Pfeil der Rache

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Fischer, 2010, Titel: 'Heartstone', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85

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Daniela Loisl
Spannend, ereignisreich und clever, aber auch mit Längen

Buch-Rezension von Daniela Loisl Jul 2011

Kurzgefasst:

Juni 1545: Michael Calfhill war Lehrer bei der Familie Hobbeys und wurde nicht müde, auf das schreiende Unrecht hinzuweisen, das den beiden Mündeln Emma und Hugh widerfuhr. Doch nun ist er tot erhängt. Die Ermittlungen in diesem Fall führen Matthew Shardlake nach Portsmouth, wo die gesamte englische Flotte vor Anker liegt. Gefahr und Angst liegen in der Luft, denn eine Invasion der Franzosen wird befürchtet. Als Shardlake das Geheimnis der Hobbeys zu ergründen versucht, ist auch sein Leben bedroht.

 

Bereits zum fünften Mal sind der Rechtsanwalt Matthew Shardlake und sein Schreiber Jack Barak mit einem schwierigen Fall betraut, der nicht lösbar scheint. Die Königin selbst bittet Shardlake um Hilfe für die ihr treu ergebene alte Magd Bess. Deren Sohn, Michael Calfhill, wurde erhängt in seiner Wohnstatt aufgefunden, und obwohl alles auf Selbstmord hinweist, glaubt die alte Frau, dass etwas Furchtbares hinter dem Tod ihres Sohnes stecken muss.

Shardlake macht sich gemeinsam mit Barak auf den Weg nach Portsmouth um zu recherchieren und will bei der Gelegenheit auch Nachforschungen über die Vergangenheit von Ellen Fettiplace anstellen, die in einem Irrenhaus untergebracht ist, aber einen sehr wachen Verstand hat. Welche Tragweite die beiden Fälle allerdings nach sich ziehen, hätte er sich in seinen schlimmsten Träumen nicht vorzustellen vermocht.

Etwas schleppende erste Hälfte

Sansom lässt seinen Protagonisten berichten und dieser legt seine Geschichte dar, als wäre die Ära der Tudors erst seit gestern vorbei. Matthew Shardlake erzählt und zeigt damit natürlich eine sehr subjektive Sicht der Dinge. Der Leser begleitet Shardlake zur Königin in deren prächtige Gemächer, besucht mit ihm gemeinsam Ellen Fettiplace im Irrenhaus und nimmt, wie er selbst, die bedrückend traurige Atmosphäre wahr, um später mit ihm nach Hause zu kommen und dort noch immer die Trauer über den Verlust von Joan, seiner Haushälterin, die ihm sehr nahe stand, zu spüren.

Im Grunde sind es wieder zwei Fälle, die Sansom diesmal den Anwalt lösen lässt. Als der Autor Shardlake nach dem Auftrag der Königin zu recherchieren beginnt und sich mit seinem Freund und Gehilfen Barak in die Wohnung des verstorbenen Calfhill begibt, scheint Schwung in die Sache zu kommen und man ist gespannt auf die weiteren Geschehnisse. Leider kommen diese aber nur sehr mühselig in Gang.

Gerade in der ersten Hälfte des Buches hat man das Gefühl, auf der Stelle zu treten. So schön und interessant es ist, die Welt der Tudors und die der Bewohner Londons und das Treiben der Zeit kennenzulernen, so erpicht ist man auch darauf, dass nun endlich etwas geschehen möge. Der Leser braucht ziemliches Durchhaltevermögen, wird aber dafür ab gut der Hälfte des Buches mit spannenden Ereignissen entschädigt.

Wunderbares Lokalkolorit

C. J. Sansom ist sehr akribisch in seinen Ausführungen, man lebt in und mit Shardlake, man begleitet ihn überall hin, nimmt teil an dessen Gedanken, lernt seine Sichtweise kennen, nimmt das Umfeld mit seinen Augen wahr und teilt im Grunde stets seine Ausführungen und Schlussfolgerungen. Sansoms Stärke liegt unter anderem in der plastisch farbigen Erzählweise, die dem Leser Bilder vermitteln, als wären sie für den Zeitraum von gut 750 gelesenen Seiten in das 16. Jahrhundert nach England gereist. Nach eigenen Angaben hat Sansom penibel recherchiert und so stellen sich die Szenen auf dem Kriegsschiff "Mary Rose", die für die Schlacht im Solent nach Portsmouth geschickt wurde, ebenso glaubhaft dar wie die Jagd mit den Langbögen oder die Verhandlungen bei Strafsachen. Man fühlt sich involviert in das Geschehen.

