Isenhart

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Kiepenheuer & Witsch, 2011, Titel: 'Isenhart', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89

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Daniela Loisl
Philosophisch freies Denken in praller, kurzweiliger Geschichte

Buch-Rezension von Daniela Loisl Sep 2011

Kurzgefasst:

Ein Serienmörder im hohen Mittelalter. Der junge Schmied Isenhart, der ihm als früher "Profiler" auf die Spur zu kommen versucht - und zugleich dem Geheimnis seiner eigenen Existenz. Anno Domini 1171. Isenhart stirbt bei der Geburt. Und wird wieder zum Leben erweckt. Der wissbegierige Junge, der irgendwie anders ist, wächst als Sohn eines Schmieds auf der Burg Laurin bei Spira auf. Zusammen mit Konrad, dem Stammhalter des Hauses Laurin, erhält er Zugang zu einem ungeheuren Privileg: Bildung. Isenharts Welt bricht entzwei, als seine heimliche Liebschaft, die Fürstentochter Anna von Laurin, barbarisch ermordet - und ihr das Herz geraubt - wird. Der Mörder ist schnell gefasst und gerichtet. Isenhart widmet sich seinem großen Traum: dem Traum vom Fliegen. Und seiner Sehnsucht, zu verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält - dabei immer auf der Hut vor der katholischen Inquisition. Doch dann ereignet sich ein weiterer Mord nach identischem Muster. Isenhart und Konrad machen sich auf, den Serienmörder mit den forensischen Mitteln ihrer Zeit zu Strecke zu bringen. Die Jagd führt sie bis ins ferne Iberien, in den Basar des Wissens von Toledo, wo freie Geister aus Morgen- und Abendland sich austauschen. Dann findet Isenhart in einem dunklen Gewölbe nie gesehene anatomische Zeichnungen des menschlichen Herzens...

 

Isenharts Mutter stirbt bei seiner Geburt und auch er selbst überlebt nur, weil ihm ein zur rechten Zeit dahergekommener Ritter auf ungewöhnliche Weise das Leben rettet. Ein "Untoter", ein "Wiedergeborener" ist er nun in den Augen der Frauen, die bezeugen, dass er schon nicht mehr gelebt hat. Isenhart jedoch hat Glück und wächst beim Pinkepank, dem Schmied auf der Burg von Sigimund von Laurin auf. Sigimund sorgt auf Anraten seines Freundes Walther von Ascisberg dafür, dass Isenhart dieselbe Ausbildung erhält wie Sigismunds Sohn Konrad. Die beiden Jungen werden engverbundene Freunde, obgleich Isenhart Konrad geistig um ein Vielfaches überlegen ist, was dieser mit Kraft und Mut auszugleichen versucht. Isenhart verliebt sich in Konrads Schwester Anna und ist mit ihr überglücklich. Als er eines Tages zu spät zum vereinbarten Treffpunkt kommt, findet er sie auf brutale Weise ermordet vor. Der vermeintliche Täter ist schnell gefasst und gerichtet. Jahre später jedoch werden Isenhart und Konrad mit dem Mord einer jungen Frau konfrontiert, der dieselbe Handschrift trägt wie der an Anna und so weiß Isenhart sofort: Damals musste der falsche Mann für ein Verbrechen büßen.

Packend, spannend - innovativ

Schon auf den ersten Seiten dieses Romans zeichnet sich ab, dass sich dieses Buch deutlich von der Masse der historischen Romane abhebt. Mit intensiver Sprache und expressivem Erzählstil zeichnet der Autor ein sehr authentisches Bild des 12. Jahrhunderts. Wenngleich die Geschichte selbst fiktiv ist und kaum historische Ereignisse Erwähnung finden, so hat Holger Karsten Schmidt es hervorragend verstanden, die Erzählung so geballt und ereignisreich zu gestalten, dass man nichts vermisst.

Schmidt hat immens viel - knapp am Rande von zu viel - in seinen Roman gepackt, was vom Leser große Aufmerksamkeit fordert, will er den roten Faden nicht verlieren. Der Autor schneidet unzählige Themen an, sodass er von den unterschiedlichen Bereichen her leicht mehrere Bücher hätte füllen können. Diese Gratwanderung jedoch hat er mir großer Geschicklichkeit gemeistert, wenngleich er oft den Grat entlang schlitterte.

So viele Bereiche angeschnitten werden, so wandlungs- und anpassungsfähig ist Schmidts Erzählstil. Der entsetzlichen Mord an Anna wird in aller Deutlichkeit beschrieben, ohne voyeuristisch oder reißerisch zu wirken und Isenharts Umgang mit den Geschehnissen zeigt von sehr viel Einfühlungsvermögen des Autors. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz und so sind immer wieder kleine, subtile Pointen mit eingebaut, die den Leser zum Lachen bringen. Ob es die Vorlieben Henricks, Isenharts Stiefbruder, für Hühner (und auch Schafe oder Eselstuten) sind, die Bezeichnung "Pinkepank" für den Schmied oder ein schwarzer Rabe, der für manchen zur Nervensäge mutiert, jedes Detail, jede Begebenheit wird mit derselben Akribie geschildert wie auch die Figuren sich charakterlich unterscheiden.

