Der Bischof von Palatino

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • , 2011, Titel: 'Der Bischof von Palatino', Originalausgabe

Couch-Wertung:

35
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Carsten Jaehner
Schwacher Einblick in ein junges Bischofsleben

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Aug 2011

Kurzgefasst:

Der junge Adlige Hatho von Dalenberg muss auf Geheiß seines Vaters als Novize in das Clinga Monasterium eintreten. Dort verliebt er sich in die Wäscherin Roselinde, die jedoch eines Tages plötzlich verschwindet. Trotz seines anfänglichen Widerstands erklimmt Hatho die kirchliche Karriereleiter. Das Schicksal treibt ihn nach Rom und ins Heilige Land, ihm begegnen Kriege, Hungersnöte, Prostitution, Folter und Verfolgung doch in seinem Inneren brennt nach wie vor die Liebe zu Roselinde.

 

Der junge Adlige Hatho von Dalenberg muss 1241 auf Geheiß seines Vaters ins Kloster Blidenberg eintreten. Als ältester Sohn muss er sich den Worten des Vaters fügen und erlebt eine schreckliche Zeit, einzig erträglich gemacht durch die Wäscherin Roselinde, die er von einem geheimen Punkt im Glockenturm aus sehen und beobachten kann. Als das Dorf meutert und das Kloster niederbrennt, gibt es nur wenige Überlebende, darunter Hatho und Otloh, der Diener des Abtes gewesen war.

Erzdiakon Maurus zu Worms beauftragt Hatho damit, eine neue Kirche und ein neues Kloster zu bauen, da er ihn dafür für fähig hält. In den nächsten sechs Jahren kümmert er sich mit dem neuen Abt Otloh darum und wird bei der Einweihung von Kaiser Heinrich II. zum Bischof ernannt. Er wird nach Rom geschickt, um dort Kardinal und vielleicht Papst zu werden, allerdings stehen der derzeitige Papst und Kaiser Heinrich II. im Krieg gegeneinander und Heinrich wird vom Papst nicht anerkannt. Ein schwere Reise für Hatho.

Derweil musste er bei der Weihe des neuen Klosters feststellen, dass Roselinde, die er kurz nach dem Brand das letzte Mal sah, inzwischen mit Stelin verheiratet ist, einem Ritter, der beim Löschen des Brandes geholfen hatte. Dabei ist auch deren Tochter Petrissa, die Hatho erstaunlich ähnlich sieht. Auf seiner Reise nach Rom denkt Hatho dauernd an Roselinde, lernt aber die Jüdin Judith kennen, der er bei einer Entbindung hilft und mit deren drei Kindern er schließlich von Rom weiter Richtung Jerusalem reist. Doch immer ist er als Priester gefangen zwischen zwei Frauen...

Guter Beginn, schwache Weiterführung

Wiltrud Ziegler zeichnet in ihrem ersten Roman ein stimmiges Bild des Mittelalters, mit seinen Klöstern und der Situation, wie man als unwilliger Novize dort hineinkommt, da der Vater es wollte. Hatho, so der Name des Jungen, geißelt sich selbst und entkommt nur deshalb dem großen Brand, weil er seine eigenen Wege geht und nicht immer auf das hört, was man ihm sagt. Bis dahin ist der Roman spannend und auch sogar packend, doch leider geht es nicht so weiter.

Hatho wird dem Neubau des Klosters beauftragt und zum Dank zum Bischof ernannt, ausgerechnet von Kaiser Heinrich, was bedeutet, dass der Papst des Bischofstitel nicht anerkennen wird. Verliebt in die Wäscherin Roselinde, die ihm nicht aus dem Kopf geht, hat er sie in den sechs Jahren des Baus zwar vermisst, aber wohl nie Anstrengungen unternommen, herauszufinden, was mit ihr passiert ist. So ist er dementsprechend überrascht, dass sie bei der Klosterweihe samt Tochter gegenübersteht, die Hathos Schwester wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht, und Roselindes Mann merkt nichts davon.

Sprachlich uneinheitlich

Dies ist nur eine der Unwahrscheinlichkeiten, aus denen Ziegler ihren Roman webt. Auch weiß sie sprachlich keinesfalls zu überzeugen. Sätze wie "Hatho ritt schneller wie jeder Kurier" gehören lektoriert, und auch sonst hat man das Gefühl, dass, je länger der Roman dauert, sich die Fehler in Satzbau und Interpunktion häufen. Am auffälligsten ist dabei das gleiche Kennzeichnen von Sprache und Gedanken mit zwei Anführungszeichen. Hätten die Gedanken nur ein Anführungszeichen bekommen, wäre so mancher Abschnitt klarer und schneller strukturiert gewesen und der Leser nicht irritiert worden. Der Sprachstil ist zudem uneinheitlich geraten, mal sehr biblisch, mal sehr kindlich und aus Roselindes Sicht sogar märchenhaft. Das ist insgesamt für einen historischen Roman zu wenig und unpassend und sollte doch künftig angeglichen werden.

Desgleichen gilt inhaltlich, dass es doch ein paar Zufälle zu viel gibt, und dass vor allem auch die Handlung nicht immer logisch erzählt ist. Wird Hatho auf seinem Weg nach Rom begleitet und macht unterwegs über ein Jahr Station, wird er in Rom schon als tot vermutet. Das nächste Kapitel erzählt die Geschichte Roselindes und ihres Mannes Stelin vom Zeitpunkt von Hathos Aufbruch an, ein unlogischer und störender Zeitsprung, der auch nur ungenügend mit der anderen Handlung zusammengefügt werden. Hier wären Parallelstränge in kürzeren Episoden angebrachter gewesen, denn man hat bereits vergessen, was mit Hatho war, und zudem setzt die Handlung später wieder ein, als sie zuvor aufgehört hatte. Hier geraten die Zeit- und Erzählsprünge doch sehr durcheinander.

Unbefriedigender Schluß - fehlt da ein Kapitel?

Letztlich ist der Schluß für den Leser unbefriedigend, da man das Gefühl nicht los wird, dass das letzte Kapitel schlicht fehlt, da Hathos Geschichte nicht zu Ende erzählt ist, Stelins hingegen schmalztriefend den Roman beschließt. Einen Roman zu enden zu lassen, ist sehr leserunfreundlich.

Ein kurzes Nachwort mit einer Karte des Klosters ist der einzige Zusatz zu dem Roman. Darin schreibt die Autorin, dass sie Ereignisse des 9. Jahrhunderts mit Ereignisse des 13. Jahrhunderts vermischt hat, und als Leser fragt man sich unweigerlich: Warum nur? Hier hätten es fiktive Ereignisse ebenso getan, ohne Zeiten, Orte und Personen durcheinander zu würfeln, wo es nicht nötig gewesen wäre.

Immerhin ist das Coverbild ansprechend und hebt sich positiv vom sonstigen Covereinerlei heutiger historischer Romane ab. Retten kann es den Roman jedoch nicht. Der Roman fängt interessant an, wird aber mit jeder der 280 Seiten schwächer und hört sozusagen mittendrin auf. Ärgerlich.

 

Der Bischof von Palatino

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