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Jörg Kijanski
Ein Brot für 140 Milliarden Mark

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2011

Kurzgefasst:

Berlin 1923: Inflation! Millionen in der Tasche, aber nichts zu essen. Kein Wunder, dass Philosophieprofessor Hendrik Lilienthal und Diana Escher, Assistentin von Max Planck, sich nicht anders zu helfen wissen, als nachts heimlich die Kartoffeläcker im Berliner Umland heimzusuchen. Doch da sind sie nicht die Einzigen, und plötzlich stehen sie vor einer übel zugerichteten Leiche. Zum Glück erreichen sie, dass der Fall Kommissar Gregor Lilienthal, Hendriks Bruder, übertragen wird und schon stürzt sich das außergewöhnliche Trio wieder in die Ermittlungen. Schnell finden sie heraus, dass das Opfer zwar einen weißen Anzug trug, aber beileibe keine weiße Weste hatte.

Die Untersuchungen führen zu Schiebern und Hehlern, zu Menschen am Rande der Existenz. Eine Spur weist ins von den Franzosen besetzte Ruhrgebiet, wo Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Besatzern, Saboteuren und Separatisten toben. Als Diana sich zu weit vorwagt, gerät sie in tödliche Gefahr.

 

August 1923. Diana Escher und Hendrik Lilienthal machen einen Ausflug von Berlin zur Genshagener Heide. Jedoch nicht, weil sie dort einen nächtlichen Spaziergang machen möchten, sondern weil sie schlicht der Hunger quält und sie hoffen, auf den dortigen Kartoffeläckern fündig zu werden. Dabei sind sie keineswegs allein und plötzlich herrscht große Aufregung, da eine männliche Leiche gefunden wird. Die Dorfpolizisten sind mit der Situation überfordert und so empfiehlt Diana, Kommissar Gregor Lilienthal von der Berliner Polizei, Hendriks Bruder, anzufordern. Nicht ganz uneigennützig, denn Diana und Hendrik haben Gregor schon wiederholt bei dessen Ermittlungen geholfen.

Bei dem Ermordeten handelt es sich um Ulf Weber, der als Schieber sein Geld verdiente. Erste Ermittlungsansätze führen allerdings nicht weiter, bis sich ein Zeuge meldet und einen Tipp gibt. Demnach wurde der Obdachlose Otto Drewitz am Tatort gesehen. Als Gregor diesen vernimmt, findet er einen größeren Geldbetrag, den Drewitz an sich genommen hat; angeblich nachdem Weber schon tot war. Bei dem Geld handelt es sich um Notgeld, dass offensichtlich aus dem Ruhrgebiet stammt, das von den Franzosen besetzt ist. Gregors Ermittlungen scheinen dadurch zum Erliegen zu kommen. Währenddessen begibt sich Diana in große Gefahr ...

 

Ick lass´ mir die Sonne in'n Hals schein´, damit ick wat Warmet in'n Leib krieg´.

Die Inflation treibt die Menschen in immer größere Verzweiflung, schon lange können viele von ihrem Einkommen nicht mehr leben oder sich Lebensmittel kaufen; sofern es diese denn überhaupt gibt. Selbst Hendrik Lilienthal kann als Professor der Philosophie nicht mehr von seinem Gehalt leben und sieht sich daher zu kleineren Diebstählen genötigt. Da dies seiner inneren Überzeugung und Wertvorstellung gänzlich widerspricht, verfällt er zunehmend in Resignation.

 

Ein Professor der stiehlt... Nie wieder würde er guten Gewissens vor jungen Menschen stehen und über Moral und Anstand reden können. Aber er kam sich in letzter Zeit sowieso wie ein Heuchler vor. Von Jahr zu Jahr unterrichtete er lustloser. Seine Studenten zogen es vor zu randalieren und nationalistische Hohlheiten von sich zu geben, statt über den Sinn des Lebens nachzudenken. Was hatte es für einen Sinn, ihnen von der Toleranz in Lessings Ringparabel zu erzählen, wenn sie noch nicht einmal die Dolchstoßlegende hinterfragten?

Im dritten Roman der Kommissar-Lilienthal-Reihe von Gunnar Kunz ist der Buchtitel einmal mehr Programm, denn immer wieder zeigt der Autor auf, wie sich eine drastisch steigernde Inflation auf die Menschen auswirkt. So kostet ein Brot an einem Samstag 25 Milliarden Mark, nur zwei Tage später schon 140 Milliarden Mark. Kein Wunder also, dass das Geld in Schubkarren transportiert werden muss. Man bekommt ein beängstigendes Gespür für die Nöte der Menschen und ahnt, warum damals innenpolitisch einiges aus dem Ruder gelaufen ist. Eine unvorstellbare Inflation und ein von den Franzosen besetztes Ruhrgebiet sind (unter anderem) der Nährboden für deutschnationale Verbände, aber auch die Kommunisten versuchen die "Gunst der Stunde" zu nutzen.

Einmal mehr entführt Gunnar Kunz seine Leserschaft gekonnt in die Weimarer Republik, wenngleich der Krimiplot dieses Mal eher enttäuscht. Zum einen kommt die Auflösung etwas arg plötzlich und - selbstredend - gelingt die Auflösung nicht Gregor, sondern Hendrik mit Hilfe des Philosophen Lichtenberg und zum anderen sind die "Unternehmungen" von Diana recht gewöhnungsbedürftig. Sie hat nicht genug zu essen, begibt sich aber für viel Geld auf eine gefährliche Fahrt in das von den Franzosen besetzte Ruhrgebiet. Nennen wir es unrealistisch oder konstruiert, nachvollziehbar - freundlich formuliert - ist ihr Verhalten jedenfalls nicht.

Das ungewöhnliche Privatleben der drei Protagonisten (Diana lebt mit Hendrik zusammen, liebt aber Gregor, während Hendrik ...) entwickelt sich zwar konsequent weiter, nimmt allerdings ein bisschen zu viel Platz in dem rund 200 Seiten dünnen Buch ein. Insgesamt dennoch eine gelungene Fortsetzung dieser lesenswerten Reihe, wenngleich mit den genannten Schwächen.

Inflation!

Inflation!

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