Der Köhler

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Societäts-Verlag, 2011, Titel: 'Der Köhler', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
 Interessante Zeitreise in den Taunus

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Sep 2011

Friedrich Lindt arbeitet als Köhler und beliefert unter anderem Dietrich Arenberg, den Pächter einer großen Eisenhütte, mit Kohlen. Immer wieder kommt es zu Streitereien hinsichtlich der Qualität der Kohle und dem dafür zu zahlenden Preis. Doch Lindt muss sich zurückhalten, denn Arenberg ist gleichzeitig auch der einzige Gast, der in der "Dasbacher Heide" übernachtet, die von Lindts Frau Charlotte geführt wird. Nach einem Arbeitsunfall bringt Lindt einen schwer verletzten Kumpel in einen Krankensaal und macht sich anschließend auf den verfrühten Heimweg. Zuhause findet er Charlotte zusammen mit Arenberg im Bett vor. Es kommt zu einem folgenreichen Streit, bei dem Arenberg eine Pistole zieht und sich plötzlich ein Schuss löst, der Charlotte tödlich trifft. Im weiteren Verlauf der Handgreiflichkeiten sinkt plötzlich auch Arenberg tot zu Boden. Lindt ergreift die Flucht, denn Arenbergs Vater ist der örtliche Polizeiobrist und dieser wird glauben, dass Lindt für die beiden Todesfälle verantwortlich war. 

Lindt steht eine ebenso spannende wie brutale Zeit bevor, denn die Zuflucht bei seinem Schwager führt ihn zu einer gefürchteten Diebesbande. Da ihn die Gewalt der Banditen abschreckt, flieht er bald weiter und landet bei der österreichischen Armee, die sich erbitterte Duelle mit der französischen Revolutionsarmee liefert. Immer wieder kreuzen sich dabei die Wege mehrerer Figuren, so beispielsweise die zwischen Lindt und Johanna, einer jungen Frau, die sich zu Lindt hingezogen fühlt und die ein dunkles Geheimnis umgibt…

 

Der Holzkohlenbedarf zur Eisenverhüttung war ungeheuer groß. Nicht umsonst rauchte Meiler an Meiler im Taunus. Die Herstellung von tausend Kilogramm Eisen verschlang fünftausend Kilogramm Holzkohle. Des Waldes beraubt, stürzten sich zu Tal strömende Fluten erbarmungslos auf Boden und fauligen Fels, kleinen Furchen, feinen Kerben, tiefen Rinnen, weiten Gräben folgte das Reißen tiefer Schluchten.

 

Einige vermeidbare Schwächen trüben den insgesamt positiven Eindruck

Neben dem Leben der Hauptfigur des Friedrich Lindt geht es vor allem um den Polizeiobristen Hans-Georg Arenberg und um Johanna, die sich sehr viel näher stehen als sie beide wissen. Der Leser erfährt dies jedoch recht schnell und so nimmt der Autor ein wenig die Spannung aus der Handlung. Da beginnt zunächst der Roman mit der Ermordung von Anna-Maria (auf diese Figur soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden), um unmittelbar anschließend in einer unnötig langen Rückblende aufzuzeigen, wo die Gründe für ihre Tötung zu finden sind. Was zunächst wie ein gekonnter erzählerischer Kunstgriff aussieht, funktioniert nicht wirklich, da man ja schon weiß, wie dieser Teil der Geschichte (zumindest für Anna-Maria) endet. 

Auch sonst stößt man hier und da auf Probleme, zum Beispiel wenn in einem Gespräch die beiden Personen X und Y miteinander reden und in der nächsten Zeile plötzlich Z etwas sagt, obwohl sich Z ganz woanders aufhält. Da hätte man zum besseren Verständnis an der einen oder anderen Stelle gerne mal einen Absatz einbauen dürfen. Zudem irritiert, dass der sehr einfach gestrickte Lindt einige  Geistesblitze hat, die schlicht unglaubwürdig sind. An einer Stelle wird zudem auf ein lesenswertes Manuskript verwiesen, welches dreißig Jahre nach der Handlung geschrieben wurde und erklärt, warum eine Figur an dieser Stelle des Romans namentlich erwähnt wird. Derartige erläuternde Ausführungen gehören bekanntlich in einen Anhang oder ein Nachwort (beides fehlt), aber sicher nicht in die Romanhandlung. 

