Für die Freiheit von Hamburg

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Emons, 2011, Titel: 'Für die Freiheit von Hamburg', Originalausgabe

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Annette Gloser
Kaufmann, Ritter und Begine

Buch-Rezension von Annette Gloser Sep 2011

Kurzgefasst:

1410 - Der ehemalige Henker der Stadt Hamburg hat sich in ein Kloster zurückgezogen, doch als ein Ratsherr umkommt und sein Freund Johann in Gefahr gerät, lässt er sich auf ein Abenteuer ein. Bald führt ihn der Freundesdienst nach Polen und Litauen, mitten in den Krieg des Deutschen Ordens, zu dem er in seiner Jugend gehörte. Die Begine Elisabeth, die ihn liebt, hält nichts mehr in ihrem Konvent, auch sie folgt ihm in die Fremde. Währenddessen häufen sich in Hamburg unerklärliche Vorgänge: Wer sind die beiden unheimlichen Gestalten, die ein Haus im armen Kirchspiel Jacobi mit Folter und Kindesentführung heimsuchen?

 

Fast zehn Jahre sind vergangen seit Richard von Hardin als Henker von Hamburg Klaus Störtebeker und seine Gesellen gerichtet hat. Zwar hat er sich in ein Kloster zurück gezogen, aber einmal im Jahr, zum St. Nicolaustag, reitet er nach Hamburg. Dort trifft er seine Freunde Johann Cletzen und Geseke Clingspor, vor allem aber seine große Liebe, die Begine Elisabeth.

In diesem Jahr 1410 allerdings will der Herzog von Lauenburg ein Geschäft mit den Hamburgern machen. Für viel Geld verpfändet er den Schmuck seiner Gemahlin bei einem Hamburger Kaufmann. Die Stadt Hamburg muß das Pfand sicher verwahren. Offenbar haben Diebe es auf das wertvolle Schmuckstück abgesehen, denn ein Ratsherr, der es bewachen sollte, wird tot aufgefunden. Das teure Pfand allerdings ist noch da und der Rat übergibt es Johann Cletzen zur Aufbewahrung. Eine wilde Hetzjagd auf den Ratsherrenmörder beginnt. Richard gerät mitten hinein, wird verdächtigt, eingekerkert und der peinlichen Befragung unterzogen. Erst die Fürsprache Geseke Clingspors kann ihn retten. Schnell wird allerdings klar, dass vorläufig keine Ruhe in Hamburg einziehen wird. In Johanns Haus wird eingebrochen, auch im Hause Clingspor schleicht ein Einbrecher herum und das Haus der Witwe Radmering scheinen die Bösewichte ebenfalls im Auge zu haben. Johann weiß keinen anderen Weg, als das Pfand Richard anzuvertrauen, damit dieser es aus der Stadt und in sein Kloster bringt.

Derweil wird Elisabeth von der Beginenmeisterin hart gestraft, weil sie gegen die Regeln des Konventes verstoßen hat. Sie verrichtet geduldig die ihr auferlegten Arbeiten. Aber als ihr auch das Heilen verboten und sie vom Besuch der Kirche ausgeschlossen wird, packt sie ihre Sachen. Aufnahme findet sie in Gesekes Haus, an eine Heirat mit Richard ist jedoch nicht zu denken. Denn dieser hat sich in der Zwischenzeit in das Land der Deutschordensritter, Richtung Polen und Litauen, aufgemacht um einem alten Freund zu Hilfe zu eilen. Als das Pfand in Hamburg benötigt wird, kann es niemand finden. Elisabeth beschließt daher, Richard nachzureisen und das Pfand zurück zu holen. Sie kann nicht ahnen, dass sie in eine der verlustreichsten Schlachten des Deutschen Ordens hinein geraten wird, die Schlacht bei Tannenberg.

Währenddessen aber haben sich in Hamburg die Bürger gegen den Rat erhoben. Sie fordern ein Mitspracherecht für sich. Die ganze Stadt befindet sich in einem Ausnahmezustand, jubelt, tanzt und lacht. Mittendrin Geseke Clingspor, die von der Familie endlich die Erlaubnis bekommen hat, ihren Johann zu heiraten. Der aber scheint für sie nur wenig Zeit zu haben, denn die Hamburger wählen eine Gruppe von sechzig Männern aus. Diese Gruppe soll die Anliegen der Bürger vor dem Rat vertreten. Und Johann Cletzen gehört dazu.

