Das Urteil am Kreuzweg

Erschienen: Januar 1998

Bibliographische Angaben

  • Diana, 1998, Titel: 'An Instance of the Fingerpost', Originalausgabe

Couch-Wertung:

79

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Eva Schuster
Reizvolles historisches Ränkespiel in Oxford

Buch-Rezension von Eva Schuster Okt 2011

Kurzgefasst:

Ein Giftmord am ehrenwerten New College versetzt im Jahr 1663 ganz Oxford in Aufruhr. Nicht nur zahlreiche Gelehrte sind in die Tat verstrickt, sondern auch alte und neue Anhänger von König Charles II., der gerade erst aus dem Exil zurückgekehrt ist. Vier Zeugen erzählen von den dramatischen Ereignissen - aber welchem von ihnen kann man Glauben schenken?

 

England, 1663, mitten in der Restauration. Nach Oliver Cromwells Tod ist Charles II. an der Macht. Die Gesellschaft ist geprägt durch ein tiefes Misstrauen zwischen den Königstreuen und den Puritanern und ebenso zwischen den Anglikanern und den Katholiken. In dieser Zeit kommt der venezianische Kaufmannssohn Marco da Cola nach Oxford, um dort Medizin zu studieren.

Schon gleich nach seiner Ankunft bekommt er es mit einem brisanten Fall zu tun, als er eine alte Frau mit einem gebrochenen Bein verarztet. Ihre Tochter Sarah Blundy wird als Gift-Mörderin des angesehenen Arztes Dr. Grove gehenkt. Obwohl sich da Cola nicht einer gewissen Bewunderung für die intelligente und eigensinnige junge Frau entziehen kann, hält er Sarah für schuldig und gibt das in seinem abschließenden Bericht zu Protokoll. Anders geht es seinem Bekannten Jack Prescott, der da Colas Sicht anzweifelt und einen eigenen Bericht zu seiner Sicht abliefert.

Auch der Mathematikprofessor John Wallis und der Archivar Anthony Wood haben verschiedene Ansichten und legen ihrerseits Berichte über den Mordfall und mögliche Verschwörungen ab, die alle bisherigen Kenntnisse wieder auf den Kopf stellen ...

Vier Berichte und ein Todesfall

Ein Mord, eine Verurteilung und eine Hinrichtung - was zunächst so einfach und klar aussieht, entpuppt sich auf rund 800 Seiten als rätselhaftes und verworrenes Winkelspiel inmitten einer faszinierenden Epoche des Umbruchs. Der Historienkrimi präsentiert sich seinen Lesern als verschachteltes Konglomerat aus vier Berichten, die alle eine plausible Sichtweise der Ereignisse wiedergeben - und die sich doch teilweise frappierend widersprechen. Die Berichte stammen von vier Personen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Da ist einmal der sympathische Marco da Cola, ein Gentleman von angesehener Herkunft, dessen Bericht der Leser zunächst gerne Glauben schenkt. Dann ist da der fanatische Jack Prescott, der um jeden Preis die Unschuld seines Vaters beweisen will, der als Verräter der Royalisten gilt und der sich in brisante Theorien verstrickt. John Wallis wiederum, Kryptograph des neuen Königs und Oxford-Professor, schenkt da Colas Bericht keinen Glauben und stellt seine Ansicht einer politischen Verschwörung höchsten Ausmaßes dar. Und dann ist da der etwas eigenartige Archivar Anthony Wood, der die bisherigen Sichtweisen nicht nur wiederum ergänzt, sondern auch endlich einige Fragen klären kann. Jede Perspektive bietet für sich gewisse plausible Züge und doch weiß der Leser natürlich, dass die Wahrheit vermutlich eine Kombination aus allen Berichten sein wird. Immer wieder werden scheinbare Fakten auf den Kopf gestellt und es gilt umzudenken und sich auf überraschende Wendungen einzulassen, von denen die größte ganz am Schluss auftaucht.

