Am Hofe der Löwin

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2011, Titel: 'Am Hofe der Löwin', Originalausgabe

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Birgit Borloni
Spannende Zeit, interessante Herrscher, flache Heldin und eine unnötige Liebesbeziehung

Buch-Rezension von Birgit Borloni Jul 2011

Kurzgefasst:

Südengland, 1127: Die junge Aline flieht vor ihrem grausamen Dienstherrn in den Wald. Dessen Knechte spüren sie bald wieder auf, doch bevor Aline zurückgebracht und schwer bestraft werden kann, wird sie von einer adeligen Dame gerettet: Matilda, Tochter und Thronerbin des englischen Königs Henry I. Aline bleibt fortan an Matildas Seite, zuerst als loyale Dienerin, dann auch als Vertraute. Am Königshof lernt sie den jungen Ethan kennen, und die beiden verlieben sich ineinander. Doch Ethan gehört zum Gefolge von Matildas Rivalen um den Thron, und bald wird das Paar auseinandergerissen in den Wirren eines grausamen Bürgerkrieges...

 

Die junge Aline wird im Jahr 1127 nach dem Tod ihrer Eltern und ihres Bruders nach der Zwangsenteignung in die Leibeigenschaft gezwungen. Eines Tages flieht sie vor ihrem grausamen Dienstherr, wird aber rasch wieder eingeholt. Doch bevor sie zurückgebracht werden kann, wird sie von der englischen Thronerbin, Matilda, gerettet. Fortan begleitet Aline ihre neue Herrin als Leibmagd überall hin und lernt das Hofleben kennen. Dort begegnet sie auch dem Knappen Ethan, der im Dienste Stephens, Matildas Vetters steht, und verliebt sich. Doch der Ausbruch des Bürgerkriegs nach dem Tod Heinrichs I. trennt das junge Paar und so liegen einige Wirren und Schwierigkeiten vor Aline und Ethan.

Langweilige Heldin - spannende Herrscher

Beate Sauer hat sich in ihrem aktuellen Roman einer interessanten Zeit angenommen, die im englischsprachigen Raum auch als "The Anarchy" bekannt ist. Neunzehn Jahre lang bekämpften sich Henrys einziges eheliches Kind, Matilda, und sein Lieblingsneffe Stephen von Blois wegen der englischen Thronfolge. Obwohl Henry I. die Barone seines Landes (darunter auch Stephen!) seiner Tochter die Treue schwören ließ, setzen sie sich nach seinem Tod zum Teil darüber hinweg, da sie nicht von einer Frau regiert werden wollten.

Die Charakterisierung der beiden Widersacher ist gut gelungen, sie haben Ecken und Kanten und sind beileibe keine Gutmenschen. Stephen ist ein richtiger Weiberheld und hält sich selbst für ein Geschenk an die Frauenwelt und genießt gerne das Leben, ohne groß Verantwortung übernehmen zu wollen. Matilda ist launisch, jähzornig und streitsüchtig, zeigt sich aber denen, an denen ihr was liegt, auch immer wieder sehr großzügig.

Die eigentliche Hauptperson Aline flacht dem gegenüber deutlich ab. Sie ist einfach ein liebenswertes, empfindsames, loyales und gutherziges Mädchen, das dank der Unterstützung seiner Herrin in der Heilkunde bewandert ist. Klingt bekannt? Ist es auch, solche Heldinnen bevölkern schon zu Hunderten den historischen Buchmarkt und sind für einen Teil der Leser längst nicht mehr interessant. Lediglich in ihrer Beziehung zu Ethan verhält sie sich teilweise ziemlich "zickig", was zwar amüsant zu lesen ist, aber leider nicht für eine tiefere Charakterisierung ausreicht.

Gekonnte Erzählweise ohne Längen

Der Großteil der Geschichte wird aus der Sicht Alines erzählt, doch sind immer wieder Kapitel eingestreut, in denen es um Ethan geht. Somit erfährt man als Leser Geschehnisse aus beiden Lagern und kann sich ein besseres Bild machen.

Durch eine straffe Erzählweise verhindert Beate Sauer geschickt, das Längen aufkommen, was bei dieser Zeitperiode und vor allem den ungezählten Schlachten leicht hätte passieren können. Oft liegen mehrere Monate oder Jahre zwischen den Kapiteln und dazwischen liegendes wird knapp zusammen gefasst. Da leider nirgends genaue Datumsangaben zu finden sind, irritiert die Zeitsprünge zunächst, auch wenn man sich rasch daran gewöhnt. Trotzdem wären Jahresangaben am Anfang eines Kapitels hilfreich gewesen, um eine schnellere Orientierung zu ermöglichen.