Einige explizite Gewaltszenen sind nichts für schwache Nerven, sorgen aber für Authentizität

Sieht man von den vorgenannten Schwächen ab, findet man eine kurzweilige Zeitreise in den Taunus des 18. Jahrhunderts, die unaufhaltsam auf die Auflösung des Geheimnisses um die Beziehung von Johanna und Hans-Georg Arenberg hinausläuft. Für den Leser kommt diese, da zu schnell bekannt, nicht überraschend, doch mehrere Figuren steuern unaufhaltsam auf ein ultimatives Fiasko zu. Bis dahin geschehen etliche Verbrechen und Morde, denn die Lebensumstände der meisten Menschen sind katastrophal. Immer wieder ziehen die französischen Revolutionsarmeen durch den Taunus und plündern was sie können. Die zur Hilfe eilenden österreichischen Truppen sind jedoch ebenfalls ein Problem für die Bevölkerung, da sie für deren kostspielige Unterbringung und Verpflegung aufkommen müssen. So verwundert es nicht, dass immer mehr Diebesbanden ihr Unwesen treiben und Friedrich Lindt auf seiner Flucht gar gemeinsame Sache mit dem bekannten Schinderhannes sowie Mathias Weber, den "Fetzer" vom Niederrhein, macht.

Alles in allem bietet Der Köhler einen vielschichtigen Panoramablick in die damalige Zeit, welcher an manchen Stellen einige äußerst brutale Verbrechen sehr direkt darstellt. Heimlicher Star dieses Romans ist aber letztlich die Landschaft selbst. Äußerst detailverliebt schildert der Autor Alexander Stahr, von Beruf Diplom-Geograf, den Taunus und seine zahlreichen kleinen Ortschaften, von denen man als ortsunkundiger noch nie gehört hat. Man kennt das Phänomen aus sogenannten Regiokrimis, in denen die Autoren damit "glänzen", ganze Stadtpläne abzuschreiben. 

Der Köhler

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Letzte Kommentare:
19.12.2011 19:01:55
Elke

Mit Der Köhler" hat Alexander Stahr einen bemerkenswerten historischen Roman geschrieben, der aus der Masse der Veröffentlichungen dieses Genres herausragt.

Die Handlung um den Köhler Lindt ist im 18. Jahrhundert angesiedelt. Nicht für die typische Wanderhuren- und Henkerstochter-Klientel gedacht, schickt uns der Autor auf eine Zeitreise in den Taunus, eines der ältesten deutschen Mittelgebirge. Der Leser wird mit der alltäglichen Grausamkeit des Lebens in der damaligen Zeit konfrontiert - einer Zeit, in der die Welt nicht heil ist, in der ein Leben nichts gilt und keinen besonderen Wert hat. Brutalität, Armut und Hunger prägen das Verhalten der Menschen, die einsam und stumpfsinnig ihrem Tagwerk nachgehen, ihre Träume längst begraben haben und lediglich mit Alkohol und Glücksspiel dem entbehrungsreichen und harten Alltag zu entfliehen versuchen.

Die eigentliche Hauptfigur dieses Romans ist für mich aber nicht der Köhler, sondern der Taunus. Eine Landschaft, gebeutelt durch Krieg und geschändet durch ihre Bewohner, die gedankenlos und nur an den Erfordernissen zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes orientiert, in unvorstellbarem Ausmaß Raubbau an der Natur betreiben. Wälder werden abgeholzt und die Böden zerstört, grausam und gedankenlos gehen die Menschen nicht nur miteinander, sondern auch mit der Natur um.

Alexander Stahr schreibt sehr bildhaft, und so hat man während der Lektüre dieses trostlose Grau der Landschaft förmlich vor Augen und den Rauchgeruch der Kohlenmeiler in der Nase. Er erzählt sprachlich auf hohem Niveau und passt die Ausdrucksweise der damaligen Zeit an, so dass die Atmosphäre dieser spannenden Geschichte absolut stimmig beim Leser ankommt. Großes Kino!