Kohlhaas

Erschienen: Januar 1979

Bibliographische Angaben

  • , 1979, Titel: 'Kohlhaas', Originalausgabe

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Almut Oetjen
Ein Blick auf das 16. Jahrhundert und die Bauernkriege

Buch-Rezension von Almut Oetjen Sep 2011

Kurzgefasst:

Hans Kohlhase lebt in den Wirren der Bauernkriege des 16. Jahrhunderts. Man erfährt von seiner Kindheit, seinen Reisen mit dem Vater und von seiner Frau Margarete. Stück um Stück verliert er den Glauben an die "gerechte Gewalt", bis er sich zuletzt gegen die obrigkeitliche Willkür mit "Rauben, Brennen, Hinwegführen und Schatzen" zur Wehr setzt.

 

Kohlhaas und sein Knecht Herse sind im Oktober 1532 auf dem Weg zur Leipziger Messe. Während eines Aufenthaltes im Gasthof Wellaune beschlagnahmt der Burgvogt des Dorfherrn Günther von Zaschwitz zwei Pferde mit der Begründung, Kohlhaas habe keinen Kaufbeleg, also seien sie Diebesgut. Bei dem Versuch, die Pferde zurückzubekommen, erlebt Kohlhaas eine schwere Demütigung. Darauf schreibt er an den Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen, erhält aber keine Antwort. Kohlhaas erklärt sich in einem legitimen Fehdebrief zum Feind Zaschwitzs, des Landes Sachsen und fordert Schadenersatz. Er schart Mitstreiter um sich, sie legen u. a. Brände in Wittenberg. Vertreter von Kirche und Adel ersuchen den sächsischen Landesherrn um Beilegung des Streits.
Ein Gerichtsverfahren in Jüterbog, Bistum Magdeburg, führt dazu, dass Kohlhaas' Ehre wiederhergestellt wird und der Niedergang seines Handels sowie die Pfändung seines Besitzes mit 600 Gulden kompensiert werden. Die Witwe Zaschwitz erwirkt gleich nach dem Prozess beim Kurfürsten Johann Friedrich in Weimar eine Aufhebung der Zahlungsverpflichtung. Kohlhaas wird zur Fahndung ausgeschrieben. Brandenburg bietet ihm Schutz, bis der Druck Sachsens zu groß wird. Als Kohlhaas sich den Kurfürsten von Brandenburg zum Feind macht, wird er auch von diesem verfolgt.

Das Ende der Kohlhaas-Geschichte steht gleich auf der ersten Seite. Kohlhaas und zwei Mitstreiter werden nach brutaler Folter ausgestellt: Schausterben mit Marktständen, Bierausschank und vielen Besuchern. Ein Teaser im Roman, genannt Frontispiz, bevor es weitergeht mit Bausteinen der Biographie von Kohlhaas (beziehungsweise der historischen Figur Hans Kohlhase), der Berühmtheit erlangt hat durch sein Handeln und das Werk Heinrich von Kleists.

Einen historischen Roman schreiben

Plessens Roman weist vordergründig zwei Erzählebenen auf: die biografische des Kohlhaas aus dem 16. Jahrhundert und die reflektierende der Autorin aus dem Jahr 1978. Es gibt auch ein paar längere fiktionale Sequenzen mit dem Charakter einer historischen Erzählung. Diese werden häufig durch Gedanken der Autorin unterbrochen.

Es gibt aber auch eine andere Lesart, die näher liegt als die der Trennung in zwei Erzählebenen. Der ganze Text handelt davon, wie Elisabeth Plessen einen historischen Roman schreiben will. Es gibt nur die Ebene der Auseinandersetzung mit dem Material für den Roman. Plessen sitzt vielleicht an ihrem Schreibtisch, vielleicht in einer Bibliothek oder einem Archiv. Sie sichtet verschiedene Quellen, macht sich Notizen, denkt über das Material nach, welches ihr vorliegt, spekuliert über Lücken, versucht Figuren zu konturieren, die Zeit, ihre Menschen und deren Handeln zu verstehen. Sie durchdenkt Alternativen, hat jede Menge Fragen, die explizit gestellt werden, versucht ebenso explizit Antworten darauf zu finden. Plessen erzählt Episoden aus dem Leben des Kohlhaas, gibt Sätze wieder, die er als Kind gehört hat oder gehört haben könnte. Zwischendurch schreibt sie Teile eines historischen Romans, kürzere und etwas längere Passagen. Die stark fragmentierte und segmentierte Erzählung besteht auf ihren 294 Seiten aus 32 Kapiteln und 55 Unterkapiteln. Der Text ist durchsetzt mit weiteren Strukturelementen, mit Wiederholungen und Listen.

Plessen schreibt, sie rekonstruiere, greife ein. Wichtig ist ihr die Frage, ob Geschichte geschrieben werden kann, wie sie war, oder wie sie sein sollte. Wie weit soll man rekonstruieren? Bis man selbst keine Fragen mehr hat, alle Wünsche erfüllt sind, auch wenn dies bedeutet, dass Unwissenheit nicht immer in Wissen aufzulösen ist?

Ein anderer Kohlhaas

Was für ein Mann war Kohlhaas? Wo er bei Kleist eine ausgeformte Figur mit Funktion ist, wird er bei Plessen zu einem kaum fassbaren Menschen, der viele Facetten und Unklarheiten aufweist, der über Menschenwürde nachdenkt, der nicht anders kann, gleich, was er im Begriff ist zu machen, gleich, ob er in einem Moment fest entschlossen ist, im anderen zögernd. Er will die Welt aus den Angeln heben und stellt fest, dass ihm dazu der Mut fehlt. Plessen entnimmt den Quellen einen eher beliebigen Kohlhaas, weist ihm ausdrücklich mehrere Ichs zu. Sie eröffnet die Möglichkeit eines Kohlhaas, der keinen Plan hatte, sondern aus einer für ihn unerträglichen Situation heraus gehandelt hat, sich zum Handeln gezwungen sah.

Auf der Suche nach der Wirklichkeit einer vergangenen Zeit entdeckt Plessen diese Zeit und definiert sie im gleichen Augenblick. Sie provoziert eine Rezeption, die assoziativ und selektiv ist. Auf gewisse Weise betrachten die Leser sie beim Sichten von Quellen, beim Denken und Schreiben. Kohlhaas ist durchdrungen vom Gestus der Suchenden. Ihr Buch gerät so zu einer fundamentalen Beschäftigung mit dem Medium des historischen Romans. Es sperrt sich gegen den Literaturkonsum und ist deshalb eine zwar anstrengende, zugleich aber interessante Lektüre.

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