Schatten über Sanssouci

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Emons, 2011, Titel: 'Schatten über Sanssouci', Originalausgabe

Couch-Wertung:

91
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Carsten Jaehner
Spannende Intrigen in Sanssouci

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Okt 2011

Kurzgefasst:

Er hat es zu Ruhm und Ansehen gebracht, der königlich-preußische Kammermusiker und Flötenlehrer Johann Joachim Quantz. Seine Werke werden im neuen Schloss Sanssouci aufgeführt, König Friedrich höchstpersönlich spielt sie mit seinen Hofmusikern. Doch dann legen sich Schatten über die glanzvolle Idylle: Noten des Königs werden gestohlen, ein Lakai verschwindet, und immer wieder gelingt Soldaten aus der Leibgarde des Königs die Flucht. Der Verdacht fällt auf Quantz, der sich bald im Mittelpunkt einer geheimnisvollen Hofintrige sieht - und erkennen muss, dass Musik weit mehr Macht besitzt, als er bisher ahnte.

 

Potsdam im Jahr 1748. Friedrich der Große hält in Sanssouci seine allabendlichen Kammermusiken ab. Begleitet wird er dabei von den musikalischen Größen der Zeit - Graun, Benda und am Cembalo Carl Philipp Emanuel Bach, dem Sohn des großen Johann Sebastian, der im Jahr zuvor vom Preußenkönig empfangen worden war und eine sechsstimmige Fuge als Aufgabe des Königs improvisieren musste. Dabei ist auch Johann Joachim Quantz, der Flötenlehrer von Friedrich, der mal mitspielt und mal nur zuhört, immerhin hat er den Großteil der Stücke, die Friedrich spielt, selbst komponiert.

Doch Quantz' Stern scheint im Sinken begriffen - die anderen Musiker schauen ihn neidisch an, aber das ist er gewohnt, verdient er doch fünfmal so viel wie jeder andere. Auch der König vermisst das originelle in den Kompositionen. Eines Nachts wird Friedrich zum König befohlen, der feststellt, dass Noten gestohlen wurden, und auch ein Lakai, der stumm ist und des öfteren Botengänge für den König gemacht hat, bleibt spurlos verschwunden. Friedrich beauftragt den Rat Weyhe mit Ermittlungen, und der hat bald Quantz im Visier. Was immer Quantz auch, Weyhe weiß es stets so zu drehen, dass Quantz noch tiefer in den Sumpf der Ermittlungen rutscht und somit beim König in Ungnade fällt.

Quantz beginnt selber mit Nachforschungen, und obwohl beim König nicht mehr gewollt, gelingt es ihm, Spuren aufzunehmen, und dabei kommt er einer großangelegten Verschwörung auf die Spur. An seiner Seite hat er dabei den französischen Philosophen Julien de La Mettrie, der aus Frankreich fliehen musste, bei Friedrich aber immerhin zum Kammerherrn und somit zum Vertrauten ernannt wurde. Er bringt Quantz bei, wie man anders anfangen muss zu denken, und gemeinsam geraten sie nicht nur in unerhörte Verstrickungen, sondern auch in Lebensgefahr.

Friedrichs Lehrer Quantz unter Verdacht

Friedrich der Große war schon des öfteren Gegenstand von zahlreichen Romanen, und er ist nicht nur als Kriegsherr und Politiker bekannt, sondern auch als Kunstliebhaber und als Musiker und Komponist. Die Musik ist es denn auch, die Oliver Buslau in seinem ersten historischen Kriminalroman "Schatten über Sanssouci" in den Mittelpunkt stellt und um sie herum eine exquisite Spionagegeschichte ersinnt, die einiges an Tempo und Einfallsreichtum zu bieten hat.

