Töchter der Sünde

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2011, Titel: 'Töchter der Sünde', Originalausgabe

Couch-Wertung:

74
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Rita Dell'Agnese
Gelungene Fortsetzung der Erfolgsgeschichte

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2011

Kurzgefasst:

Die ehemalige Wanderhure Marie lebt glücklich auf Burg Kibitzstein. Ihre Kinder sind erwachsen, die Töchter bereits verheiratet, und nun soll auch ihr Sohn Falko unter die Haube. Doch Falko ist ein Heißsporn, und als er sich bei einem Turnier erbitterte Feinde macht, schickt ihn der Fürstbischof von Würzburg mit seiner Nichte Elisabeth nach Rom. Dort soll das junge Mädchen Vorsteherin in einem Nonnenkloster werden. Zwar kann Falko zunächst der Versuchung widerstehen, die Schöne zu verführen, stürzt sich jedoch in Rom in eine Affäre mit der Tochter seines Todfeindes. Damit gefährdet er die Aufgabe, die dort auf ihn wartet: Er soll den Besuch des deutschen Königs Friedrich III. und seine Kaiserkrönung vorbereiten, und die Widersacher lauern schon...

 

Nicht immer lesen sich die Nachfolgeromane eines erfolgreichen Auftakts gut. Wer diese Erfahrung mal gemacht hat, wird wohl dem Roman Töchter der Sünde zunächst mit Skepsis begegnen. Denn es ist bereits der fünfte Teil der Geschichte rund um die Wanderhure Marie. Doch das Autorenpaar Elmar und Iny Lorentz beweist, dass es sehr wohl möglich ist, eine Geschichte weiterzuspinnen, ohne in ausgetretenen Schuhen zu stecken. In diesem Roman geht es denn auch nur noch sehr am Rande um Marie selber. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Maries Sohn Falko, ein junger Heißsporn und bezüglich Frauen keineswegs ein Kostverächter. Um einen offenen Zwist zwischen Falko und Bruno von Reckendorf zu vermeiden, betraut der Württemberger Fürstbischof den jungen Mann mit einer wichtigen Mission. Falko soll die Nichte des Fürstbischofs, Elisabeth, nach Rom begleiten, wo sie in einem zurückgezogenen Konvent Äbtissin werden soll. Schnell verfällt Falko dem Liebreiz der jungen Frau, wird aber von seinem Freund, Giso, der in geheimer Mission ebenfalls nach Rom muss und sich dem Reisezug anschließt, scharf beobachtet. Seine unerfüllte Liebe zu Elisabeth lässt bei Falko zunächst düstere Stimmung aufkommen. Bis er in Rom Francesca Orsini begegnet, die ihn mit ihrer exotischen Schönheit bezirzt. Zwischen den beiden Frauen hin und her gerissen merkt Falko zunächst nicht, dass er zum Spielball in einem Komplott gegen Kaiser Friedrich III. werden soll.

Leichte Kost und trotzdem spannend

Die Geschichte ist in bekannter Lorentz-Manier geschrieben und lässt sich so leicht lesen, dass schon wenige Zeilen reichen, um einen Einstieg ins Buch zu finden. Das Autorenpaar versteht es jedoch, die Sprache optimal einzusetzen, und einen zwar leichtfüßigen aber spannenden Roman vorzulegen. Zwar bewegt sich die Geschichte stark an der Oberfläche, ist aber weit davon entfernt, oberflächlich oder seicht zu werden. Falkos Handlungsweise ist der Denkstruktur eines jungen Mannes angepasst und wirkt entsprechend stimmig. Das Gewicht des Romans liegt klar auf den Schultern des Sohnes von Marie. Dennoch sind einige weitere Protagonisten recht detailliert und überzeugend ausgearbeitet, die Autoren erlauben auch den Nebenfiguren kaum ein Schwächeln.

Ein paar Verbiegungen

Ganz ohne Verbiegungen kommt der Roman aber leider nicht aus. Während die Atmosphäre auf der Reise wunderbar ausgearbeitet und die Alpenüberquerung hervorragend geschildert ist, gibt es in Rom einige Situationen, in denen der Eindruck entsteht, hier sei etwas Druck nötig gewesen, um die Geschichte in die gewünschte Form zu bringen. Gerade die Geschichte der Familie d'Specchi mutet etwas abstrus an. Ebenso fehlt es bei der Auflösung gegen Schluss etwas an Überzeugungskraft. Hier wird man dem Eindruck nicht los, dass etwas zu phantastische Gedanken Pate gestanden sind.

Kein Abklatsch

Grundsätzlich bekommt mach mit dem fünften Band der Wanderhuren- Saga einen Roman präsentiert, der als eigenständiger Roman bestehen kann und alles andere als ein Abklatsch der bisherigen Geschichte darstellt. Die Verlagerung des Gewichts auf Maries Sohn - und der Umstand, dass Marie in Würde alt werden durfte - belebt den Roman und lässt darauf hoffen, dass weitere Folgen der Geschichte mit ebenso viel Eigenständigkeit ausgestattet sein werden. Auf seine Kosten kommt aber auch, wer die ersten Teile der Wanderhuren-Saga nicht kennt. Iny Lorentz legen einen in sich geschlossenen Roman vor, der nicht so stark von Verweisen auf frühere Teile durchzogen ist, dass der Lesegenuss darunter leiden könnte.

Hochwertige Ausgabe

Gelungen ist letztlich auch die optische Umsetzung, wenngleich das Cover der HC-Erstausgabe dem altbekannten - und wenig originellen oder verheißungsvollen - Trend mit dem kopflosen Frauenkörper folgt. Auf der Innenseite des Schutzumschlages findet sich eine Kurzbeschreibung der Reisegefährten. Ein ausführlicheres Personenregister und ein Glossar runden die Ausgabe ab. Interessant sind auch die geschichtlichen Hintergründe, die das Autorenpaar im Nachwort aufgreift.

Alles in allem muss sich Töchter der Sünde vor den bisherigen Wanderhuren-Teilen nicht verstecken und ist ein mit einer humorvollen Note versehener, solider Roman, der einige vergnügliche und spannende Lesemomente verspricht.

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