Das Leben Karls des Großen

Erschienen: Januar 1996

Bibliographische Angaben

  • Fischer, 1993, Titel: 'Charlemagne ou la jeunesse du monde', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Mehr als nur eine Geschichtsstunde

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2011

Kurzgefasst:

Eine historische Romanbiographie über Karl den Großen, der im Jahr 800 in Aachen zum Kaiser gekrönt wurde.

 

Kurz bevor der Frankenkönig Pippin der Kurze stirbt, besteht er auf einer Abweichung der bisherigen Gebietsaufteilung im Erbfall, wonach seinen Söhne Karl und Karlmann jeweils Austrien bzw. Neustrien zugestanden hätte. Doch Pippin verfügt in seinem Testament, dass Karl einen wesentlich kleineren Landstrich erhält, der ihn noch dazu zum "Gefangenen" seines Bruders macht. Denn sein Gebiet ist eingezwängt vom Meer und von Karlmanns Ländereien, so dass Karl, will er neue Länder erobern, entweder über das Meer fahren oder seinen Bruder bedrängen muss. Folglich kommt es bereits bei der Testamentseröffnung zu einem erbitterten verbalen Schlagabtausch.

 

 

"Und ich, regiere ich vielleicht?" fragt Karl. "Mein Vater hat mich in seinem Testament weit weg von Rom ins Exil geschickt und zwischen die Ewige Stadt und mich das Königreich meines Bruders gelegt. Ich bin ein gefangener König. Ich habe keinen anderen Verbündeten als mein Schwert."

 

Von diesem "Verbündeten" macht Karl alsbald regen Gebrauch, denn Hunold, Herzog von Aquitanien, verweigert ihm den Treueeid. Karls erste kriegerische Auseinandersetzung endet in einem Triumph. Gierig nach mehr, verstößt er seine Frau Himiltrud und heiratet Ermengard, die Tochter des Langobardenkönigs Desiderius. Nun sitzt Bruder Karlmann in der "Falle", eingekesselt zwischen Karl und Desiderius. Doch Desiderius sieht Karl seinerseits auf weiter Distanz (getrennt eben durch Bruder Karlmann) und startet einen Angriff gegen den Heiligen Stuhl in Rom. Da Karlmann überraschend verstirbt (oder war es ein Attentat?) ist der Weg zu Desiderius für Karl frei. Ermengard, jetzt in erster Linie die Tochter des Feindes, wird kurzerhand ebenfalls verstoßen und Karl eilt Papst Hadrian I. zur Hilfe. Ein weiterer Erfolg naht, doch die großen Siege (sowie das Desaster von Roncesvalles) stehen noch bevor. Allen voran sein Kampf gegen den heidnischen Sachsenkönig Widukind, der bekanntlich mit dessen Taufe und einem riesigen Massaker mit über 4.000 Toten endet.

Die Geschichte nimmt also weiter ihren (bekannten) Lauf und endet mit Karls Krönung zum Kaiser durch Papst Leo III.

Zunächst sieht man in dieser Romanbiografie den berühmten Namen Karls des Großen, und bei dem Gedanken an sein bewegtes und ereignisreiches Leben fragt man sich schon, wie ein Autor dieses auf gerade einmal 250 Seiten erzählen möchte. Hier, und dies gleich vorweg, gelingt Marcel Jullian ein großer Wurf! Denn abgesehen davon, dass der Roman mit Karls Krönung zum Kaiser etwas abrupt endet, obwohl er danach ja noch etliche Jahre lebte, wird Karls Biografie durchaus ansprechend und "umfangreich" wiedergegeben. Jullian erzählt Karls Leben, erklärt die Hintergründe seines Handelns bzw. der damaligen Zeit und lässt dabei nie Langeweile aufkommen. Wer also "in aller Kürze" seine Geschichtskenntnisse zum Thema auffrischen möchte, hat hier ein wahres Juwel vorliegen. Ja, so schön und unterhaltsam kann Geschichte vermittelt werden, wobei allerdings mit Jahreszahlen weitgehend sparsam umgegangen wurde, aber dafür gibt es ja diverse Nachschlagwerke.

250 oder 750 oder 1.450 Seiten?

Wer als Historienromanleser lieber die "dicken Wälzer" bevorzugt, dem sei alternativ das Buch Karl der Große. Der Roman seines Lebens (744 Seiten) von Robert Mielke empfohlen, wobei man vorab denn aber auch - sozusagen der Vollständigkeit halber - Karl Martell. Der erste Karolinger (717 Seiten) vom gleichen Autor lesen sollte.

Der "erste Europäer"

Doch zurück zu Marcel Jullians Werk. Hier geht es mehr um eine lehrreiche Geschichtsstunde, denn um einen historischen Roman mit all seinen genreüblichen Facetten. Karls Waffengefährten, allen voran der später in der europäischen Dichtung berühmt gewordene Roland ("Rolandslied"), werden kaum mit Leben gefüllt und kommen recht eindimensional herüber. Da die Geschichte aber insgesamt recht gut ausbalanciert wird, fällt einem dies überraschenderweise kaum negativ auf. Gleiches gilt für das reichlich mit Pathos untermauerte Vokabular, das der Autor teilweise für die Beschreibung Karls aufbringt und ebenso für die zahlreichen Darstellungen Karls zu seinem Glauben.

Karls Leben wurde zu Lebzeiten von dessen Chronisten und Gefährten Einhard niedergeschrieben. Immer wieder wird daher aus Einhards Werk zitiert ("Einhard vermerkt hierzu...." und ähnlich), was aber den Lesegenuss nicht schmälert und auch den Roman als solchen kaum aus dem (Lese-)Rhythmus bringt.

Wer gerne "dick schmökert", greift besser zu den beiden genannten Alternativen, alle übrigen an deutscher und europäischer Geschichte interessierten Leser greifen hier zu und lernen den "Anführer der westlichen Christenheit", den "ersten Europäer", kennen.

Das Leben Karls des Großen

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