Vielschichtige Charaktere und ein (über)intelligenter Protagonist

Mit Isenhart hat der Autor einen sehr wissenshungrigen und auch überdurchschnittlich intelligenten Protagonisten geschaffen, und darin basiert auch der Wermutstropfen in der ansonsten so kompakten und ungewöhnlich interessanten Erzählung. Ergibt sich schon durch das Handeln und Reden Isenharts von selbst die Schlussfolgerung, dass er ein außergewöhnlich intelligenter und logisch denkender junger Mann ist, so kann es der Autor dennoch nicht lassen, den Leser auffällig oft mit Erwähnung desselben darauf hinzuweisen. Irgendwann ist der Leser in Versuchung sagen "Ja, ich hab´s nun kapiert, Isenhart ist sehr intelligent" Diese Wiederholungen stören insofern massiv, da alles andere beinahe perfekt im Einklang scheint. Auch muss man anmerken, dass es dem einen oder anderen Leser vielleicht etwas zu anstrengend sein mag, den philosophischen Ausschweifungen Isenharts (und auch Hennings) zu folgen, obwohl diese Diskussionen und Gedankengänge äußerst interessant sind. Dass Isenhart aber auch noch meint, im falschen Jahrhundert zu leben, klingt darüber hinaus etwas befremdlich.

Das Zwischenmenschliche kommt gleichfalls nicht zu kurz, ist aber fern jeglicher Klischees oder Kitschs. Sehr realistisch zeigt Schmidt, dass auch im Hochmittelalter der Mensch dieselben Bedürfnisse hatte wie heute, wenngleich die Ansichten über Intimität hier etwas anders dargestellt sind. Die feinen Liebesbande der Hauptfiguren sind aber stets passend und harmonisch in die Geschichte mit eingewoben.

Ein prall gefüllter und ereignisreicher Debutroman, der nur kleine Schwächen aufweist. Dieser historische Roman ist kein Krimi, kein Thriller, aber dennoch ein Buch voller Spannung und überraschenden Wendungen, die den Lesern eines bestimmt garantieren: 800 Seiten Kurzweil.

 

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Letzte Kommentare:
17.03.2013 18:37:48
Göldner

Für Freunde des Mittelalters ein absolutes Lesevergnügen . Spannung pur ,in der Mitte etwas zu ausführlich ,was dem Buch aber keinen Abbruch tat.
Handlung von Anfang bis Ende mit Spannung hochgehalten und durch viele historische technische Entwicklungen anschaulich in Szene gesetzt. Für diese Epoche typische Denkverhalten ,durch die Kirche gesteuert ,werden sehr gut dargestellt.
Es war ein absoluter Lesegenuss!

22.04.2012 17:10:58
Mel.E

Der Owner
Geocaching war mir völlig unbekannt und ich muss sagen es hat mich fasziniert, aber auch gleichzeitig in Angst und Schrecken versetzt, denn es zeigt mir, daß ich komplett ausspionierbar bin. Es lässt sich tatsächlich nachverfolgen, von welchem Ort ich mein Handy zuletzt benutzt habe oder wie und wo ich mich im Internet bewege. Ich meine es wird wahrscheinlich niemanden interessieren, da ich keinen Dreck am Stecken habe. Ganz anders, diejenigen, die in dieses Spiel des Geocaching verwickelt werden. Sie sind auf den ersten Blick nicht miteinander verbunden und es benötigt eine Menge an Kleinarbeit und Suchen seitens der Polizei um die Verbindung der Ermordeten herzustellen. Manchmal sind es nur Eingebungen die Bea verfolgt und machmal Zufälle. "Der Owner" hält alle Fäden in der Hand und lebt seine Rache komplett aus. Er ist jemand der nichts mehr zu verlieren hat! Ich habe zum Schluss fast ein klein wenig Mitleid mit ihm gehabt, dennoch darf niemand sich selbst zum Richter aufspielen. Man kann dabei nur verlieren! Ich bin immer wieder davon entsetzt wie kaltblütig Menschen handeln können und dieser Roman hat mir etwas ganz entsetzliches gezeigt: Aus einem Spiel wurde tödlicher Ernst! Eine Schnitzeljagd des Grauens! Man kann es drehen und wenden wie man will, aber die menschliche Psyche wird mir immer ein großes Rätsel bleiben.

Der Roman ist der Wahnsinn! Ich war geschockt, angespannt und völlig fasziniert. Wenn ich Fingernägel knabbern würde, hätte ich sie mir vor Spannung komplett abgenagt, denn der Spannungsbogen bleibt das ganze Buch über erhalten und so habe ich es mir gewünscht und ersehnt, als ich die Leseprobe las. Ich wurde nicht enttäuscht und hoffe tatsächlich auf eine Fortsetzung des Ermittlerduos. Sie sind sympathisch und eben durch und durch Mensch wie du und ich. Bea hat ein großes Päckchen zu tragen, welches wir nach und nach aufecken und daher ist sie sehr, sehr angreifbar. "Der Owner" macht sich dieses Wissen zu nutze und daher gerät sie in Gefahr. Mehr verrate ich jetzt aber nicht, denn ich will euch ja die Spannung erhalten

Ganz klar eine echte Leseempfehlung an den Thriller "Fünf" von Ursula Poznanski!

