Tochter des Nordens

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2011, Titel: 'Tochter des Nordens', Originalausgabe

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Volker Faßnacht
Zwei Leben - ein Schicksal

Buch-Rezension von Volker Faßnacht Okt 2011

Kurzgefasst:

Im 10. Jahrhundert: Gegen ihren Willen muss Runa ihre norwegische Heimat verlassen und mit ihrem Vater in die Normandie aufbrechen, wo sich dieser Reichtum und eigenes Land erhofft. Als er kurz vor der Ankunft unerwartet stirbt, ist Runa in der Fremde ganz auf sich allein gestellt. Das Schicksal führt sie mit der fränkischen Prinzessin Gisla zusammen, als diese in höchster Gefahr schwebt. Runa gelingt es, Gisla zu retten, und diese bietet ihr einen Pakt an: Wenn Runa sie sicher und unentdeckt zu ihrer Mutter geleiten kann, wird sie in ihre Heimat zurückkehren können. Die beiden wissen nicht, dass verborgene Feinde ihnen beiden derweil nach dem Leben trachten...

 

Tochter des Nordens von Julia Kröhn erzählt nicht das Schicksal von nur einer Frau im 10. Jahrhundert, wie man ja anhand des Titels vermuten könnte, sondern handelt von zwei Frauen, deren Ausgangspositionen eigentlich völlig verschieden sind: Die eine, Runa, die Tochter eines seefahrenden Nordmannes, die namengebende Protagonistin, die von ihrem Zuhause fortgerissen wird und im heutigen Frankreich strandet. Die andere: Gisla, die Tochter des Königs, die mit Rollo, dem Anführer der Normannen, die sich zu diesem Zeitpunkt auf französischem Boden bereits fest etablieren konnten, verheiratet werden sollte. Ganz nach dem Motto "wenn du deinen Feind nicht besiegen kannst, dann mache ihn zu deinem Freund". Dies gelang häufig durch eine Heirat, bezeichnenderweise natürlich nicht mit einem legitimen Königskind, sondern mit einem vom König anerkannten Bastard, gerade in diesem Fall, wurden doch die nordischen Besatzer als heidnische Barbaren gesehen.

Mutter und Tochter widersetzen sich, indem die Tochter zur Magd wird und die Magd künftig die Rolle der Prinzessin und Angetrauten des Normannen zu spielen hat. Dumm nur, dass eine einfache Magd keinerlei Privilegien in der mittelalterlichen Welt zu erwarten hatte und eine Prinzessin sich in dieser für sie fremden Welt nicht zurecht finden kann. Somit strandet auch sie. Schlimmer noch, beide Hauptpersonen befinden sich auf der Flucht und kommen so zusammen. Sie schließen einen Pakt, sich gegenseitig zu helfen, mit dem Ziel, dass die eine zurück in das Land ihrer Vorfahren kann, während die andere hofft, sich in Sicherheit, in den Wirkungskreis ihrer Mutter, bringen zu können.

Dies ist die Geschichte der beiden Frauen auf der Flucht, wobei dies nur ein Aspekt des vorliegenden Romans darstellt.

Dynamik durch einen zweiten Handlungsstrang - interessante Beschreibung der nordischen Mythologie

Die Autorin webt einen weiteren Handlungsstrang, im Buch durch die kursive Schrift eindeutig gekennzeichnet, in ihren Roman ein. Dabei geht es um ein Kloster (etwa 25 Jahre nach dem anderen Handlungsstrang) das zur Zuflucht eines Schwerverletzten wird, der irgendwie mit der Äbtissin in Verbindung zu stehen scheint. Dieser Aspekt ist besonders spannend, weil man zunächst nur sehr lückenhaft erahnen kann, wie diese beiden Geschichten zusammenpassen könnten.

Auch interessant ist die immer wieder eingestreute Thematik der nordischen Mythologie, da sie doch für die meisten Leser Neuland sein dürfte. Komisch eigentlich, denn die Normannen und das 10. Jahrhundert sind ein ereignisreiches Kapital der europäischen Geschichte.

Wer die österreichische Autorin von anderen ihrer historischen Romane bereits kennt, weiß um die Vorzüge ihrer Werke: Sprachlich gewandt, die Figurenzeichnung detailliert und breitgefächert: Hier gibt es Menschen von "gut" bis "böse", besonders aber gefallen die Farbnuancen dazwischen, wie z.B. launisch, von Hass verzehrt, innerlich zerrissen, ein von Herzen guter Mensch, Intriganten, naiv, pragmatisch, burschikos und zart.

Finsternis, Konstruktionismus und Langatmigkeit

Tochter des Nordens ist bisweilen ein recht finster wirkender Roman. Das mag ein Verdienst der Autorin sein, sie vermag die Kälte eines langen Winters an der Atlantikküste oder die wirren Gedanken eines vom Hass verzehrten Wahnsinnigen in den Kopf ihrer Leser zu transportieren. Manches Mal so beeindruckend realistisch, dass man das Buch ob seiner gefühlten Kälte ganz gerne zur Seite legen möchte.

Jedoch, und das ist wohl an dieser Erzählung zu kritisieren, erscheint der Plot teilweise unwirklich und konstruiert. So oft, wie die beiden Frauen in Schwierigkeiten geraten und sich dann aus aussichtsloser Lage plötzlich doch befreien können, ebenso wie ihre Verfolger, die über katzenhafte neun Leben zu verfügen scheinen und einfach nicht tot zu kriegen sind. Hier wäre wohl der Mut der Autorin, die eine oder andere Wendung weg zu lassen, zu begrüßen gewesen. Denn so könnte sich bei manchen Lesern das Gefühl, einen Hauch von Langatmigkeit zu verspüren, einstellen. Und das ist eigentlich schade.

Nichtsdestotrotz, ein lesenswerter und mit einem schönen, nicht alltäglich üblichen Cover ausgestatteter Roman, der durch ein Nachwort der Autorin zur Historie und zu Realem und Dazugeschriebenem ergänzt wurde.

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