Die Gebeine von Avalon

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2010, Titel: 'The Bones of Avalon', Originalausgabe

Couch-Wertung:

80
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Carsten Jaehner
Auf der Suche nach König Artus' Grab

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Sep 2011

Kurzgefasst:

Wer schützt die Königin gegen die Mächte der Finsternis? Panik am Hofe von Elisabeth I.: Der Astrologe Nostradamus hat den Sturz der jungen Königin vorhergesagt, sollte es ihr nicht gelingen, "die Knochen ihres Ahnherrn zu finden". Gleichzeitig wird ruchbar, in der gewaltigen Ruine des Klosters von Glastonbury sei das Grab von König Artus entdeckt worden. Sofort schickt Elisabeth den fähigsten Mann auf die Suche: Dr. John Dee, Hofastrologe und aller verborgenen Wissenschaften kundig. Doch Glastonbury ist eine Stadt voller Geheimnisse. Bald verliebt sich der junge Gelehrte in die Tochter des Wundarztes. Erst spät erfährt er, dass ihre Mutter als Hexe starb. Wieder flammt der Hexenwahn auf in Glastonbury, grausame Morde geschehen, und am Ende steht John Dee tief in den Gewölben des Klosters einem stummen Feind gegenüber...

 

Dr. John Dee, der Hofastrologe von Königin Elizabeth, wird im Jahr 1560 von Ihrer Majestät auf eine geheime Mission geschickt. Er soll herausfinden, was mit den Gebeinen des sagenumwobenen König Artus passiert ist, nachdem er verstorben ist, und diese zur Königin bringen. Ihr wurde prophezeit, dass sie gestürzt werde, sollte sie es nicht schaffen, die Knochen ihres Ahnherrn zu finden.

Dee macht sich auf nach Glastonbury, wo in der Klosterruine der Abtei das Grab von Artus gewesen sein soll, ehe das Kloster zerstört wurde. Begleitet wird Dee neben einigen Bewachern von Robert Dudley, dem Favoriten der Königin, der allerdings noch glücklich verheiratet ist und somit in einem persönlichen Dilemma steckt.

Dee, Dudley und ihre Begleiter werden in Glastonbury von der Bevölkerung nicht gerade mit offenen Armen empfangen, vor allem die ehemaligen Mönche der Abtei, die dort geblieben sind, beobachten die beiden mit Argusaugen und sind weder gesprächs- noch hilfsbereit. Als ein Arzt benötigt wird, machen sie Bekanntschaft mit Eleanor Borrow, der Tochter des Wundarztes von Glastonbury, die ebenfalls als Ärztin tätig ist. Dee verliebt sich in sie, und endlich geht es mit den Ermittlungen voran. Als einer von ihren Begleitern brutal ermordet wird, merken sie, dass es sich bei ihrem Auftrag um viel mehr als die Suche nach einem toten König handelt, und plötzlich geht es um die Zukunft des gesamten Königreichs...

Im Auftrag Ihrer Majestät Elizabeth I.

Durch den gesamten Roman aus der Feder von Phil Rickman herrscht eine düstere Atmosphäre, die durch das schlechte Wetter noch verstärkt wird. John Dee und Robert Dudley werden nach Glastonbury geschickt, wo einst das Kloster stand, in dem König Artus bestattet wurde und das demnach einst Avalon gewesen sei soll. Dabei spielt Rickman mit der nicht gesicherten Möglichkeit, dass Artus hier begraben worden sei, und noch heute kann man sich die Örtlichkeiten anschauen. Das verspricht interessanten, mystisch-verruchten Geschichtsunterricht.

Rickman kennt sich aus in der Zeit Elizabeths I. und bringt dem Leser die Örtlichkeiten von Glastonbury und die düstere Atmosphäre der Zeit gut rüber. Dabei nimmt er sich gelegentlich Zeit, die er braucht, auch um Sachverhalte zu erklären, ohne den Leser zu langweilen. Dabei taucht der Leser ein in die medizinischen Möglichkeiten der damaligen Zeit oder in die Schacherei und den Handel von Reliquien, die gerade aus der zerstörten Abtei eine hohe Bedeutung hatten. Man riecht förmlich den Moder der Zeit und kann froh sein, in heutigen Tagen zu leben.

Mysteriöse Charaktere

Neben den beiden Ermittlern stehen vor allem Eleanor und ihr Vater im Zentrum der Erzählung, die beide, so unterschiedlich sie auch sind, treffend charakterisiert werden. Das "Nebenpersonal", vom Hufschmied bis zum Reliquienhändler und anderen "Typen", ist bunt gewürfelt, wenngleich alle irgendwie sympathisch und unsympathisch zugleich sind. Niemand ist nur schwarz oder weiß, bei allen ist irgendwie Misstrauen angesagt und größtenteils auch berechtigt. Irgendwie hat jeder etwas zu verbergen, und das macht die Ermittlungen nicht gerade leichter.

Allerdings ist der Roman über einige Strecken sehr dialoglastig geraten, und immer wieder geraten diese Dialoge vom Großen ins Kleine und man fragt sich, was das mit der Handlung zu tun hat. Neben tatsächlich relevanten Dingen wird viel philosophiert, über das Reich, das Leben an sich und Artus und das Kloster und die Menschen, dazu die Familiengeschichte Elizabeths und vor allem die ihrer Eltern, Heinrich VIII. und Anne Boleyn. Das alles mag für sich interessant sein, doch hier wäre weniger mehr gewesen und einige Straffung hätte dem Roman sichtlich gut getan.

Längen in den Dialogen

Wenn man über diese Längen hinweg sieht, entpuppt sich dennoch ein recht spannender Roman, der seine Auflösung nur langsam und allmählich preisgibt. Immer wieder gibt es Sackgassen, in die der Leser geführt wird, Irrwege und Überraschungen pflastern den Leseweg. Doch wird dies nicht übertrieben, und so kann der Leser immer wieder miträtseln, was denn mit den Gebeinen von Artus passiert sein mag, wer sie entwendet hat und wem das Ganze überhaupt was nützt. Dass der Aberglaube in dieser Zeit eine große Rolle spielt, ist dabei nur eine Randnotiz.

Ein siebenseitiger Anhang ergänzt einen Roman, der zwar spannend ist, durch seine zahlreichen Längen, vor allem in den Dialogen, aber allzu oft an dieser Spannung einbüßt. Erfreulich kurze Kapitel lassen den Leser immer wieder innehalten und durch die dadurch erreichten häufigen Perspektivwechsel zwischen den Ermittlungen Dudleys und Dees sowie weiteren Nebenhandlungen entsteht ein buntes und umfangreiches Bild der Zeit und der Ermittlungen, die in ein temporeiches Finale münden. Gerade bei Artus ist die historische Beweislage dürftig bis mythisch, doch Rickmans Ansatz ist in sich stimmig und somit eine gute Basis für einen historischen Roman, der für Freunde der Renaissance einiges zu bieten hat, sofern er bereit ist, die Ausdauer für die gut 650 Seiten mitzubringen. Gerne wird man weitere historische Romane dieses Autors lesen.

Die Gebeine von Avalon

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