Stadtbrand ihre Zukunft für immer dramatisch verändert...

 

Ragnhild ist eine einfache Magd, die auf tragische Umstände ihre Eltern verlor und im Haus des Ratsherrn Holdenstede Zuflucht fand. Als der jüngere Sohn des Hauses, Albert, sich in Ragnhild verliebt, tobt sein Vater. Nicht nur, dass Albert weit unter seinem Stand heiratet, er löst so auch das bereits seit langem arrangierte Verlöbnis mit der Tochter eines Handelspartners seines Vaters auf. Albert, der von seinem Vater stets gegenüber seinem älteren Bruder Conrad bevorzugt wurde, weiß, dass er mit einer Strafe für sein Vergehen wird rechnen müssen.

Als der alte Conradus von Holdenstede stirbt, packt Conrad die Gelegenheit beim Schopf, fälscht das Testament und kann so endlich über den so von seinem Vater bevorzugten Bruder herrschen. Für Ragnhild und Albert bricht eine sehr schwere Zeit an, denn bis zu Alberts fünfundzwanzigsten Geburtstag muss er alle Weisungen seines Bruders befolgen und dieser lässt sich immer perfidere Gemeinheiten einfallen, um den verhassten Bruder loszuwerden.

Sensible und sensuelle Darstellung der Vergangenheit

Schon nach dem Lesen weniger Seiten weiß man, dass sich dieses Buch von der Masse historischer Romane, die den Markt derzeit überschwemmen, positiv heraussticht. Nicht nur sprachlich überrascht die frischgebackene Autorin, sondern auch der Erzählstil, aber vor allem die sehr ungewöhnliche und klischeefreie Geschichte ist es, die den Leser bis zum Schluss des Buches nicht mehr loslässt.

Joël Tan nimmt den Leser regelrecht bei der Hand und führt ihn durch das Hamburg des 13. Jahrhunderts. Ob die Gestaltung der Häuser und Kirchen, die Beschaffenheit der Straßen und Gassen, das Leben und Treiben am Markt und im Hafen, alles wirkt authentisch und wird einem auf cineastische Weise vor Augen geführt. Einen sehr guten Überblick zeichnet Tan über die Hierarchien in der Gesellschaft und den Stellenwert der Frau an sich. Man erfährt auf sehr interessante Weise viel über den Handel und das Reisen der Kaufmänner, das nie ohne Gefahr war. Tan bieten ein buntes Panoptikum des 13. Jahrhunderts in der damals noch relativ kleinen Stadt Hamburg.

In der Erzählung geht es im Grunde um kein innovatives oder noch nie da gewesenes Thema, denn von Frauen, denen Unrecht geschieht und die unterdrückt werden, handelt schließlich ein großer Prozentsatz dieses Genres. Es ist die Umsetzung des Themas selbst, die der Autorin grandios gelungen ist und sich so vom üblichen Mainstream deutlich hervorhebt.

Spannung zum Nägelkauen

Joël Tan stellt den Leser in eine Position, die ihm stets erlaubt, mehr zu wissen als die Protagonisten und dadurch hofft und bangt man mit den Figuren, fühlt ihren vermeintlichen Schmerz, möchte eingreifen in das unglaubliche Unrecht das hier geschieht. Tan lässt nicht, wie man es aus vielen historischen Romanen kennt, in letzter Sekunde noch einen heldenhaften Retter auftauchen, der das Unrecht oder Unglück verhindert. Sie lässt ihre Figuren den Weg zu Ende gehen, zeichnet realistisch die Hochs und Tiefs des damaligen Lebens und die Willkür so manches angesehenen Mannes, dem die gesellschaftlich niedrigeren Standes ausgeliefert sind. Zwischendurch begleitet der Leser in verschiedenen Erzählsträngen, die parallel laufen, nicht nur die Protagonisten, sondern auch die Antagonisten.

Beschleicht einem schon nach wenigen Seiten des Lesens dieser Geschichte ein zwiespältiges Gefühl, ob man dieser Geschichte aufgrund des massiven Unrechts und der Dramatik die hier passiert, wirklich weiterlesen will, so ist man ohne es zu wissen derselben schon mit Haut und Haaren verfallen. Man kann sich dem Sog nicht mehr entziehen und will wissen, ob es die Autorin wirklich zulässt, ihre Figuren so gegen den Strom schwimmen zu lassen. Ohne es zu merken wachsen einem die Figuren ans Herz und dies nur durch ihre charakterlichen Züge als durch ihre äußere Darstellung, die die Autorin sehr geschickt und wie nebenbei in die Erzählung mit einfließen lässt. Dennoch ist es nicht so, dass man die "Bösen" des Romans eben nur als solche sieht, denn immer wieder versteht es Joël Tan, auf sehr feinfühlige Weise durchblitzen zu lassen, warum der eine oder die andere gar so kalt und rücksichtslos agiert und beim Leser vielleicht so etwas wie Verständnis gewinnt, wenngleich das Handeln der Person unakzeptabel ist. So sind die Figuren nicht in schwarz/weiße Schablonen gepresst, sondern erscheinen sehr wohl wandelbar und entwicklungsfähig.

Der Schluss überrascht, denn er ist nicht in der Form wie man ihn nach über 600 so ungewöhnlichen Seiten erwartet hätte.