Hauptperson in seinem Roman ist Friedrichs Flöten- und Kompositionslehrer Johann Joachim Quantz, der heute mehr oder weniger in der Vergessenheit geraten ist, denn man nicht gerade selbst Querflöte spielt. Als Vertrauter des Königs glaubt er, mehr oder weniger "unverwundbar" zu sein und dass sein Lebensplan in Erfüllung gegangen ist. Doch durch Intrigen wird er von anderen gemieden und steht plötzlich völlig allein da, und das ausgerechnet, als er in Verdacht gerät, den König bestohlen zu haben. Auch fällt er beim König durch sein Verhalten in Ungnade, und sein Leben bricht wie ein Kartenhaus zusammen.

Schließlich ist Quantz so isoliert, dass er nicht mehr weiß, wem er überhaupt trauen kann. Mit Hilfe des Philosophen La Mettrie, der eigentlich lieber mit dem König parliert und danach dem Wein zuspricht, und Sophie, dem Hausmädchen und Geliebten von Quantz, versucht er selbst, Licht ins Dunkel zu bringen, macht es dabei aber eigentlich nur noch schlimmer. Durch seine geschickte Dramaturgie schafft es Buslau, dass immer, wenn Quantz meint, er käme aus dem Schlamassel heraus, es für ihn noch schlimmer wird und der Strudel der Ereignisse noch weniger aufzuhalten scheint.

Treffende Atmosphäre der Zeit

Buslau gelingt es hervorragend, den Leser in Zeit und Ort des Geschehens zu holen. Er nimmt sich die Zeit, Potsdam und Sanssouci vor dem Auge des Leser auferstehen zu lassen und spart auch nicht an Atmosphäre und an einem gewissen Kribbeln, das man verspürt, ehe man dem König entgegen tritt, sei es als Musiker oder als sonst eine Person, die mit ihm zu tun hat. Friedrichs Auftritte sind denn auch mitunter Wendepunkte im Roman, und auch er ist für die eine oder andere Überraschung gut.

Wenn man mit Quantz durch Potsdam geht oder mit der Kutsche fährt, kann man den Geist der Aufklärung und der Zeit förmlich spüren. Buslau versteht es, dem Leser das Leben der Zeit nahe zu bringen und verdichtet sowohl die Stimmung als auch die Handlung immer mehr, bis es erst auf den letzten wenigen Seiten zur Auflösung kommt. Das ist spannend konstruiert und dicht gewebt, und auch wenn die Geschichte ein wenig an Anlauf braucht, um so richtig in Fahrt zu kommen, wird doch der Boden bereitet, auf dem später das verloren gemeinte Zeit aufgeholt wird.

Spannende und bunte Figurenzeichnung

Neben Quantz und Friedrich sind es vor allem die weiteren Nebenfiguren wie La Mettrie und Sophie, die gut beobachtet sind. Ebenso Weyhe, der, wie in einem Film, immer zum unpassenden Moment auftaucht und Quantz wieder einen weiteren Schlag verpasst. Weitere Figuren, königlich und prominent oder auch nicht, gibt es häufig und viele, aber man verliert nie den Überblick, was der trefflichen Charakterisierung der einzelnen Personen zuzuschreiben ist. Alles in allem ist eine bunte Mischung gelungen, die man in vielen Romanen schmerzlich vermisst.

Wer sich auf der Suche nach dem verschwundenen Lakaien Andreas schmutzig macht, und wer es besser gelassen hätte, das beschreibt Buslau spannend und mit einer Portion Humor und Ironie, wie es zu der Zeit üblich war. Da wird kokettiert und intrigiert, dass es nur so eine Freude ist. Der anfängliche Leerlauf wird durch einen sich stetig steigernden Spannungsbogen wett gemacht, wobei der Autor es wirklich bis zum äußersten ausreizt und es fast zu viel wird. Ein Stadtplan Potsdams und ein achtseitiger Anhang zu den handelnden realen Personen ergänzen einen spannenden Roman, der eine andere Seite Friedrichs zeigt als die, die man sonst kennt, und die dem Musiker Quantz ein literarisches furioses Denkmal setzt. Ein gelungener Roman, der alles hat, was ein gutes Buch ausmacht. Mehr davon.

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