Charaktervielfalt

Sansom bietet einen ganzen Kosmos an charakterlich unterschiedlich gefärbten Menschen. So trifft man auf einen vermeintlich überheblich und arrogant wirkenden Jüngling, der nur aus Unsicherheit so agiert, genauso wie auf kalte und berechnende Richter, mitfühlende und weichherzige Frauen, keifende und unzufriedene Ladies oder sehr intelligente oder exzentrische Machtgiere, die nur ihren Vorteil im Sinn haben, aber auch sanfte und verständnisvolle (Ehe-)Männer und hilfsbereite Alte.

Schon der Protagonist, ein buckliger Anwalt, ist keiner der üblichen heldenhaften Hauptfiguren, wie sie sehr häufig in Romanen vorkommen. Gerade dieses Unperfekte des Protagonisten, sein Buckel, ermöglicht dem Autor noch eine ganz andere Bühne zu betreten, denn mit sehr viel Einfühlungsvermögen und hervorragend integriert in die Geschichte, zeigt er, wie viel Borniertheit ein ohnehin schon körperlich gezeichneter Mensch wie Shardlake auch noch von seinen Mitmenschen zu ertragen hat. Auf sehr subtile Weise sind Hohn und Spott mit eingewobenen, die auf die heutige Zeit ebenso zutreffen.

Eine sehr schön erzählte Geschichte, die mit viel Liebe fürs Detail geschrieben wurde. Für einen historischen Roman sind die langen Ausschweifungen geradezu perfekt interessant, vermitteln sie doch eine sehr eindringliche Atmosphäre. Für einen Krimi jedoch würde man sich das Tempo schon viel früher angezogen wünschen, denn der Krimiliebhaber braucht etwas Ausdauer, bis er auf seine (spannenden) Kosten kommt. Dies dafür sehr intelligent und mit überraschenden Wendungen, die das Ausharren belohnen.

 

 

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Letzte Kommentare:
30.08.2014 17:31:20
tassieteufel

Königin Cathrine tritt mit einem besonderen Anliegen an Matthew heran. Der Sohn einer ergebenen Magd hat sich angeblich erhängt, doch seine Mutter und auch die Königin haben erhebliche Zweifel daran, hatte Michael Calfhill doch erst kurz vorher Klage eingereicht um auf das Unrecht von 2 Mündeln hinzuweisen, die bei der Familie Hobbey leben und die ihn als Hauslehrer angestellt hatte. Shardlake macht sich mit seinem Adlatus Barak auf nach Portsmouth, wo die Familie Hobbey lebt. Die Reise kommt ihm gelegen, will er doch auch Nachforschungen im Fall Ellen Fettiplace anstellen, die seit über 16 Jahren in Bedlam untergebracht ist und einst auch in der Nähe von Portsmouth lebte. Doch die Hafenstadt befindet sich in Aufruhr, da die feindliche Flotte der Franzosen erwartet wird, mit denen sich England im Krieg befindet. Doch nicht nur die drohende Invasion erschwert Matthews Ermittlungen, auch beide Fälle nehmen mit zunehmenden Nachforschungen an Brisanz zu und für Matthew wird es mal wieder richtig gefährlich.

