Die brennenden Lettern

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2011, Titel: 'Die brennenden Lettern', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Gestraffte Reise durch die Reformationszeit

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Aug 2011

Kurzgefasst:

Quirin Melchior, ein Heidelberger Lebenskünstler und Fan des Mittelalters, gerät an die geheimnisvolle Ane. Diese Begegnung hat Folgen: Ane bereitet ihn heimlich auf eine Zeitreise vor. Und so landet Quirin mitten in Luthers Disputation an der Heidelberger Universität im Jahre 1518. Er lernt die süddeutschen Reformatoren Paul Fagius und Martin Bucer kennen und wird zu Pauls Beschützer. Der gemeinsame Weg führt sie nach Isny, wo Paul Fagius die erste hebräische Druckerei im deutschen Sprachraum einrichtet. Doch immer ist Zacharias Rugus, sein geheimer und gefährlicher Gegenspieler, in der Nähe...

 

Quirin Melchior führt ein beschauliches Leben in Heidelberg. Sein Auskommen sichern ein lebenslanges Wohnrecht in einer alten Villa und eine kleine Rente. Dazu verdient er sich als Fremdenführer durch das historische Heidelberg ein kleines Zubrot. Da lernt er die geheimnisvolle Kräuterfrau Ane kennen, die ihn mittels Zaubertrank ins 16. Jahrhundert versetzt. Dort begegnet Quirin den Reformatoren und wird besonders Paul Fagius ein treuer Begleiter. Zunächst in Heidelberg, später in Straßburg und Isny erlebt Quirin, wie sich die Bauern erheben und die Reformation an Boden gewinnt. Sein Freund Paul Fagius gründet außerdem eine hebräische Druckerei und arbeitet an einem Wörterbuch.

Was will der Roman erzählen?

Nach den 320 Seiten bleibt der Leser etwas ratlos zurück: Was wollte denn der Roman nun wirklich erzählen? Viele Bereiche schneidet Autorin Claudia Schmid an und rast in einem enormen Tempo durch die Geschichte. Weder Quirins plötzliche Reise in die Vergangenheit noch die Reformation oder die Gründung der Druckerei werden wirklich tragende Elemente einer sich entwickelnden Geschichte. Es sind vielmehr aneinander gereihte Facetten, die - weil zu wenig ausgearbeitet - nicht so richtig zueinander passen wollen. Quirin etwa soll Paul Fagius als Beschützer zur Seite stehen. Doch ist es eher Fagius, der Quirin zur Seite steht. Zwar rettet Quirin dem jugendlichen Fagius mit einer im Schnelldurchgang erworbenen Kräuterkunde das Leben, doch im weiteren Verlauf der Geschichte wird er lediglich zu einem Anhängsel, das von Fagius profitiert. Quirin begegnet zwar einigen interessanten Persönlichkeiten wie Martin Luther, Doktor Faust, Zwingli und Martin Bucer, es ist letztlich aber nur Bucer, der über eine "Gastrolle" hinaus kommt. So drängt sich der Verdacht auf, dass die übrigen Namen einzig dazu dienten, Interesse am Buch zu wecken.

Gerne hätte man mehr darüber erfahren, weshalb es so schwierig war, eine hebräische Druckerei zu verwirklichen. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Ziel, das Fagius verfolgte, hätte der Geschichte ebenso gut getan, wie ein detaillierteres Eintauchen in die Reformation. Immerhin kann man aus dem Roman die Zusammenhänge zwischen den Reformationsbemühungen und der Druckerei erkennen.

Blutleere Erzählung

So gerafft der Plot ist, so blutleer bleibt die Erzählung der Autorin, was die Sprache anbelangt. Nicht nur, dass etliche Wiederholungen den Erzählfluss hemmen und die Sprache holprig erscheinen lassen - die Autorin verpasst es auch, durch die Erzählung dem Geschehen Leben einzuhauchen. Stellenweise liest sich der Roman eher wie eine kurz gefasste Abhandlung über die Reformationszeit, wie sie in einem Geschichtstest an einer Schule verlangt würde. Das ist höchst bedauerlich, hat sich Claudia Schmid doch die Mühe gemacht, die Fakten zu recherchieren und ihrem Roman einen historischen Boden zu geben.

Leblose Charaktere

Leider bleiben auch die Charaktere bei diesem Schnelldurchlauf durch 30 Jahre Reformationszeit zu sehr an der Oberfläche. Der aus dem 21. Jahrhundert stammende Quirin, der sich vor Keimen fürchtet und vor allem möglichen ekelt, kann sich nahezu mühelos mit seiner neuen Situation abfinden und fällt durch sein Anderssein auch nicht wesentlich auf. Der böse Widersacher von Quirin und Paul Fagius, Zacharias Rugus, ist zwar abgrundtief böse, kann seine Bosheit aber nur vereinzelt und auch dann nur verhalten anbringen. Ane wird lediglich gestreift und vom Denken von Paul Fagius ist kaum die Rede.

Letztlich wünschte man sich, Claudia Schmid hätte sich mehr Raum gegeben, um die Geschichte weiter zu entwickeln. So wirkt sie unausgegoren und gestaucht, obwohl sie bei näherer Betrachtung einiges zu sagen hätte. Die Autorin setzt in ihrem Roman auf weniger schillernde Figuren der Reformationszeit, mit denen sich eine nähere Auseinandersetzung auf jeden Fall lohnt.

Die brennenden Lettern

Die brennenden Lettern

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Letzte Kommentare:
05.09.2011 14:37:57
allegra

Mit „Die brennenden Lettern“ hat Claudia Schmid einen typischen Zeitreise-Roman geschaffen. Die Rahmenhandlung spielt größtenteils im Heidelberg der Gegenwart und die Binnenhandlung führt uns an die Schauplätze Heidelberg, Straßburg, Isny und Venedig in den Jahren 1518 (Heidelberger Disputation) bis 1549 (Tod von Paul Fagius).

Die Rahmenhandlung empfand ich als relativ belanglos, dafür hat mich das Thema der Reformation sehr interessiert. Man merkt, dass die Autorin dazu intensiv recherchiert hat. Der Werdegang des Reformators Paul Fagius lässt sich anschaulich mitverfolgen. Die Personen sind teilweise etwas knapp aber glaubhaft charakterisiert. Gegen Ende konnte ich die Entwicklungen um das „Interim“ nicht mehr wirklich nachvollziehen. Da hätte ich noch ausführlichere Erklärungen benötigt.

Erschwerend für das Verständnis war für mich die fehlende Strukturierung des Textes. Das Buch weist keine Kapitel auf; eine Einteilung in logische Abschnitte ist für mich nicht erkennbar. So werden an einigen Stellen völlig unterschiedliche Handlungsstränge nur durch einen einfachen Zeilenumbruch voneinander getrennt, was mich mehrfach verwirrt hat.

Leider konnte ich den interessanten Stoff nicht wirklich genießen, da der Roman auf mich sehr unausgereift wirkt.
Einerseits fällt er etwas knapp aus: Auf den nur 280 Seiten der Binnenhandlung sind 30 Jahre Geschichte zusammengefasst, so dass vieles zu oberflächlich dargestellt ist beziehungsweise kein Raum bleibt für Handlungen, bei denen man Mitgefühl für die Beteiligten entwickeln könnte.
Andererseits, und das ist für mich weitaus gravierender, häufen sich stellenweise sprachliche Entgleisungen, fehlerhafte Satzzeichen und Wiederholungen, die bei aufmerksamem Korrekturlesen hätten auffallen müssen. Da fühle ich mich als Leser nicht ernst genommen.