Detailgenaue Epochendarstellung

Die Klärung des Mordfalls zieht zwar das Interesse des Lesers auf sich, genauso aber fasziniert ihn auch die bildgewaltige Darstellung dieser bunten Epoche. Die politischen Verwicklungen jener Zeit, die sich aus Oliver Cromwells Herrschaft ergaben, die Positionen von Mann und Frau, von Arm und Reich in der Gesellschaft und die religiösen Konflikte nehmen einen breiten Raum ein. Noch ausführlicher werden die wissenschaftlichen Entwicklungen dieser Zeit beleuchtet. Der Leser erfährt viele Details aus medizinischen Behandlungen, von der Operation bis zur Sezierung von Leichen.Auch das Alltagsleben verschiedener Schichten wird eingehend thematisiert und trägt dazu bei, dass der Leser ein umfassendes Bild vom Leben im England der 1660er Jahre erhält. Gelungen ist auch die Einbindung historischer Figuren, die mal tragende Rollen einnehmen wie John Wallis und Anthony Wood und mal am Rande auftauchen wie John Locke oder Robert Boyle.

Anspruchsvolle Lektüre

Diese Gegenüberstellung vier grundverschiedener Ansichten zu einem spektakulären Mordfall und seinen Hintergründen ist sowohl faszinierend als auch höchst anspruchsvoll gestaltet. Die enorme Komplexität des Romans erinnert an die Werke Umberto Ecos, und ein Vergleich mit diesem großen Autor ist in der Tat nicht unangebracht. Dementsprechend gefordert wird hierbei der Leser. Nicht nur der enorme Umfang des Werkes, auch die Gegenüberstellung der vier Berichte, die Abweichungen und die damit immer wieder neuen Sichtweisen wollen sorgfältig gelesen werden. Zahlreiche Details spielen im späteren Verlauf eine wichtige Rolle und es ist nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Wer sich in erster Linie einen spannenden Krimi erhofft, der eben nur ein paar Jahrhunderte zurück versetzt spielt, wird möglicherweise enttäuscht. Zeitweise gerät die Untersuchung des Mordes fast in den Hintergrund und stattdessen präsentiert sich der Roman vor allem als äußerst facettenreiches Porträt einer bewegten Epoche voller politischer Ränkespiele und bahnbrechender Neuerungen. Letztlich werden in diesem Werk auch nicht sämtliche offenen Fragen geklärt. Auch nach dem letzten Bericht gibt es noch Raum für gewisse Spekulationen. Das hat einerseits durchaus seinen Reiz, wird aber gewiss nicht jeden Leser zufrieden stellen - unter Umständen muss man sogar noch nach der Lektüre ein wenig zurückblättern, um sicher zu gehen, dass alle Zusammenhänge richtig verstanden wurden. Hin und wieder gibt es auch kleine Durststrecken zu überwinden, wenn Schilderungen gar zu ausführlich geworden sind und es kann nicht schaden, sich parallel ein bisschen über Oliver Cromwell zu informieren, um wirklich den Durchblick über die Zeit zu behalten.

Als Fazit bleibt für den Leser ein sehr anspruchsvolles historisches Werk, das auf faszinierende Weise einen komplexen Mordfall beleuchtet. Der außerordentliche Umfang des Romans und die Komplexität des Inhalts sind eine kleine Herausforderung, doch wer durchhält, wird mit einem sehr reizvollen Werk belohnt, das auch nach der Lektüre noch nachwirkt.

Das Urteil am Kreuzweg

Das Urteil am Kreuzweg

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Letzte Kommentare:
16.06.2014 08:47:43
win_fried

Dies ist ein historischer Roman, der sowohl inhaltlich als auch stilistisch herausragt. Ein historischer Krimi in einem sehr interessanten Ambiente, mit interessanten oder widersprüchlichen Figuren und vier Versionen einer Geschichte, die je nach Erzähler sehr unterschiedlich ausfallen. Ein hübsches Puzzle, das zum Nach- und Mitdenken anregt.