Matthew Shardlakes inzwischen 5. Fall führt den Leser erneut in die Tudorzeit, diesmal hat der Autor den Seekrieg mit Frankreich als Hintergrund gewählt und dieses sehr spannende Setting liefert einen wirklich grandiosen historischen Hintergrund für Matthews Ermittlungen. Die Geschehnisse rund um den Seekrieg hat der Autor wie von ihm nicht anders gewohnt wunderbar recherchiert, beschrieben und in Szene gesetzt und ebenso gelungen ist die Verknüpfung mit den anwaltlichen Ermittlungen die Shardlake mitten hinein in die Kampfhandlungen führen.
Doch bevor sowohl Matthew als auch der Leser in die dramatischen Vorgänge in Portsmouth verwickelt werden, bekommt man zunächst einen Einblick, was seit dem Vorgänger „Buch des Teufels“ passiert ist. 2 Jahre sind seither vergangen und im Leben der Hauptprotagonisten ist einiges geschehen. Matthews Haushalt ist durch den Tod seiner langjährigen Haushälterin aus den Fugen geraten, Guys Haus wurde von Vandalen verwüstet und er wohnt vorübergehend bei Matthew und Barak ist es gelungen, Tamasin wieder für sich zu gewinnen, die Beiden wohnen in einem kleinen Häuschen und erwarten wieder ein Baby.
Wie man es aus den anderen Büchern kennt, löst Matthew auch hier wieder 2 Fälle gleichzeitig. Neben den Ermittlungen für die Königin möchte der Anwalt nun endlich in Erfahrung bringen, was Ellen Fettiplace vor 16 Jahren widerfahren ist und wer für ihren Aufenthalt in Bedlam zahlt. Daher kommt ihm die Reise nach Portsmouth gelegen, kann er doch so auch in Ellens Fall recherchieren. Die Krimifälle bzw. die Ermittlungen dazu kommen zunächst nur schleppend in Gang, die Reise nach Süden an die Küste ist ein wenig lang geraten, dafür brilliert der Autor wieder mit einer detailreichen, farbenfrohen und opulenten Schilderung der damaligen Zeit. Die Gemächer der Königin im Palast, die Irrenanstalt Bedlam, und auch die bescheidenen Unterkünfte von Matthew oder Barak erstehen dabei vor den Augen des Lesers. Atmosphärisch dicht schildert der Autor die aufgeheizte Situation in London, die Truppenzüge an die Küste, ebenso wie die bedrückende Lage auf dem Landsitz der Hobbeys oder die brodelnde Stimmung in Portsmouth. Hier wird man als Leser für den etwas gemächlichen Start des Buches entschädigt und kann tief in die Tudorzeit eintauchen.
Die Geheimnisse, die es diesmal zu entwirren gibt, sind reichlich verworren, viele Zusammenhänge werden verschleiert und Matthew, der sich wie ein Terrier in beide Fälle verbeißt, kann und will nicht locker lassen und bringt sich dabei wieder einmal in höchste Gefahr. Ganz witzig fand ich diesmal die vertauschten Rollen, sonst ist ja Barak immer eher der Draufgänger der keine gefährliche Situation ausläßt, doch der will diesmal nur zu seiner Tamasin nach Hause und seine Loyalität zu Matthew wird auf eine harte Probe gestellt.
Überhaupt sind die Charaktere sehr glaubwürdig geschildert und gerade bei Matthew und Barak kann man eine überzeugende und für ihre Zeit stimmige Entwicklung mit verfolgen.
Im letzten Drittel zieht die Spannung ungemein an, es kommt zu dramatischen Entwicklungen in Portsmouth und beide Krimifälle werden entwirrt und aufgelöst. Matthew muß erkennen, dass er in einigen Dingen komplett daneben lag und so bekommt der Leser einige überraschende Wendungen geboten. Trotzdem kann ein aufmerksamer Leser diesmal das ein oder andere Detail erahnen ohne das einem das die Spannung oder das Lesevergnügen nimmt.

FaziT: ein atmosphärisch dichter, hervorragend recherchierter und erzählter historischer Krimi, der wie alle Bände der Reihe pure Lesefreude beschert!

01.01.2014 22:28:34
murmeltier

Obwohl ich mit diesem Buch in der Mitte der Reihe über den Anwalt Matthew Shardlake angefangen habe ist es mir nicht schwer gefallen, mich in das Leben des Protagonisten hinein zu finden. Besonders fasziniert hat mich das Geschick des Autors, den Leser in das Leben in England Mitte des sechzehnten Jahrhunderts hinein zu versetzen. Egal ob Familienleben, Alltag bei Hofe oder mitten im Kriegsgetümmel, es würde einen nicht wundern, sollte - wenn man aus dem Buch aufsieht - ein Pfeil vorbei fliegen oder vor der Tür statt des Autos eine Kutsche stehen, so sehr versinkt man in diese Welt.
Die Geschichte und der Krimimalfall sind äußerst spannend und die Charaktere wunderbar dargestellt. Wer an englischer Geschichte interessiert ist findet hier einen sehr gut recherchierten Handlungsrahmen!
Ich habe mir jetzt den ersten Band der Reihe besorgt und werde das Wirken Shardlakes von Anfang an nachlesen!

