Sherlock Holmes und die Katakomben von Paris

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • kbv, 2011, Titel: 'Sherlock Holmes und die Katakomben von Paris', Originalausgabe

Couch-Wertung:

75
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Jörg Kijanski
Sherlock Holmes auf den Spuren von Marie Antoinette (oder so ähnlich)

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2011

Kurzgefasst:

Der englische Buchhändler David Tristram besucht seinen Freund Sherlock Holmes im südfranzösischen Montpellier, wo dieser abseits der Großstadthektik seinen chemischen Experimenten nachgeht. Gemeinsam statten sie einem Antiquariat in Nîmes einen Besuch ab. Dort ist Holmes nämlich keine geringere Lektüre als das Tagebuch seiner Großmutter angeboten worden. Doch der Besitzer des Manuskripts, ein Anwalt, wird in Paris ermordet aufgefunden. Holmes und Tristram reisen daraufhin in die Hauptstadt, finden aber keine Spur des Tagebuchs im Nachlass des Opfers.

Holmes findet heraus, dass die Aufzeichnungen seiner Verwandten Hinweise auf einen geheimnisvollen Schatz enthalten, den Marie Antoinette dereinst vor ihrer Inhaftierung und ihrer Hinrichtung auf der Guillotine verstecken konnte. Aber nicht nur Sherlock Holmes brennend an dem alten Manuskript interessiert, und das macht seine Suche so gefährlich...

 

Der in Florenz lebende englische Buchhändler David Tristram will sich die Weltausstellung in Antwerpen ansehen, da dort auch sein Schwager vertreten ist. Allerdings dient ihm dies eher als Vorwand für seine Reise, denn in Wirklichkeit möchte er den berühmten Meisterdetektiv Sherlock Holmes besuchen, der ein zurückgezogenes Leben in Montpellier führt. Bei Holmes angekommen, erfährt Tristram zu seiner großen Überraschung, dass Holmes französische Vorfahren hatte und ihm der Antiquar Pierre Charles Carrière aus Nimes ein Tagebuch seiner Großmutter angeboten habe. In Nimes angekommen erfahren Holmes und Tristram, dass der Anwalt, in dessen Besitz das Manuskript sich befinden soll, nicht zum verabredeten Zeitpunkt erschienen ist. Am nächsten Tag erfahren sie sogleich den Grund, denn besagter Anwalt wurde in seiner Wohnung in Paris erschlagen.

In der Hauptstadt suchen die beiden Spürnasen Hinweise auf den Verbleib des Tagebuches und versuchen gleichzeitig den seltsamen Mordfall aufzuklären. Für den leitenden Kommissar Patrice Legrand ist der Fall hingegen schon gelöst, denn der Meisterdieb Renard hat am Tatort sein typisches Erkennungszeichen hinterlassen. Jetzt müsste man diesen nur noch finden, doch er scheint wie vom Erdboden verschluckt. Für Holmes kein größeres Problem, denn er glaubt ohnehin nicht an dessen Schuld, und auch für Tristram ist die Sache eindeutig; er hält den höchst verdächtig erscheinenden Antiquar Carrière für den Täter. Während die Suche nach dem Mörder ein wenig ins Stocken gerät, machen die Beiden aber immerhin Fortschritte auf der Suche nach dem Tagebuch, welches offenbar Hinweise auf einen geheimnisvollen Schatz enthält, den angeblich keine Geringere als Marie Antoinette kurz vor ihrer Hinrichtung verstecken konnte. Offenbar sind sie jedoch nicht allein auf der Suche nach dem Schatz, der sie bis in die Katakomben von Paris führt ...

Gelungene Holmes-Adaption

Die Sherlock-Holmes-Adaption von Franziska Franke entführt ihre Leser nach zwei Gastspielen in Florenz nun also nach Frankreich, wo der "berühmteste Detektiv aller Zeiten" ein beschauliches Leben führt. Er widmet sich der Bienenzucht und seinen chemischen Experimenten und lebt unter dem Pseudonym Sigerson. Ansonsten ist die Figur des Sherlock Holmes so, wie man sie von den Erzählungen und Romanen des Sir Arthur Conan Doyle in Erinnerung hat. Eigenbrötlerisch, mürrisch, natürlich stets seinen Gesprächspartnern um etliche Erkenntnisse voraus und gerne ein wenig oberlehrerhaft. Mehr als einmal muss sich Tristram daher vorwerfen lassen, dass er den kleinen Details zu wenig Aufmerksamkeit schenkt.

Die Adaption ist gut gelungen und Holmes "französische Herkunft" wird glaubhaft aufgezeigt. Die Geschichte wird von David Tristram erzählt, dessen Figur somit einen nicht unerheblichen Teil der Geschichte einnimmt. Einige historische Fakten und Begebenheiten bis hin zu Ereignissen aus der Zeit der französischen Revolution machen den Roman interessant und mehrere verdächtige Personen sorgen für ausreichend Spannung. Natürlich hat man - wie beim Original - keine Chance, dem Meisterdetektiv bei der Lösung des Falles zuvorzukommen, wobei die Lösung im vorliegenden Plot dessen eigentlicher Schwachpunkt ist. Ein bisschen plötzlich, ein bisschen simpel und vor allem ein bisschen ärgerlich, wobei der letzte Punkt allerdings Geschmacksache ist.

Dennoch ist der dritte Roman der Sherlock-Holmes-Reihe von Franziska Franke ein lesenswertes Vergnügen für alle Holmes-Fans, die sich zurzeit vor "Adaptionen" kaum retten können. Empfohlen seien an dieser Stelle deshalb Das Geheimnis des weißen Bandes von Anthony Horowitz (erschienen im Insel-Verlag), die in Köln spielende Marius-van-Larken-Serie von Stefan Winges (Emons) oder das kleine, aber nett aufgemachte Büchlein Die Wahrheit über Sherlock Holmes: Aus den Unterlagen seines Erzrivalen (Eichborn).

Sherlock Holmes und die Katakomben von Paris

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