22.04.2012 17:09:19
Mel.E

Auf der Suche .........
Isenhart ist ein wahrhaft wunderbarer Roman, der beschreibt wie ein junger Mann sich immer wieder auf die Suche macht. Er ist auf der Suche nach Wissen, er hat den Traum vom Fliegen, er ist wissenshungrig und durstig und außerdem auf der Jagd nach einem Mörder.Außerdem ist er auf der Suche nach seiner wahren Identität. Isenhart ist als Baby totgeboren und ein Fremder hat ihm seinen Atem eingehaucht, so dass er zum Leben erweckt wurde. Totaler Quatsch meiner Meinung nach, aber auch irgendwie faszinierend. Danach kam noch ein zweiter Atem hinzu, der Gut und Böse miteinander vermischen sollte. Isenhart wächst heran als Sohn eines Schmieds und lebt eher in ärmlichen Verhältnissen. Dennoch darf er mit dem Sohn des Burgherren studieren, bzw. wird unterrichtet. Seine vielen Fragen bringen ihm die eine oder andere Tracht Prügel ein. Konrad der Sohn des Burgherren hat vielleicht nicht so ein helles Köpfchen, aber er ist mutig und stark und zusammen werden sie noch das eine oder andere Abenteuer bestehen müssen. Als Isenhart etwa im Teeniealter ist, verliebt er sich in Anna von Laurin. Anna erwidert seine Liebe und die beiden erleben ihre ersten Erfahrungen miteinander. Eines Tages dauert der Schulunterricht etwas länger und daher verspätet sich Isenhart und kommt zu spät zu einem Treffen mit Anna. Er findet sie ermordet, aber nicht geschändet. Ihr Herz fehlt und damit nimmt die Geschichte um das Drama seinen Lauf. Ein Täter muss her und dieser wird schnell gefunden. Bis hierher werde ich zur Handlung schreiben und dann einen Punkt setzen, denn die Handlung ist sehr komplex und ich möchte ihr einfach nicht die Spannung nehmen.



Meine Meinung:

Wer ein wirlich gutes historisches Buch lesen möchte, sollte sich Isenhart auf seinen Wunschzettel setzen. Ich bin immer wieder erstaunt wie sehr ein Buch mich fesseln kann. Es ist sehr detalliert geschrieben, knapp 800 Seiten wollen ja auch erst einmal gelesen werden, aber jede Seite ist ein Genuss. Wir lernen wieder einmal wie sehr die Kirche das Leben der Menschen dominiert und auch abschreckt. Wir lesen von Morden, die begangen werden um das Wunder der Seelenwanderung zu begreifen, die mich abstossen und erschrecken. Leichen werden geschändet um die Anatomie des Körpers kennen zu lernen. Es war verboten an Leichen herumzudoktorn oder auszuwiegen, wie schwer die Seele eines Menschen ist. Aus der heutigen Sicht natürlich unfassbar, was Menschen taten um Wissen zu erlangen, aber für die damalige Zeit ein Muss um den Hunger nach Wissen zu befriedigen. Isenhart ist eine Person, die man gleich ins Herz schliesst. Geradeheraus und immer ehrlich. Konrad ist dagegen ein echt Heissporn, der seinen Wut oft nicht im Zaum halten kann und dadurch gravierende Fehler macht. Das Gesamtergebnis dieses Buches, die Suche nach der Wahrheit hat auch Schattenseiten, aber Isenhart ist ein Mann, der dies zum Guten für sich zu wenden weiß. Kein leichtes Leben im Jahr 1100 n.Chr. Oft Brutal und grausam, wie Menschen sich gegenseitig abschlachten. Immer wieder müssen Konrad und Isenhart ihren Hals aus der Schlinge ziehen und dazu braucht man Weisheit, Kraft und ein kleines bißchen Glück. Mir hat es sehr gefallen und daher spreche ich auch eine ernst gemeinte Leseempfehlung für das Buch " Isenhart" von Holger K. Schmidt aus. Ein toller Wälzer mit sehr sympathischen Hauptpersonen!

Wirklich lesenswert!

02.04.2012 20:37:23
Dante.

Isenhart wird 1171 tot geboren. Seine Mutter erliegt den Strapazen der Geburt. Ein Fremder, der scheinbar zufällig die Hütte betritt, haucht dem Säugling eine „Stück seiner Seele“ ein und erweckt das Kind zum leben. Kurz darauf betritt Walther von Ascisberg die Hütte, der schon lange auf der Suche nach diesem Fremden mit der“ dunklen Seite“ ist. Nach den Schilderungen der Hebamme, die den Vorfall beobachtet hat, erstickt er den Säugling, denn in ihm steckt die Seele des Bösen. Vom schlechten Gewissen geplagt haucht er dem Kind „zum Wettstreit der Seelen“ seinen Atem ein.

