Das Amulett der Keltenfürstin

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • , 2011, Titel: 'Das Amulett der Keltenfürstin', Originalausgabe

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Volker Faßnacht
Weder Fisch noch Fleisch

Buch-Rezension von Volker Faßnacht Aug 2011

Lucas Bahl schreibt mit seinem neuen Roman Das Amulett der Keltenfürstin über eine bislang nicht so häufig erzählte Zeit: die Kelten 500 v. Chr. in der Gegend um Bad Staffelstein im Fränkischen.

Ilagana, die Fürstentochter von Menosgada, die sich für das Druidentum interessiert und schließlich auch eine Lehre beim Druiden des Dorfes beginnt, wohnt dem Entscheidungskampf des benachbarten Fürstensohnes mit einem Emporkömmling aus dem Süden bei, der dem Stammhalter durch einen Trick sein Anrecht verwehrt, Nachfolger seines Vaters zu werden. Der Emporkömmling selbst wird der neue Fürst, was den Herrschern der umliegenden Städte nicht gefällt, da er noch nicht einmal Kelte ist (dies lässt zumindest die Beschreibung, dass er von jenseits der Alpen kommt, was zu dem Zeitpunkt nicht zum Machtbereich der Kelten gehörte, vermuten).

Ilagana wird beauftragt, den neuen Herrscher zu töten, um die Tradition wiederherzustellen, was jedoch schwierig wird, da sie sich in ihn verliebt. So geraten einige Pläne durcheinander und Ilagana selbst, ob ihres Versagens, in Bedrängnis, zumal es ja auch weiterhin Interessen gegen den Herrscher und die reiche Nachbarstadt gibt.

Fragmentarisches Wissen über die Kelten

Sicherlich gibt es viele Probleme, einen historischen Roman über die Kelten zu schreiben. Die Kelten selbst haben keine Aufzeichnungen hinterlassen, so dass es keine verlässlichen Quellen über deren Geschichte gibt. Das Wissen über die Kelten entstammt Berichten griechischer und römischer Autoren. Propaganda der Feinde der Kelten also. Auch ist der Begriff eines Keltenvolkes recht unbestimmt, handelt es sich bei den Kelten nach heutigen Erkenntnissen nicht um ein Volk, sondern vielmehr um zahllose Stämme und Stadtstaaten, die einen mehr oder weniger gemeinsamen Nenner hatten, wie z.B. die gleichen Götter, eine gemeinsame Sprache oder die Gleichartigkeit ihrer Siedlungen. Wobei, auch hier ist sich die Wissenschaft schon nicht mehr ganz so sicher...

Archäologische Funde lassen den Schluss zu, dass die Kelten neben ihrem Ruf, ein barbarisches Volk (Sammlung abgetrennter Köpfe ihrer Feinde (welch feinsinniger Sidekick, Obelix die Helme – kindgerecht etwas abgemildert, Köpfe durch Helme zu ersetzen – der von ihm verprügelten Römer sammeln zu lassen), Kriegstaktiken und Verstreuung der Gebeine der feindlichen Toten) gewesen zu sein, durchaus auch eine Hochkultur aus Bildung (Weiterentwicklung von Lenkung und Federung bei Wagenkonstruktionen, Damaszenerstahl,...), Handelsbeziehungen (bis in den heutigen Iran) und Kunst (Bronzeschmuck als Beigabe in reiche Fürstengräber) vorzuweisen haben.

Interessant dürfte auch sein, dass die oftmals als Musik keltischen Ursprungs geltende Musik, die heutzutage mit Vorliebe in irischen Pubs gespielt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht keltisch ist. Es gibt auch hier schlichtweg keine Aufzeichnungen. Die vorgeblich aus dem gälischen übersetzte Musik ist eine, mangels Quellen, erfundene Komposition aus dem 18. Jahrhundert, deren Stilistik übernommen und weiterentwickelt wurde.

 

"Kurz gesagt, ein historischer Roman, der in der Keltenzeit spielt, beruht zwangsläufig zu mehr als 95 Prozent auf Phantasie und Spekulation und sagt letztlich mehr über die Zeit aus, in der er geschrieben wurde, als über die Vergangenheit, die er thematisiert."