12.10.2011 12:51:40
€nigma

Dieses Buch ist der fünfte Band der Serie um den buckeligen Anwalt Matthew Shardlake.
In diesem Band geht es im Gegensatz zu den früheren Fällen Shardlakes nicht um politische Verwicklungen, auch wenn die politische und wirtschaftliche Lage Englands einen wichtigen Raum einnehmen. Heinrich VIII hat die Bürger durch immer höhere Steuern ausgeblutet, um seinen Krieg mit Frankreich zu finanzieren, sodass die einfachen Menschen Not leiden. Die Männer werden mit teilweise recht rabiaten Mitteln zum Kriegsdienst eingezogen, da man einen Angriff der französischen Kriegsflotte erwartet.
Matthew Shardlake wird von der alten Witwe Calfhill angeheuert, deren Sohn unter merkwürdigen Umständen ums Leben kam, nachdem er skandalöse Verhältnisse in der Familie eines seiner ehemaligen Schüler aufgedeckt hatte. Michael Calfhill war seinerzeit der Hauslehrer von Hugh und Emma Curteys. Als deren Eltern der Pest erlagen, kaufte die Familie Hobbey, wie es damals gang und gäbe war, die Vormundschaft über die beiden Kinder und erhielt damit Zugang zu deren reichem Erbe (Ländereien) und das Recht, die Kinder nach ihrem Gutdünken zu verheiraten. Emma ist inzwischen an den Pocken verstorben, aber ihr Bruder Hugh lebt immer noch bei der Familie Hobbey, wo er nach Aussage Michael Calfhills gravierendem Unrecht ausgesetzt sei. Shardlake und Jack Barak begeben sich nach Sussex, um die Familie, in der offenbar alle etwas zu verbergen haben, in Augenschein zu nehmen.
Shardlake nutzt außerdem die Reise an die Südküste, um mehr über das Schicksal von Ellen Fettiplace herauszufinden. Der Leser kennt Ellen bereits aus dem vierten Band "Revelation". Sie lebt seit 19 Jahren in der Irrenanstalt Bedlam, obwohl sie niemals vom Gericht als geisteskrank dort eingewiesen wurde. Warum weigert sie sich beharrlich, auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen? Wer zahlt für ihre Unterbringung und warum? Shardlake ist immer noch wie ein Terrier, wenn er sich in einen Fall verbissen hat und scheut auch nicht die Konfrontation mit mächtigen Persönlichkeiten, selbst wenn er sich damit in Lebensgefahr bringt. Seine Ermittlungen führen ihn auch nach Portsmouth und auf das Lieblingsschiff Heinrichs VII, die Mary Rose, ein wahrhaft gefährlicher Aufenthaltsort....Glücklicherweise genießt er die Protektion von Queen Catherine (Catherine Parr).

Das von C.J.Sansom gezeichnete Bild der Situation Englands im Jahre 1545 ist sehr authentisch, die Informationen über die missliche Lage der Soldaten auf den in Portsmouth liegenden Kriegsschiffen sind gründlich recherchiert. Das Buch ist in sechs Teile gegliedert, jeder Teil spielt an dem Ort, an dem sich Shardlake und Barak gerade aufhalten. Zu Beginn dieser Teile findet der Leser eine Landkarte, die es ermöglicht, den Wegen der Protagonisten zu folgen. Auch ein Nachwort ist ist im Buch enthalten.
Mir haben alle Bänder der Shardlake-Serie gefallen, aber dieser ist für mich persönlich der beste. Die gleichzeitge Ermittlung in zwei Fällen in Verbindung mit dem Rückblick auf die Geschehnisse zwei Jahrzehnte zuvor sorgen für Abwechslung und interessante Unterhaltung. Ich hoffe, dass es noch weitere Romane über Shardlake geben wird.