Walter bringt das Kind zu seinem Freund und Verbündeten Sigismund von Laurin. Dort wächst Isenhart in der Familie des Schmieds auf und erhält das für diese Zeit ungewöhnliche Privileg der Bildung. Zusammen mit Konrad, Sohn des Sigimund von Laurin, wird er von Vater Hieronymus und Walther unterrichtet und zeigt sich als übermäßig intelligent und wissbegierig. Während er zu einem jungen Mann heranwächst verlieben sich Anna, Sigimunds Tochter und Isenhart ineinander und treffen sich heimlich. Eines Abends, als Isenhart verspätet am verabredeten Ort eintrifft, findet er Anna ermordet unter einem Baum liegend auf. Schmerzhaft muss Isenhart feststellen das der Mörder seiner geliebten Anna das Herz herausgeschnitten hat.
Nach einem weiteren, fast identischen Mord beginnt die Suche nach dem Mörder, der sein Handwerk zu verfeinern scheint. Die Jagd führt Isenhart und Konrad ins ferne Iberien und Isenhart lässt keine Gelegenheit ungenutzt seinem Traum vom Fliegen und dem Wunsch verstehen zu können, was die Welt im Innersten zusammenhält nachzugehen.

Die Geschichte ist hervorragend erzählt und stellt eine perfekte Mischung aus historischem Roman und Krimi dar. Die Umgebung, die Lebensweise und verschiedenen Facetten der Geschichte sind detailreich und spannend beschrieben, sodass man sich in die Zeit hineinversetzt fühlt. Mit dem Protagonisten Isenhart schafft der Autor einen sympathischen, intelligenten und wissbegierigen jungen Mann in dessen Gefühls- und Gedankenwelt man eintauchen darf. Ein absolutes Lesevergnügen für das ich gut und gerne 10 Punkte vergeben würde!

28.12.2011 21:45:44
U. Fischer

Die Story stimmt, die Spannung ist da, der Schreibstil ist klasse - was könnte das für ein toller Roman sein, wenn da nicht einige haarsträubende Recherchefehler (wurde hier überhaupt recherchiert?) das Lesevergnügen schmälern würden. Einige Beispiele: Wir erhalten detaillierte Beschreibungen von Plattenrüstungen sowie deren Schwachstellen, nur gab es diese Rüstungen zu der Zeit, in der der Roman spielt (Ende des 12. Jahrhunderts), noch gar nicht. Ebensowenig wurden Helmvisiere hoch- oder heruntergeklappt, da auch diese Helmart noch nicht erfunden war. Man trug Topf- oder teilweise sogar noch Nasalhelme.
Dass ein Abt, ein einfacher Klostervorsteher also, an der Spitze einer Söldnertruppe eine Burg einzunehmen versucht, halte ich für ausgemachten Blödsinn (einem Erzbischof wäre ein solches Unterfangen vielleicht noch zuzutrauen), und dass er sich von "Landsknechten" bewachen lässt, erst recht. Dazu nämlich hätte er ungefähr 400 Jahre später leben müssen.
Aufgrund derartiger, mit kleinem Recherchaufwand vermeidbarer Schlampereien geht der eigentlich gut erdachten Geschichte ein Großteil ihrer Glaubwürdigkeit verloren. Jammerschade!

22.12.2011 13:19:11
Koch Angela

schon lange nicht mehr so interessiert einen historischen roman gelesen. dachte, nach gable gibts nichts mehr. sehr spannend, wunderbar erzählt, gute sprache(man bleibt nicht hängen beim lesen). habe vieles nach geschaut: lexika+atlas+wikipedia. er bleibt beim mittelalterlichen gedankengut, die einschränkungen der kirche.
hoffentlich schreibt der autor weiter.

20.10.2011 16:40:35
enzian

Inhalt:

Wir befinden uns in einer kalten Winternacht des Jahres 1170 in der Hütte der Hebamme Irmgard. Sie hat gerade eine Frau entbunden, die bei der Geburt gestorben ist. Das Neugeborene, ein Junge, ist ebenfalls tot. Da betritt ein geheimnisvoller Fremder die Hütte und haucht dem Baby seinen Atem ein. Das Kind erwacht zum Leben. So schnell wie der Fremde gekommen ist, verschwindet er wieder. Danach stirbt das Baby und wird wiederum zum Leben erweckt, von Walter von Ascisberg. Dieser nimmt den Knaben mit auf die Burg Laurin. Dort wächst er bei einem Schmied auf und erhält den Namen Isenhart. Der Junge wächst heran und erhält auf der Burg gemeinsam mit dem Sohn des Burgherren, Konrad, Unterricht. Isenhart hat sich in Konrads Schwester, Anna, verliebt. Die beiden treffen sich oft heimlich in einer Höhle. Auf dem Weg dorthin macht Isenhart eines Abends eine grausige Entdeckung. Er findet Anna tot in der Nähe einer Eiche und ihr Mörder hat dem Mädchen das Herz herausgeschnitten. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden und wird hingerichtet. Erst viel später stellt sich heraus, dass der fahrende Händler nicht der Täter war.
Kurz darauf fällt die Burg Laurin durch Intrigen in die Hände des Abtes Wilbrand von Mulenbrunnen. Der Burgherr verliert sein Leben und Isenhart gelingt gemeinsam mit Konrad und dessen zweiter Schwester, Sophia, die Flucht. Mit Unterstützung von Walther von Ascisberg können die Flüchtlinge Fuß fassen. Isenhart und Konrad verdingen sich als Wachmänner der Stadt Spira, unweit des Rheins. In seiner Freizeit beschäftigt sich Isenhart weiter mit philosophischen und naturwissenschaftlichen Fragen und gelingt mit Unterstützung seines Mentors Walther zu Antworten, die nicht in das Schema der Kirche passen.
Dann ereignet sich wieder ein Mord. Einer jungen Frau wird das Herz herausgeschnitten, nach demselben Schema, wie bei Anna. Isenhart begibt sich mit Konrad an seiner Seite auf die Jagd nach dem Mörder. Unterstützung erhalten sie dabei von Henning von der Braake, einem jungen Medicus und dessen Vater. Die Suche nach dem Täter führt die beiden Freunde weiter, bis nach Toledo, einer Hochburg der Wissenschaft im Mittelalter. Den Mörder finden sie jedoch nicht, er ist ihnen immer einen Schritt voraus. Zurückgekehrt nach Spira, finden sei endlich eine neue Spur und geraten beide in große Gefahr.


Meine Meinung:


Holger Karsten Schmidt ist mit diesem Buch ein packender historischer Roman gelungen, der mich von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann gezogen hat.
Gleich zu Beginn der Handlung wird der Leser mit dem Aberglauben dieser Zeit konfrontiert. Einem toten Baby Atem einzuhauchen und es somit zum Leben zu erwecken, galt im Mittelalter als Hexerei.
Isenhart hatte nicht nur das Glück, überlebt zu haben, sondern auch gemeinsam mit dem Sohn des Burgherren unterrichtet zu werden. Ein ungewöhnliches Privileg für Kinder einfacher Menschen in dieser Zeit. Der Heranwachsende besitzt einen hellen Geist, das Wissen seiner Zeit recht ihm nicht. Er dringt weiter vor, dabei wachsen ihm im wahrsten Sinne des Wortes Flügel.
Der junge Schmied Isenhart ist mit seiner Denkweise seiner Zeit weit voraus. Ein Widerspruch zu den starren Dogmen der Kirche. Er hat Glück, nicht in die Hände der Inquisition geraten zu sein. Sein Wissen verleiht Isenhart die Möglichkeit, sich auf die Spur eines Mörders zu begeben, der ihm in nichts nachsteht.
Das Buch ist in sehr viele Handlungsstränge untergliedert. Dieser Umstand sowie die detailliert beschriebenen philosophischen und naturwissenschaftlichen Fragen und Hintergründe, verlangen vom Leser ein Höchstmaß an Konzentration. Ein Roman, der sich nicht so einfach zwischendurch lesen lässt.
Die Schilderungen des Autors sind so lebendig, dass ich mich gut in diese Zeit, die Handlungen sowie die Charaktere der Protagonisten hineinversetzen kann.
Selbstverständlich gilt meine Sympathie Isenhart und Konrad, aber auch dessen Schwester Sophia und Walther. Sophia wird von den Männern als gleichberechtigt angesehen, ungewöhnlich im Mittelalter.
Eine Erzählung von Habgier, Neid, Hass und Kreuzzügen, aber auch von Toleranz, Wissbegier, Freundschaft und Liebe.
Besonders gut gefallen hat mir, dass kluge Kolkraben , eigentlich als Pechvögel gemieden, Eingang in die Handlung gefunden haben.
Dieses Buch ist nicht nur ein historischer Roman, sondern ein besonderes Leseerlebnis. Dieses konnte auch nicht dadurch beeinträchtigt werden, dass einige Schilderungen etwas ausschweifend geraten sind.
Schon das dunkelrote, glänzende Cover mit seinen schwarzen, filigranen Blütenranken, stellt eine Augenweide dar und stimmt perfekt auf die Erzählung ein. Die altertümlich gestaltete Schrift und das Schwert machen deutlich, dass es sich um ein historisches Werk handelt.