 

(Lucas Bahl im Anhang seines Buches "Das Amulett der Keltenfürstin")

Mystik, Magie und Fantasy statt historische Elemente

Viel freier Gestaltungsraum also für den Autoren. Gestaltungsraum, der allerdings von Lucas Bahl meist nicht in historisch befriedigender Weise genutzt wird.

Stattdessen setzt Lucas Bahl bei Das Amulett der Keltenfürstin auf viel Mystik, Magie und Fantasy. Dies ist zwar durchaus das Recht eines Autors und schadet dem Roman auch in keinerlei Hinsicht. Allerdings verspricht die Buchgestaltung einen historischen Roman (auf der Buchfront, bzw. einen gut recherchierten historischen Roman gar im Klappentext), was wohl besser als historisch-fantastischer Genremix bezeichnet worden wäre.

Mehr noch: Der Roman mit druidischen Riten (deren Existenz archäologisch ebenfalls nicht belegbar ist), unsichtbaren Gebäuden, mit Schutzzauber versehenen Amuletten, seherischen Elementen und der Fähigkeit, mit Tieren telepathisch kommunizieren zu können, geht deutlich mehr in Richtung Fantasy. Viel mehr als zu einem möglichen Schwerpunkt im Historischen, was ebenfalls möglich gewesen wäre, wenn sich der Autor auf die historischen Ansätze (z.B. dem Fund eines Keltenfürstengrabes, welches nach seinen Worten die Idee zu dem vorliegenden Romans gegeben hatte) konzentriert hätte.

Die Beschreibung der Menschen, ihrer Dörfer, der beachtlichen Handelsbeziehungen, den Beziehungen zu den umliegenden Städten, auch wenn vieles vielleicht wegen der mangelnden Erkenntnisse nicht korrekt wiedergegeben worden wäre, hätte den Aspekten eines historischen Romans gut getan.

Zu wenig Roman

Die Figurenzeichnung ist insgesamt sehr knapp gehalten, ebenso wie auch die Erzählung selbst. Etwas über 300 Seiten sind für einen historischen Roman einfach zu wenig. Die Annäherung der beiden Hauptfiguren Ilagana und Farar – immerhin lässt Ilagana von ihrem Vorhaben, den Emporkömmling zu ermorden ab – vollzieht sich über gerade einmal 8 Seiten. Hier müssen, wenn es der gedungenen Mörderin tatsächlich ernsthaft um die Ermordung des Rivalen gegangen wäre – und hier lässt der Autor bei der Beauftragung des Mordes keinerlei andere Interpretation zu, da sich Ilagana aus eigenen Stücken beauftragen lässt und noch eine weitere Motivation für die Begehung der Tat spricht, die hier allerdings nicht weiter vorweggenommen werden soll - starke Beweggründe, ein tieferer Einblick in die Seele, des Attentäters gewährt werden, um diese krasse 180°-Wendung plausibel zu erklären. Ein kurzes "Ich-schau-dir-in-die-Augen-und-schon-schmilze-ich-dahin" ist zu wenig und passt allenfalls in einen neuzeitlichen Teenager-Roman über die erste Liebe.

Bis zum dramatischen Schluss des Romans, der leider recht unvermittelt und leider auch viel zu bald auf die Leserschaft hereinbricht, nicht ohne vorher noch einen (unnötigen bzw. zu langen?) Ausflug in die Fantasy zu unternehmen, werden leider viele Möglichkeiten eines detailliert geschriebenen Romans ausgelassen.

Sehr schade, denn das Thema hätte mehr Potential gehabt. Der Umstand, dass der Autor sehr gefällig schreibt und sich somit doch so ein wenig dieser Reflex einstellt, immer weitere Seiten lesen zu wollen, nicht aufzuhören, um zu erfahren, wie es weitergeht, ist neben der Aufmachung als Hardcover, dem Anhang mit umfangreicher Beschreibung über den geschichtlichen Stand des Wissens über die Kelten, über Wahrheit und Erfundenes, Literaturverzeichnis zum erweiterten Kelten-Studium und Danksagung des Autors, ein kleiner Rettungsanker vor dem Totalabsturz.

Das Amulett der Keltenfürstin

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