Glutorange

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Bebra, 2011, Titel: 'Glutorange', Originalausgabe

Couch-Wertung:

88
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Carsten Jaehner
Preußenkrimi mit ordentlich Feuer

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Sep 2011

Kurzgefasst:

Oktober 1760: Während Friedrich II. mit seinen Truppen fern der Hauptstadt kämpft, besetzen Russen und Österreicher Berlin. Als der vom König hochgeschätzte Kunstmaler Jean-Baptiste Feudras bei einem Feuer ums Leben kommt, wird die Öffentlichkeit aufgeschreckt. Die russisch-österreichische Kommandantur tut freilich nichts, um die Hintergründe aufzuklären, weswegen der König im Eilanmarsch, um Berlin zu befreien seinen vor Ort verbliebenen Zweiten Hofküchenmeister mit Nachforschungen beauftragt. Honoré Langustier gerät in ein Labyrinth aus Habgier, Hass und Leidenschaft...

 

Im Oktober 1760 tobt der Siebenjährige Krieg. König Friedrich II. ist auf dem Feld, und Berlin wird von den Russen belagert und bombardiert. Da wird in Berlin der Kunstmaler Jean-Pierre Feudras Opfer eines Brandes. Er hatte einen Spezialauftrag des Königs zu erledigen, und so beauftragt Majestät seinen Zweiten Hofküchenmeister Honoré Langustier mit Ermittlungen.

Langustier hatte noch am Vorabend mit Feudras beim Wein zusammen gesessen und beginnt mit den Ermittlungen. Dabei steht ihm Feudras' Tochter Marie-Cécile zur Seite. Dank eines Permisses des Königs befragt Langustier Freunde, Gönner und andere Personen im Umfeld des Malers und muss zudem die Hohen Herrschaften der Regierung Berlins bekochen. Und unter all dem wird die Stadt beschossen, und auch Langustier gerät selbst in Gefahr um Leib und Leben.

Mord im Kunstmalermilieu

In seinem nunmehr elften Fall lässt Tom Wolf den Zweiten Hofküchenmeister Honoré Langustier den Tod eines Freundes aufklären. Nachdem die Leser der Reihe bereits in verschiedene Künste wie Musik und Mode geholt wurden und dort Morde aufgeklärt wurden, ist nun die Malerei zentrales Thema des Romans. Dabei führt der Autor den Leser in die Kunst der Malerei und des Kopierens von Originalen ein, nebst einem kurzen Exkurs zu Bildern des Malers Antoine Watteau. Die Verbindung zwischen dem Opfer Feudras und dem König bleibet zunächst mysteriös, und das hält noch eine Zusatzspannung aufrecht.

Durch die Belagerung Berlins mit Beschuss durch die Russen gerät Langustier erstmals selbst persönlich in Gefahr. Das und der Mord an einem Freund machen diesen Fall auch zum Teil zu einer persönlichen Sache. Schnell merkt sein geübtes Auge, dass der Brand in Feudras' Atelier nichts mit dem Angriff der Russen zu tun hat und dass sein Freund bereits tot war, als der Brand ausbrach. Hier wird Langustiers Ehrgeiz geweckt, und der Krimi nimmt an Fahrt auf.

Tom Wolf baut die Spannung sehr intensiv auf. Er versteht es, zunächst Feudras in seinem stimmungsvollen Umfeld einzubauen und ihn schließlich aus Sicht des unbekannten Mörders zu töten. Das weckt Antipathien gegen einen so grausamen Mord, und man verfolgt die Ermittlungen mit umso mehr Eigenehrgeiz.

Genussvolle Einlagen König Friedrichs II.

Eigentliche Höhepunkte sind aber die Szenen mit König Friedrich II. Er befindet sich außerhalb der Stadt im Krieg und kann nicht persönlich vor Ort sein. Doch das Schlachtengeschehen an der Front hält ihn auf, und die dortigen Beschreibungen und die politischen Verhältnisse werden gut und leserfreundlich dargestellt. Die nicht einfachen Gründe für die Belagerung Berlins werden nachvollziehbar erklärt und es wird klar, dass und warum die Belagerung Langustiers Ermittlungen erschwert.

Doch Tom Wolfs Faible für Friedrich II. ist ungebrochen, und genüsslich liest man die Passagen, in denen seine Majestät persönlich auftauchen und am Rande des Schlachtfelds sich die Lage erklären lässt:

 

 

"Seindt hier herum Kosacks?"

"Einige Hundert leichte Reiter unter Turowerow und Tswetanowitsch. Liefern sich Scharmützel mit der preußischen Kavallerie. Sind hier nicht sicher, Majestät!"

"Wenn einer kömbt - ich seindt der Gärtner!"

 

Die Verdächtigen geben sich die Klinke in die Hand, und eine persönliche Verbindung macht den Fall besonders brisant, denn einer der Hauptangreifer unter den Russen ist Graf von Tottleben, dessen geschiedene Frau nun mit einem Kunsthändler verheiratet ist, der sich um Feudras Bilder bemühte. Auch der Kunstfreund Gotzkowsky interessierte sich für die Bilder, und so sind Verdächtige nicht nur in Kunstkreisen, sondern auch in Armeekreisen zu suchen. Viel Arbeit für Langustier, dessen Scharfsinn letztlich doch wieder zur Lösung führt. Mehr kann hier jedoch nicht verraten werden.

Brisante Ausgangslage

Tom Wolfs Krimireihe um Honoré Langustier und Friedrich II. neigt sich zwar leider dem Ende entgegen (siehe Interview mit dem Autoren auf der Histo-Couch), aber es macht weiterhin Spaß, die Fälle zu verfolgen. Intensiver als sonst nimmt in Glutorange die politische Situation ihren Raum ein, was die Gesamtstimmung in diesem Fall durch den Krieg verdüstert und eine pulver- und rauchgeschwängerte Atmosphäre schafft. Das macht den Roman brisanter als sonst. Und da Tom Wolf ansonsten auf keine der bekannten Macken und Marotten verzichtet, passt der Roman sehr gut in die Reihe.

Der lange Anhang mit gewohnten Informationen zu den Romaninhalten liest sich noch einmal so interessant wie der Roman selbst und sollte nicht ausgespart werden. Aus diesen Informationen hat Tom Wolf einen spannenden Kriminalfall entwickelt, vorgefallen im Künstlermilieu während eines Angriffs der Russen, gespickt mit gewohnten gelungenen Kocheinlagen Langustiers und kleinen Kabinettauftritten Seiner Majestät. Glutorange ist der passende Titel für einen Roman, in dem das Feuer eine so große Rolle spielt. Wir freuen uns auf Ihren nächsten Einsatz, Messieurs.

 

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