Tod und Nachtigallen

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • , 1992, Titel: 'Death and Nightingales', Originalausgabe

Couch-Wertung:

87

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Rita Dell'Agnese
Die Düsternis des irischen Moores

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2011

Kurzgefasst:

Billy Winters, protestantischer Grundbesitzer in der nordirischen Grafschaft Fermanagh, war reichlich betrunken und sehr zornig, als er seiner Frau eröffnete, dass er ihrer Tochter Beth auf keinen Fall etwas vererben wird. Steinbruch, Pachten, Farmland und ein erheblicher Goldschatz sollten dem katholischen Kuckuckskind nicht in die Hände fallen. Hat er nicht genug für das Mädchen getan? Ihr ein Dach über dem Kopf und zu essen gegeben? Jahre später beschließt Beth, den Hof zu verlassen. Sie hat genug davon, Billys Dienstmagd zu sein, hat genug von den Wutanfällen und der mehr als väterlichen Zuneigung. An ihrem Geburtstag will sie mit seinem Gold und ihrem Geliebten durchbrennen. Doch der Mann, dem sie ihr Leben und das ihres ungeborenen Kindes anvertraut, ist ein skrupelloser Verbrecher.
Eugene McCabes Roman spielt an einem einzigen Tag des Jahres 1883.

 

Es ist das Bestreben, trotz schwieriger Verhältnisse zu überleben, das diesen Roman von Eugene MCabe prägt. Der Autor nimmt einen Tag im Jahr 1883 und macht ihn zu einem irdenen Gefäß, in das er die Geschichte füllt, wie einen zähflüssigen Trank. Es ist der Tag, an dem Beth Winters ihr Zuhause verlassen möchte: ihren Geburtstag, der sie in ein neues Leben führen soll. Sie will mit Liam Ward die Stätte verlassen, an der sie ihre Kindheit verbracht hat und die ihr in den letzten drei Jahren zu einer Art Gefängnis geworden ist. Denn seit dem Tod ihrer Mutter stellt ihr Billy Winters auf eine unväterliche Art nach. Beth weiß, dass sie nicht Billys Tochter ist - er hat es ihr im betrunkenen Zustand gestanden. Sie weiß auch, dass Billy ihre Mutter für diesen Betrug büßen ließ, immer wieder. So ist Beth in einer Art Hass-Liebe zu jenem Menschen gefangen, den sie als ihren Vater gesehen hatte. Auch er ist Beth auf eine eigentümliche Art zugetan - einerseits in Liebe, andererseits voller Verachtung. Um ihr neues Leben zu finanzieren, will Beth das Gold aus dem Safe ihres Vaters stehlen und dann mit Liam Ward dafür sorgen, dass das Kind, das sie von ihm unter dem Herzen trägt, eine gute Zukunft haben wird. Doch der so simple wie sorgfältig geschmiedete Plan hat Schwachstellen.

Eindrückliche Bilder

Eugene McCabe versteht es, die Leser in die Düsternis des irischen Moores mitzunehmen. Das gleichermaßen faszinierende wie bedrückende Moor bildet die ideale Grundlage für die Geschichte, die in die Abgründe des menschlichen Seins führt. Denn dem Leser bleibt nicht verborgen, dass Beth einzig Werkzeug des undurchsichtigen Liam Wards ist und sich zwar vom bedrückenden Zuhause befreien möchte, aber direkt in die Hände eines zwielichtigen Mannes flüchtet. Mit diesem Wissen erlebt der Leser Schritt für Schritt die Vorbereitungen von Beth - und würde ihr gerne zuraunen, sich die Sache nochmals durch den Kopf gehen zu lassen. In seiner etwas schwerfälligen wirkenden Sprache trifft McCabe genau jenen Ton, der dem Roman die nötige Schwere und Eindrücklichkeit verleiht. So wird das Werk letztlich zu einem geglückten Zusammenspiel zwischen Atmosphäre, Handlung und Sprache.

Nicht einfach zu verstehen

Der Autor fordert seine Leser allerdings stark heraus. Die Geschichte ist - auch weil sie sich auf einen einzigen Tag beschränkt - nicht einfach zu verstehen. Immer wieder wird man sich dabei ertappen, den zeitlichen Rahmen unbewusst auszudehnen. Denn die Gedankengänge von Beth erweitern den zeitlichen Ablauf massiv und es ist da und dort verwirrend, plötzlich wieder auf den eigentlichen Ablauf zurückgeworfen zu werden. Der Aufbau des Plots ließe sich mit den Ringen vergleichen, die sich bilden, wenn ein Stein ins Wasser geworfen wurde: Der Stein bleibt zwar vor Ort, die sich ausdehnenden Ringe jedoch geben einen Eindruck von Weite. Nicht immer gelingt es McCabe, die Rückkehr zum Ausgangspunkt ganz schlüssig zu gestalten. Es braucht oft Disziplin, ihm zurück zum Geschehen an diesem einzigen Tag zu folgen und die gedanklichen Ausschweifungen los zu lassen. Dies wohl auch deshalb, weil sich über den Handlungstag ein dunkler Schleier auszubreiten scheint, der unter sich alles langsam zu ersticken droht.

Interessantes Gesellschaftsportrait

Wer sich von der Geschichte um Beth etwas zu lösen vermag, wird in McCabes Roman ein starkes und interessantes Gesellschaftsportrait entdecken. Die Spaltung zwischen der protestantischen und der katholischen Bevölkerung findet darin ebenso Niederschlag, wie die Klassenunterschiede, Not und der unbändige Wunsch nach politischer Freiheit. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen sich, es ist nicht mehr sichtbar, welchen Schichten, Kreisen, Figuren der Autor zugetan ist, und welche Gesinnung ihm zu schaffen macht. Dies ist eine der absoluten Stärke dieses außergewöhnlichen Romans. Eines Romans, der aber die breite Masse kaum erreichen dürfte, verlangt er doch von den Lesern nicht nur absolute Konzentration, sondern auch die Bereitschaft, etwas aus Distanz zu erleben und sich nicht mit einer der Figuren zu identifizieren. Und letztlich führen die düsteren Bilder auch dazu, dass der Roman als bedrückend und unter Umständen belastend wahrgenommen wird, wenn in ihm auch ein herber, unbezwingbarer Zauber wohnt.

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