Eine zusätzliche Bereicherung zum Buch sind die Karten, die vorne und in den hinteren inneren Umschlagseiten zu finden sind. Ein Buch, das als Taschenbuch zweifelsfrei schön und mit Liebe aufgemacht wurde, für das man sich aber dennoch eine schöne gebundene Aufmachung gewünscht hätte, denn diese hätte dieser Debutroman zweifelsfrei verdient.

Joël Tan - eine Autorin, die man sich unbedingt merken sollte!

Die Frau des Ratsherrn

Die Frau des Ratsherrn

Deine Meinung zu »Die Frau des Ratsherrn«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
07.01.2014 01:30:38
Bernd Kronhof

Ich lese jetzt seit vielen Jahren historische Romane und habe heute heute zum ersten Mal einen Roman aufgehört. Auf der 70. Seite angekommen und es ist immer noch so git wie nichts passiert. Die Beschreibung der einzelen Details ist mir zu langatmig. Einen Fehler fand ich auf Seite 36, bei der Beschreibung des Fischstandes. Seelachs mit rosigem Fleisch habe ich noch nie gesehen. Seelachs hat weißes bis hellgraues Fleisch.
In der Zeit, die einen doch sehr kleinen Fußweg beschreibt, wäre man wahrscheinlich schon durch das noch sehr kleine Hamburg durchgelaufen.
Aber vielleicht bisn ich ja zu verwöhnt, ohne hier einige andere Autoren zu nenne, die ich verschlungen habe.
Wie gesagt, nach den ersten 70 Seiten will ich nicht noch weitere 300 lesen müssen, bevor es mich dann vielleicht anspricht.

27.03.2012 17:03:08
keleM

Ich finde das Buch ist wunderschön geschrieben, sodass es einem nie langweilig wird zu lesen. Vor allem, dass die Personen so genau auf die Epoche abgestimmt sind, verwirklicht noch die Erzählung. Ich würde dieses Buch jedem weiterempfehlen, der Freude an historischen Romanen hat, bei denen die Liebesgeschichte nicht zu kurz kommt. Ein wahrhaft prickelnder Roman!

08.02.2012 16:04:46
Murmel81

Zum Inhalt werde ich nichts schreiben, steht ja schon genug.

Ich fand den Anfang ein bißchen zäh. Aber ab knapp unter der Hälfte ist es richtig gut geworden und ich konnte es nicht bzw. nur sehr schwer aus der Hand legen.

Der Klappentext wird dem Buch leider nicht gerecht. Es ist viel besser, als der Klappentext aussagt. Nicht die übliche Mittelaltergeschichte, die leider den Markt überschwemmt.

Von mir gibt es 100 Punkte, sehr zu empfehlen.

16.12.2011 13:56:49
susehost

Hier hätte ich gern sogar 6 Sterne vergeben, so gut hat mit der Roman gefallen! Für mich der beste historische Roman, den ich seit langem gelesen habe!

Es geht um die Geschichte von Albert, einem Kaufmannssohn, der von seinem Bruder durch Testamentsfälschung übervorteilt wird und Ragnhild, Alberts Frau, wegen der er eine von den Eltern arrangierte Ehe abgesagt hat. Ragnhild ist nicht nur niederen Standes gewesen, sondern auch noch Dänin! Durch viele Intrigen, widrige Umstände und haarsträubende Ungerechtigkeiten werden Albert und Ragnhild entzweit...

Ich war schon nach wenigen Seiten völlig eingesogen in die Handlung und konnte gar nicht so schnell lesen, wie ich wissen wollte, wie es weitergeht. Oftmals war ich versucht, zum Ende zu blättern, um zu erfahren, ob alles gut ausgeht. Ich konnte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen und habe bis in die Morgenstunden weitergelesen. Es passiert so vieles, immer wieder überraschende Wendungen, dazu ein toller, bildhafter Schreibstil, gut ausgearbeitete Charaktere! Andere historische Romane, die ich letztens gelesen habe, verblassen dagegen einfach. Was für ein Debütroman!!!! Mir hat persönlich auch sehr gut gefallen, dass der Roman in Hamburg im 13. Jahrhundert spielt. Die dramatische Beschreibung des großen Brands hat mich als Hamburger sehr berührt, ich hatte Gänsehaut.
Ich freue mich auf weitere Bücher der Autorin, hab irgendwo gehört, es soll eine Trilogie werden. Hoffentlich dauert es nicht so lange bis zum Erscheinen der Fortsetzung! Meinen herzlichen Dank an die Autorin für tolle Leseunterhaltung!

03.11.2011 20:47:01
lesemoni

Mit viel historischem Hintergrund und dem Stadtbrand von Hamburg im Jahre 1284 der bis auf einen kleinen Teil die komplette Stadt vernichtet hat,hat die Autorin einen mitreisenden und spannenden Roman geschrieben. Mit einigen sehr überraschenden Wendungen mit denen ich wirklich nicht gerechnet habe wurde ich in die Geschichte einer Familie hineingezogen deren Sog ich mich nicht mehr entziehen konnte.Ich gestehe, ich habe auch ein paar Tränen vergossen und das bedeutet für mich ,das mich die Geschichte mit Ragnhild und ihrer Familie doch sehr berührt hat. DIE FRAU DES RATSHERRN ist ein beeindruckender Erstling von einer jungen Autorin von der wir noch sehr viel hören und vor allem lesen werden ,hoffe ich zumindest :-) Für diesen Erstling vergebe ich sehr sehr gerne 100 Punkte die wirklich verdient sind und eine uneingeschränkte Kaufempfehlung !!!!!