11.10.2011 13:04:47
€nigma

Zum Inhalt:

Isenhart steht "außerhalb seiner Zeit". Schon bei seiner Geburt erweist er sich als etwas Besonderes. Er kommt mit der Nabelschnur um den Hals blau angelaufen zur Welt und wird für tot gehalten. Ein mysteriöser Fremder erweckt ihn wieder zum Leben, indem er ihm seinen Atem (und einen Teil seiner Seele?) einhaucht. Für die Menschen des 12.Jahrhunderts ein unerhörter Vorgang, der dafür sorgt, dass der Junge mit Misstrauen betrachtet wird. Er wird dem Schmied Chlodio auf der Burg Laurin zur Aufzucht übergeben, darf aber gemeinsam mit Konrad, dem Sohn des Burgherrn, dessen Unterricht teilen und erhält dadurch Zugang zu einer Bildung, die ihm zur Zeit einer strengen Ständegesellschaft sonst verschlossen geblieben wäre. Isenhart fällt durch besondere Intelligenz und geistige Frühreife auf. Mit Pater Hieronymus, seinem geistlichen Erzieher, gerät er deshalb immer wieder aneinander, weil er hinterfragt, statt Wissen wiederzukäuen. Sein zweiter Lehrer und Mentor, Walther von Ascisberg reagiert dagegen aufgeschlossen auf Isenharts Wissensdurst und ermutigt ihn, sich seines Verstandes zu bedienen. Mit Konrad verbindet Isenhart eine tiefe Freundschaft, obwohl Konrad ihm auf seinen geistigen Höhenflügen nicht folgen kann. Aber er ist loyal und steht für Isenhart ein. Zu Konrads Schwester Anna pflegt Isenhart eine heimliche Liebesbeziehung, bis Anna eines Tages grausam ermordet wird. Konrad und Isenhart sind fest entschlossen, den Mörder zur Strecke zu bringen. Die Jagd auf den Täter, der weitere Opfer auf dem Gewissen hat, führt die beiden jungen Männer bis nach Toledo zum "Bazar des Wissens", wo Isenhart auch Aufschluss über das dunkle Geheimnis seiner Herkunft zu finden hofft.
Die Suche nach Annas Mörder gestaltet sich jedoch nicht als geradliniges Unternehmen, vielmehr ist Isenhart immer wieder mit wissenschaftlichen Dingen beschäftigt, um sein Wissen zu mehren. Alles interessiert ihn: Mathematik, Physik, Medizin, Philosophie. Besonders hat es ihm der Traum vom Fliegen angetan. Als er bei der Untersuchung eines weiteren Mordfalls zufällig Henning von der Braake, den Sohn eines Arztes, kennengelernt hat, hat Isenhart einen Gefährten gefunden, der ihm an Intelligenz und Wissensdurst ebenbürtig ist und ihm in die Sphären folgen kann, die Konrad verschlossen bleiben. Gemeinsam erforschen Isenhart und Henning verbotene Dinge und geraten in Konflikt mit der Kirche...

Meine Beurteilung

Nach dem Klappentext könnte man einen historischen Krimi erwarten, diese Erwartung ist jedoch irrig. Die Krimihandlung steht nicht im Vordergrund der Handlung und wird auch nicht so zielstrebig vorangetrieben, dass der passionierte Krimileser auf seine Kosten kommt.
Der Roman schildert vorrangig den Konflikt von Menschen, die den Kadavergehorsam gegenüber der Kirche ablehnen und sich ihre eigene Meinung bilden wollen. Isenhart und Henning sind ein paar Jahrhunderte zu früh geboren und hätten besser in das Zeitalter der Aufklärung gepasst. Die meisten ihrer Zeitgenossen können nicht verstehen, was sie umtreibt und warum sie im Interesse wissenschaftlichen Fortschritts Wege beschreiten, die moralische Fragestellungen aufwerfen und sie in Lebensgefahr bringen. Die kritische Infragestellung von Kirche im Besonderen und überkommenen Autoritäten im Allgemeinen in diesem Buch kommt auch in dem Zitat von Victor Hugo zum Ausdruck, das der Autor dem Roman nachgestellt hat:
"In jedem Dorf gibt es eine Fackel, den Lehrer, und jemanden, der dieses Licht löscht, den Pfarrer."

"Isenhart" ist ein beeindruckender Roman, der viele Wissensgebiete streift und mit seinem nicht immer geradlinigen Handlungsverlauf nicht schnell herunterzulesen ist. Über einen gewöhnlichen Historienroman geht dieses Buch weit hinaus und man benötigt Zeit und Konzentration, um sich ganz darauf einzulassen. Der Autor hat gründlich recherchiert, als besonderen "Leckerbissen" serviert er dem Leser in den Text eingebundene Erklärungen, wie es zu bestimmten heute noch gebräuchlichen Redewendungen kam ("Alles in Butter!"), die einen ganz konkreten Ursprung haben.
Das Einzige, was ich persönlich vermisst habe, ist ein Verzeichnis einiger historischer Persönlichkeiten (arabische Gelehrte), die vermutlich den meisten deutschen Lesern unbekannt sind und deshalb Extra-Recherchen erfordern.

Fazit: "Isenhart" ist keine leichte Lektüre, sondern ein vielschichtiger Roman, der dem Leser Durchhaltevermögen abverlangt. Besonders für (kirchen)kritische Leser ist das Buch ein Genuss und unbedingt empfehlenswert. Für mich ist es eins der Highlights des Jahres 2011.