Unnötige und reißerische schriftstellerische Freiheit

Dass sich Autoren historischer Romane immer mal wieder Freiheiten bezüglich Daten, Ereignissen und Persönlichkeiten heraus nehmen ist nicht selten, dramaturgisch oft notwendig und nicht verwerflich. Schließlich sind es Romane und keine Sachbücher. Besonders erfreulich für den Leser, wenn im Nachwort erklärt wird, was und warum etwas verändert wurde.

Unverständlich wird es allerdings, wenn es etwas vollkommen Überflüssiges erfunden wird, obwohl die Geschichte auch so funktioniert hätte. Leider macht die Autorin in diesem Falle genau das, in dem sie Matilda und ihrem Halbbruder Robert of Gloucester eine inzestuöse Liebesbeziehung andichtet (da dies bereits ziemlich am Anfang des Buchs enthüllt wird, ist es kein wirklicher Spoiler). Im Nachwort erklärt die Autorin, dass diese Liebe ihre eigene Erfindung sei und sie Matilda als sehr eigenwilligen Charakter darstellen wolle, der sich zuweilen selbst das Leben schwer mache und den sie deshalb mit dieser "unmöglichen" Liebe geschlagen habe um Konventionen überwinden zu können. Doch leider wirkt diese Beziehung während der Lektüre hauptsächlich reißerisch und sensationsheischend. Dass ein guter historischer Roman auch auf beides verzichten kann, haben genug Autoren bereits unter Beweis gestellt.

Schade, Am Hofe der Löwin hätte ein spannender und fesselnder Roman über eine schwierige und gewaltvolle englische Epoche mit zwei interessanten und faszinierenden Herrscherpersönlichkeiten werden können. Doch die flache Charakterisierung der Hauptperson Aline sowie die völlig unnötige und auch unpassende inzestuöse Liebesgeschichte drücken das Buch mindestens auf Mittelmaß herunter.

 

Am Hofe der Löwin

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Letzte Kommentare:
30.09.2017 17:19:14
Teres

Nun, ein großartige Werk der Weltliteratur ist "Am Hofe der Löwin" nicht geworden, und vermute einmal, dass Beate Sauer keineswegs den Ehrgeiz hatte, dem deutschsprachigen Buchmarkt endlich wieder einmal ein solches Buch zu schreiben. "Am Hofe der Löwin" ist nur ein Liebesroman vor einer historischen Kulisse, nicht mehr, aber auch nicht weniger, und das ist zumindest schon wesentlich mehr, mit dem ich mich am deutschsprachigen Buchmarkt des 21. Jahrhunderts meistens zufrieden geben müsste, weil es halt fast nie etwas Besseres gibt.

Mir hat das Buch gerade wegen der in der Rezension von Frau Borloni beanstandeten "Mängel" gut gefallen.

Die fiktiven Hauptfiguren sind zwar flach, aber sie sind immerhin stark genug, um die erzählte Geschichte tragen zu können. Die Beziehung zwischen Matilda, die auch als Charakter mit Ecken und Kanten überzeugt, und Aline fand ich sehr gelungen. Abgesehen davon, dass sie sich innerhalb der Geschichte erst allmählich, aber durchaus vorstellbar, sind die wechselnden Gefühle Alines für Matilda nachvollziehbar. Sehr schön, dass es Sauer schafft, Aline nicht als eine Frau zu zeigen, die unter Stockholm-Syndrom leidet oder als das arme Hascherl, dass einfach nur dankbar ist.

Dass Matilda im Roman eine unglückliche, da aussichtslose Liebe zu ihrem Halbbruder verbindet, ist zwar eine Erfindung der Autorin, steht aber zumindest nicht gänzlich im Widerspruch zu den überlieferten Fakten.
Sehr gut hat mir auch gefallen, dass Sauer zwar eindeutig auf Seiten Matildas ist, aber bei der Skizzierung des historischen Hintergrunds darauf verzichtet hat, die Gegenseite gänzlich herunterzumachen oder auf die böse Seite zu reduzieren, auch wenn dort die Schurken sind. Eine Reihe von Nebenfiguren sind zwar nur Typen, tragen aber doch dazu bei, dass der Roman letztlich etwas komplexer wirkt, als zu Beginn zu erwarten war, und nicht immer werden nur Klischees bedient.

Da ich inzwischen nicht mehr viel von Nachwörtern halte Besonders erfreulich für den Leser, wenn im Nachwort erklärt wird, was und warum etwas verändert wurde

FAZIT: Leichte, aber dafür sehr unterhaltsame Lektüre, die das bietet, was sie verspricht.