Historikerin trifft Erzähltalent

Der Folgeband von Störtebekers Henker bietet einen genauso bunten und vielfältigen Einblick in die Geschichte Hamburgs wie der erste Teil der Geschichte. Hier allerdings erweitert um einen Ausflug in das alte Ordensland Preußen. Der Autorin gelingt da Kunststück, die auseinander driftenden Geschichten und Abenteuer ihrer Protagonisten stets wieder am richtigen Punkt zusammen zu führen. Für den Leser ist es nicht immer einfach, dem einen zu folgen ohne das andere aus den Augen zu verlieren. Vier gleichwertige Hauptprotagonisten, d.h. zwei Paare, die beide irgendwie unter die Haube zu bringen sind und dabei auch noch ständig auseinanderwuseln, machen die Sache recht kompliziert. Schließlich am Ende angekommen hat man aber das Gefühl, einer runden und in sich stimmigen Erzählung gefolgt zu sein und tatsächlich einen "definitionsgerechten" Roman mit mehrsträngiger Handlung und unterschiedlichen Erzählebenen gelesen zu haben. Das zeugt vom handwerklichen Können der Autorin.

Silke Urbanski hat bereits 2003 eine Biographie der Geseke Cletzen veröffentlicht. Diese taffe Dame aus dem Hamburger Mittelalter hat die Autorin offenbar so schwer beeindruckt, dass ihr nun zwei Romane gewidmet sind. Und Geseke Clingspor/Cletzen ist tatsächlich eine beeindruckende Gestalt, die so gar nicht in den Rahmen der mittelalterlichen Städtebürgerin passen will. Offensichtlich weiß Silke Urbanski aber ganz genau was sie tut, wenn sie ihrer Geseke Freiheiten gestattet, die weit über das übliche Maß hinaus gehen. Mit Geseke Cletzen hat Hamburg eine historische Persönlichkeit aufzuweisen, die nicht für Schablonen gemacht wurde.

Das Jahr 1410

Für die Freiheit von Hamburg greift zwei wesentliche Ereignisse des Jahres 1410 auf. Im fernen Preußen findet die Schlacht bei Tannenberg statt und in Hamburg fordern die Bürger vom Rat mehr Mitbestimmung. Der Aufstand in der Hansestadt gipfelt letztendlich in der Einsetzung von sechzig Männern, die für ihre Stadtteile sprechen und mit dem Rat einen Rezess abschließen, der die Rechte der Bürger stärkt. Die Schlacht von Tannenberg ist der Anfang vom Ende der Deutschordensritter und eine der blutigsten und grausamsten Schlachten des Mittelalters.

Silke Urbanski gelingt es, ihre Protagonisten in diesen Ereignissen zu etablieren, sie daran teilhaben zu lassen und dem Leser so zwei wichtige Mosaiksteine unserer Geschichte nahe zu bringen. Weniger spannend ist leider der in den Roman integrierte Kriminalfall. Hier wird schon am Anfang viel zu viel verraten, so dass man recht schnell weiß, was die Glocke geschlagen hat. Schade, hier wurde Potential verschenkt. Allerdings bietet der Roman so viel Abenteuer, so viele Emotionen und so viel anderweitige Spannung, dass die durchsichtige Kriminalgeschichte voll und ganz wieder ausgebügelt wird. Zudem sind Geseke und Johann, Richard und Elisabeth so sympathische Helden, dass man ihnen sehnlichst ein Happy End wünscht und kaum erwarten kann, endlich die nächste Seite umzublättern um zu erfahren, wie es weiter geht.

Brillant recherchiert

Auf dem Einband des Buches prangt ein kleiner güldener Aufkleber auf dem zu lesen ist: "Brillant recherchiert!". Dem kann man nur zustimmen. Beim Lesen wird praktisch auf jeder Seite deutlich, wie gut die Autorin die Geschichte ihrer Heimatstadt Hamburg kennt. Hier reichen sich die Historikerin und die phantasievolle Erzählerin die Hand.

Auch in diesem Buch findet man im Anhang ein ausführliches Personenverzeichnis, übersichtlich aufgegliedert, historisch belegte und fiktive Personen ordentlich gekennzeichnet. Das nachfolgende Glossar ist durchaus hilfreich und es lohnt sich, einen Blick in die aufschlussreichen "Abbitten" der Autorin zu werfen. Schade allerdings, dass der Leser keine Karte findet. Gerade in diesem Buch, das einen so weit gesteckten Handlungsrahmen hat, wäre eine Karte des Ordensstaates und der angrenzenden polnischen und litauischen Gebiete sehr sinnvoll gewesen.

Insgesamt ist es aber ein voll und ganz überzeugendes Buch, das ebenso in die Bücherregale der Mittelalterfans wie in die Regale der Hamburger Hobbygeschichtsforscher gehört. Was nicht ausschließt, dass Menschen, die zu keiner dieser beiden Gruppen gehören, jede Menge Lesespaß mit diesem Buch haben können. Man sollte zugreifen, wenn man das Buch im Laden liegen sieht. Und falls nicht, sollte man nachfragen und bestellen!

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