04.10.2011 17:58:38
allegra

Isenhart wird im Winter des Jahres 1171 geboren. Seine Mutter stirbt bei der Geburt und auch bei dem kleinen Jungen kann die Hebamme keinen Herzschlag spüren. So wird er beiseite gelegt, während sich die Hebamme um den Leichnam der Mutter kümmert.
Doch es passiert etwas völlig Unerwartetes: Ein Fremder stürmt ins Haus, nimmt das tote Kind in seine Arme und haucht ihm seinen Atem und damit einen Teil seiner Seele ein. Er hinterlässt der Hebamme einige Münzen für die Betreuung des kleinen Jungen und flieht ins Unterholz kurz bevor sein Verfolger, Walther von Ascisberg vorbeikommt. Auch er haucht dem Baby seinen Atem und damit einen Teil seiner Seele ein, auf dass diese in Widerstreit trete mit derjenigen des geheimnisvollen Fremden. Er nimmt das Neugeborene mit und bringt es seinem Freund, Sigimund von Laurin, wo es in der Familie des Schmieds aufwachsen kann.

Da der kleine Junge sehr zäh ist und wider Erwarten den Frühling erlebt wird er auf den Namen Isenhart getauft. Walther von Ascisberg veranlasst, dass Isenhart gemeinsam mit Sigimunds Sohn Konrad unterricht wird in Latein und in Kenntnissen, die man später mit Naturwissenschaften bezeichnen wird.

Isenhart spürt sehr bald, dass er in der falschen Zeit lebt. Sein Geist verlangt nach Freiheit und lässt sich nicht in ein enges Glaubenskorsett zwängen, wie es für die Zeit des Hochmittelalters zu erwarten wäre. Walther von Ascisberg fördert Isenhart in Naturbetrachtungen und sät einen Samen der Neugierde nach Erkenntnis, des in Isenhart auf fruchtbaren Boden fällt.

Die Idylle wird sehr schmerzhaft zerstört durch den gewaltsamen Tod von Anna von Laurin, der Tochter Sigimunds. Walther ermittelt gemeinsam mit Isenhart und er kommt zu einer Verhaftung mit Todesurteil eines Händlers. Doch sehr bald wird es zur Gewissheit, dass ein Unschuldiger hingerichtet worden ist, da es zu weiteren Todesfällen kommt.

Die Ermittlungen, die Isenhart und Konrad von der Rhein/Neckar Region über Spira (das heutige Speyer) quer über die Alpen nach Toledo an den Bazar des Wissen führen werden, bilden den Rahmen dieses 800 Seiten starken Erstlingswerk von Holger Karsten Schmidt.
Das Buch beinhaltet aber weit mehr als nur einen historischen Krimi. Isenhart ist ein unruhiger Geist und stellt viele Überlegungen und wissenschaftliche Experimente an, so dass man auch eine Menge lernen kann über die Entwicklung der Technik im Hochmittelalter. Interessanterweise sind die Araber in vielen Belangen, was Medizin aber auch Fliegen betrifft, sehr viel weiter als die Europäer. Neben wissenschaftshistorischen Kenntnissen vermittelt das Buch auch sehr viele Anregungen zu philosophischen Überlegungen.

Sprachlich lässt sich das Buch sehr leicht und angenehm lesen. Teilweise hätte ich mir etwas mehr Beschreibungen gewünscht über das Aussehen der Figuren. Aber die interessanten und abwechslungsreichen Landschaftsbeschreibungen machen das locker wett.

25.09.2011 23:22:18
bonomania

Ein facettenreicher Mittelalterroman
------------------------------Bei einer schweren Geburt 1771 sterben Mutter und Kind. Das Baby wird jedoch durch einen zufällig hinzukommenden mysteriösen Fremden wiederbelebt. Eine Mund-zu-Mund-Beatmung war damals noch Hexenwerk, so dass diese Wiederbelebung und der kleine Junge den Einwohnern des kleinen Ortes unheimlich war.

Das kleine schwächliche Kind wird von einem Adeligen mitgenommen und wächst fortan beim Schmied der Burg Laurin bei Spira auf . Da er überlebt, bekommt er den Namen Isenhart. Der wissbegierige Isenhart erhält das Privileg, zusammen mit Konrad, dem Sohn des Hauses Laurin, Unterricht zu bekommen. Eine tiefe Freundschaft mit Konrad entsteht trotz der Standesschranken.

Isenhart verliebt sich in Anne, die Tochter des Fürsten. Nach einer geplatzten Verabredung findet er seine große Liebe im Wald brutal ermordet auf. Für Isenhart bricht eine Welt zusammen, der vermeintliche Mörder wird jedoch schnell gefasst und hingerichtet..

Durch nachfolgende Ereignisse ist bald nichts mehr wie es war und Isenharts Welt gerät aus den Fugen. Nur die Freundschaft zu Konrad ist geblieben sowie sein unbändiger Wissensdurst.
5 Jahre später stellt sich heraus, dass Isenharts Geliebte durch einen Serienkiller ermordet wurde. Mit außergewöhnlicher Assoziationsfähigkeit fängt Isenhart an zu ermitteln.

