Das Geheimnis der Herzen

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Diana, 2009, Titel: 'The Heart Specialist', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Herzensangelegenheiten - romantisch wie medizinisch

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2011

Kurzgefasst:

Montreal, 1874. Agnes ist vier, als ihr Vater des Mordes angeklagt wird. Obwohl man ihn freispricht, ist sein Ruf als Arzt zerstört, und er verlässt die Familie, um im Ausland neu anzufangen. Nur eins bleibt Agnes von ihrem Vater: der Wunsch, selbst Medizin zu studieren. Mit Mut und Hartnäckigkeit erkämpft die hochbegabte junge Frau sich den Respekt der Männerwelt. Unterstützt von dem einfühlsamen und talentierten Mediziner Jakob wird sie zur Herzspezialistin, deren Ruf ihr bis nach Harvard vorauseilt. Doch trotz aller beruflichen Erfolge und ihrer zarten Gefühle für Jakob lässt die Erinnerung an den Vater Agnes nie los. Und so folgt sie jeder noch so kleinen Spur, um diesen Mann, den sie kaum kannte, ausfindig zu machen. Erst als ihre verzweifelte Suche ein jähes Ende findet, erkennt Agnes, nach wem ihr Herz sich in Wahrheit sehnt. Doch Jakob hat soeben eine Stelle in Europa angetreten...

 

Cover und Titel sprechen eine deutliche Sprache: Vermeintlich. Denn die in den Dünen wandernde Dame in historischer Gewandung und der Titel Das Geheimnis der Herzen lassen auf einen klassischen Liebesroman schließen. Doch die Herzensangelegenheiten, die dem Roman wohl auch zu seinem - missverständlichen - Titel verholfen haben, sind medizinischer Natur. Als Tochter eines durch einen mysteriösen Todesfall in Ungnade gefallenen Herzspezialisten interessiert sich Agnes von klein auf für die Medizin. In ihrer Heimat Montreal stößt sie damit allerdings auf Widerstände. Denn im ausgehenden 19. Jahrhundert gibt es nur wenige Fakultäten, die Frauen zu einem Medizinstudium zulassen würden. Selbst als Agnes engagierte Mitstreiterinnen findet, die für eine Öffnung des Medizinstudiums einstehen, bleiben ihr die Türen ihrer Fakultät verschlossen. Doch Agnes gibt nicht auf, geht den Weg über eine andere Universität und bildet sich in Zürich und Wien weiter. Ihr zur Seite steht der schüchterne aber begabte Mediziner Jakob, zu dem Agnes zarte Bande entwickelt. Doch ihrem Glück steht ihr Wunsch im Wege, die Wahrheit über ihren Vater zu erfahren.

Gutes Thema, aber...

Claire Holden Rothmann hat mit ihrem Roman ein wichtiges Kapitel in der medizinischen Geschichte aufgeschlagen: Die Zulassung der Frauen zum Medizinstudium. In der Figur von Agnes hat sie auch gleich einen starken Charakter entwickelt, der genügend Durchsetzungskraft hat, die bis dahin geltenden Bestimmungen aufzuweichen. Doch leider setzt die Autorin zu stark auf den Effekt "rosarote Brille". Die anfänglich kluge und unerschrockene Agnes verliert immer mehr an Konturen und verliert sich bis zum Schluss vollständig in einem seichten Heldinnen-Gehabe. Obwohl von ihrer Ausbildungsstätte lediglich als Museums-Leiterin akzeptiert, kann sich Agnes zu einer Spezialistin entwickeln - der jedoch jegliche praktische Erfahrung fehlt. Dennoch wird sie zur allseits geschätzten und überall anerkannten Mentorin der jungen Medizinstudenten. Hier vergaloppiert sich die Autorin in ein idealisiertes Traumgebilde und lässt dadurch den gesamten Inhalt des Romans flach und unglaubwürdig erscheinen.

Gesellschaftskritik zwischen den Zeilen

Was Claire Holden Rothmann durch ihre unglücklich konzipierte Hauptfigur verliert, findet sich bei genauerem Hinsehen zwischen den Zeilen wieder: Ein hohes Maß an Gesellschaftskritik, die sich teilweise auch auf die Gegenwart ummünzen lässt. Es lohnt sich also, sich beim Lesen etwas von Agnes als tragender Figur zu lösen und sich mit der angesprochenen Problematik zu beschäftigen. Die Themen, die die Autorin so quasi nebenher in ihren Roman einflicht, sind bemerkenswert. Da ist die Frage, wie ernst Frauen als Wissenschaftlerinnen genommen werden. Im Roman sind die Frauen bis zuletzt ausschließlich auf das Wohlwollen einiger fortschrittlich denkender Männer angewiesen, wollen sie ihren Platz in der männerdominierten Gesellschaft der Wissenschaft behaupten. Angesprochen ist aber auch das - heute noch durchaus gängige - Verhalten, sobald ein "Halbgott in Weiß" die Bühne betritt: unterwürfiges Anhimmeln des großen Meisters und kritiklose Gefolgschaft selbst von jenen, die als Fachleute gelten, inklusive.

Thema ist aber auch die moralische Verurteilung eines Menschen, dem eine Straftat - hier im Roman handelt es sich um Mord - vorgeworfen wird. Agnes' Vater bekommt selbst nach einem Freispruch keine Chance mehr, sein Leben weiterzuführen. Von der Gesellschaft geächtet taucht der bis dahin hochgelobte Arzt ab und lässt dabei seine schwangere Frau und die kleine Tochter im Stich. In den Augen des verlassenen Mädchens (Agnes) umgibt aber eben jenes eigentlich unrühmliche Verschwinden des Mannes eine Art von Mysterium, das in einer kritiklosen Verehrung gipfelt. Zwar löst Claire Holden Rothmann das Geheimnis um den Mord auf, doch misst sie der Wahrheit nur noch eine untergeordnete Bedeutung zu. Gerade so, als hätte sie Angst vor dem eigenen Mut, menschliche Abgründe zu zeigen.

Spannung flacht ab

Witzig, temporeich und mit erzählerischem Talent steigt die Autorin in den Roman ein und kann den Spannungsbogen auch eine ganze Weile lang halten. Doch dann flacht die Geschichte zunehmend ab und verliert an Charme. So sehr, dass aus der eigentlich hochwertigen Geschichte zuletzt ein durchschnittlicher Roman wird, der zwar ansprechend geschrieben ist, dem es aber an Konstanz fehlt und der einige Wünsche offen lässt.

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