16.08.2011 22:02:18
anath

Das Buch ist anfangs etwas weitschweifig, die eigentliche Handlung kommt nur langsam in Gang. Viele Nebenstränge , die erst einmal für sich stehen, letztendlich aber zusammenlaufen und jeder für sich wichtig für das verständnis des geschehens. Überblättern ist also nicht ! Wer den Fall (oder vielmehr : die Fälle, denn es sind wieder mal zwei !) lösen will, braucht die Fakten. Entschädigend dafür wirkt sich wie immer Sansoms Erzählweise aus. Die Detailtreue ist faszinierend und führt vom bürgerlichen Haushalt in die Gemächer der Königin, in ein Irrenhaus, in vermodernde Archive und natürlich über die bunten Straßen Londons. Auch wer nicht unbedingt einen Krimi lesen will sondern sich einfach nur für das Alltgsleben in dieser Zeit interessiert kommt voll auf seine Kosten. Sansom schildert lebendige Charaktere, fängt für uns die bedrohliche Stimmung vor der möglichern Invasion durch die Franzosen ein. Wie auch in seinen früheren Büchern kann er diese Stimmung direkt an den Leser weiter geben.
Deutlich wird auch, mit welchem fragwürdigen Rechtsverständnis damalige Juristen agierten, für uns Heutige kaum nachvollziehbar.
Nachdem die Handlung aber einmal Fahrt aufgenommen hat wird es nicht nur einfach interessant sondern regelrecht packend - was nicht zuletzt auch daran liegt, daß wir heute wissen, wie die Sache mit der Invasion und auch mit der "Mary Rose" ausgegangen ist. Es gelang mir diesmal übrigens nicht, den "Hauptfall" vor Shardlake zu lösen. Den "Nebenfall" hatte ich dann doch ein paar Seiten eher raus als diese liebenswerte Londoner Nervensäge.

10.08.2011 14:41:41
Harald Krafthöfer

Da das Wetter zur Zeit geradezu das Lesen fördert konnte ich den neusten Roman von Christopher Sansom ganz locker an einem Wochenende bewältigen. Ich bin immer wieder angenehm berührt wie es dem Autor gelingt die Atmosphäre der Zeit zu erschaffen. Die Liebe zu den Details führt gezwungenermaßen, wie von manchen Lesern kritisch geäußert, an manchen Stellen zu etwas ausführlicherem Aufbau der Szenen. Darauf sollte man sich aber einlassen und den Bildern die in der Fantasie entstehen die Zeit geben die sie brauchen um zu wirken. Die Schilderung der Gegebenheiten lässt sich meiner Meinung nach nicht in unser heute gültiges Tempo zwingen. Die mehrtägige Reise zu Pferd von London an die Südküste ist ein gutes Beispiel dafür. Die Geschichte selbst beschreibt zwei Handlungsstränge die gekonnt miteinander verwoben sind und sich erwartungsgemäß erst zum Ende hin auflösen. Die handelnden Figuren sind mittlerweile bekannt so das der Leser einen hohes Wiedererkennungsgefühl hat. Trotzdem muss man nicht die vorausgegangenen Bücher kennen um das Buch zu genießen. Da der Zeitrahmen der Handlung am Ende der Regierungszeit König Heinrich VIII einsetzt und auch schon Elizabeth eingeführt wurde, denke ich wird sich die weitere Roman-Geschichte in diese Richtung entwickeln. Das lässt auf spannende Fortsetzungen hoffen. Das Buch hat mir sehr gut gefallen.

26.07.2011 13:34:30
M-L

Das ja wieder sehr spannend, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Matthew Shardlake und Barack werden an die Küste beordert und geraten in den Sog der drohenden Invasion durch Frankreich. Shardlake verbeisst sich in den Fall und lernt, dass er nicht nur die Gerechtigkeit unterstützen sondern auch die Konsequenzen bedenken sollte. Herr Sansom schreibt wieder sehr anschaulich, seine Figuren haben Ecken und Kanten und wirken so lebendig. Er verbindet wieder viel Historie mit einem spannenden kriminalfall, obwohl mir der Schlüssel schon sehr früh klar war, Es war trotzdem lesenswert. Ich kann es nur empfehlen.