Das Buch ist nicht nur ein spannender historischer Mittelalterroman mit Krimielementen, sondern auch sehr facettenreich. Dramatisches, tragisches, theologisches, lehrreiches, philosophisches, brutales aber auch liebevolles und humoriges wechseln sich gekonnt ab, so dass der Roman nie langweilig wurde. Die Charaktere sind gut herausgearbeitet und der Schreibstil flüssig und bildhaft. Die Mordfälle werden zeitweise nebensächlich, im Vordergrund stand meines Erachtens mehr Isenharts Leben und sein für die damalige Zeit außergewöhnlicher Verstand und Forscherdrang, der Isenhart des Öfteren in Gefahr bringt.

Wer einen reinen Krimi erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein. Mich haben die vielen anderen Aspekte jedoch sehr gut unterhalten, ich habe einiges dazu gelernt, denn die wissenschaftlichen Passagen wurden nicht trocken rübergebracht, sondern auch für Laien verständlich und interessant dargestellt.

Der Autor hat mit dem Roman einen sehr guten Einblick in die damalige Zeit gegeben und ich bin wieder einmal mehr froh, im hier und heute leben zu dürfen.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen.
Von mir gibt es 85 Punkte

25.09.2011 17:33:02
lors.byron

In jedem Dorf gibt es eine Fackel, den Lehrer, und jemanden der diese Fackel löscht, den Pfarrer

Im Jahre 1171 geschieht seltsames in der Nähe der Burg Laurin. Ein Junge kommt tod zur Welt, ein Fremder taucht auf und haucht ihm seinen Atem ein. Ein anderer Mann erstickt das Kind wieder um es dann erneut wiederzubeleben. Der Junge wird zum Schmied des Dorfes gebracht, der es mit seiner Frau aufziehen soll. Als der kleine Junge den strengen Winter überlebt erhält er den Namen Isenhart (Eisenhart). Als er älter wird, wird er mit dem 1 Jahr älteren Konrad von Laurin unterrichtet, was ein großes Privileg für den Sohn eines Schmiedes ist, denn er hat einen Mentor, der seine schützende Hand über ihn hält und seinen Geist fördert. Isenhart zeichnet sich schnell durch Intelligenz und große Wissbegier aus. Alles muss er hinterfragen und keine Antwort ist ihm genug. Leider wird das zu dieser Zeit nicht gerne gesehen, ist doch die Kirche der Meinung, der Mensch soll arbeiten und beten, und sich nicht über Dinge Gedanken machen, die allein Gottes Willen unterworfen sind. Die beiden Jungen wachsen miteinander auf und es entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den Beiden. Doch dann wird Konrads Schwester Anna getötet, in die Isenhart schrecklich verliebt ist und die beiden verfolgen den Mörder bis nach Toledo.

Auch wenn es sich so anhört, ist dieses Buch kein Thriller. In erster Linie ist es ein hervorragend recherchierter historischer Roman, in dem auch ein Serienmörder sein Unwesen treibt.
Ich hatte das große Glück, dieses Buch in einer Leserunde bei LovelyBooks zusammen mit dem Autor und 24 anderen Gewinnern lesern zu dürfen. Was Holger Karsten Schmidt mit diesem Buch gelungen ist, ist unbeschreiblich. Die Protagonisten sind der Strenge der Kirche unterworfen, wo sie doch lernen und forschen möchten. Und anstatt sich von den Muselmanen in der Medizin, Mathematik und Philosophie unterweisen zu lassen, muss man gegen sie kämpfen. Kaiser Friedrich Barbarosse hat zum 3 Kreuzzug aufgerufen, wo im Namen Gottes unsagbare Gräuel verübt werden. In diesem Buch wird die Geschichte lebendig. Die bildhaften Beschreibungen haben mich mitten in die Handlung versetzt und das war besser als jedes Kino. Man kann wirklich alles vor sich sehen, man spürt Hitze und Kälte und nimmt auch die Gerüche war. Es wird viel philosophiert und was mir ganz besonders gut gefallen hat war, dass Begriffe wie "alles in Butter" oder auch "halt die Klappe" in dieser Zeit ihren Ursprung haben und dem Leser erklärt werden, wie sie entstanden sind. Trotz seiner 800 Seiten liest sich das Buch flüssig und leicht. Schnell nicht unbedingt, da auf jeder Seite so eine Fülle an Informationen auf den Leser warten, dass man Angst hat, etwas zu überlesen. Keine einzige Seite dieser Geschichte war langweilig oder uninteressant. Schon von der ersten Seite an schlägt einem die Geschichte in ihren Bann und lässt einen erst wieder los, wenn man nach dem letzten Wort das Buch geschlossen hat. Und auch danach kann man nicht einfach das nächste Buch zur Hand nehmen, sondern muss alles erst noch einmal Revue passieren lassen.
Für mich ist Holger Karsten Schmidt die Neuentdeckung des Jahres und ich scheue mich nicht davor seinen Namen in einem Atemzug mit Rebecca Gablé zu nennen. Isenhart ist Herrn Schmidts Debüt und ich hoffe, er wird noch ganz viele und wunderbare Bücher für uns schreiben.

Alle die gerne etwas anspruchvollere Bücher lesen möchten, werden Isenhart lieben.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

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