Die Brücke über die Drina

Erschienen: Januar 1953

Bibliographische Angaben

  • Zsolnay, 1945, Titel: 'Na Drini cuprija', Originalausgabe

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Almut Oetjen
Beziehungen zwischen Christen und Muslimen

Buch-Rezension von Almut Oetjen Jul 2011

Kurzgefasst:

Um die steinerne Brücke über die Drina, jenen Fluss auf dem Balkan, der inmitten Europas Bosnien von Serbien, aber auch Okzident und Orient trennt, kreist das Geschehen in der Stadt Višegrad. In langjähriger harter Fronarbeit schlagen die Menschen im 16. Jahrhundert die elfbogige weiße Brücke über den reißenden Fluss. Seine Krönung findet das Bauwerk in einer weit ausholenden, im Scheitelpunkt gelegenen Terrasse, die rasch zum Mittelpunkt des Lebens und Treibens in Stadt und Region wird.

Als ruhender Pol geleitet die Brücke den Leser durch Glanz und Verfall des Osmanischen Reiches, die österreichische Besatzung und den serbischen Freiheitsdrang bis zum Anbruch jener neuen, modernen Zeit, die der Brücke das Ende bringen sollte - 1914. Gleich nach Beginn des Ersten Weltkriegs sprengen österreichische Pioniere beim Rückzug vor den Serben den Mittelpfeiler in die Luft.

 

Mitte des 16. Jahrhunderts lässt Mehmed Pascha Sokolovic vom Baumeister Tosun Effendi eine Brücke über den Fluss Drina bauen. Während der Bauzeit gibt es zwei Hauptbeauftragte: den grausamen und korrupten Menschenschinder Abidaga und, als dieser abgelöst wird, den moderaten Arifbeg. In der Folgezeit bis 1914 ist die Brücke mit ihrer Umgebung ein Mikrokosmos, in dem die Welt sich spiegelt. Christentum und Islam existieren hier unter sich verändernden Bedingungen.

Die Brücke über die Drina trägt den Untertitel "Eine Chronik aus Višegrad", besteht aus 24 Kapiteln und erzählt von einer Kleinstadt und einer Brücke eine Abfolge von Geschichten, die sich von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ereignen. Zu Beginn wird die Region Višegrad beschrieben. Wir erfahren, unter welch erschwerten Bedingungen sich das Leben der durch Armut geprägten Menschen gestaltete, als es noch keine Brücke gab. Mit dem Bau entstehen auch verschiedene Legenden um die Entstehung der Brücke. Als Einzelepisode den größten Umfang nimmt während der Bauphase die grausame Pfählung eines Bauern ein, die als Anlass genommen wird, einiges über das Menschsein zu vermitteln.

Die Brücke spielt eine zentrale Rolle im Leben der Bewohner Višegrads. Sie verbindet zwei Ufer und zwei Kulturen und Religionen miteinander. Da sie ein Verkehrsknotenpunkt ist, findet auf ihr und um sie herum auch ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens statt.

Nach einem Sprung von mehr als hundert Jahren verändert sich das Gesicht der Region mit wachsender Geschwindigkeit, während gleichzeitig in Abständen von zwanzig bis dreißig Jahren auftretende Hochwasser immer wieder Rückschritte erzeugen und das Leben der Generationen auf ähnliche Weise strukturieren.

Die Brücke über die Drina ist ein Roman ohne lebendige Hauptfigur oder ein durchgehendes Figurenensemble. Jede historische Episode der Chronik hat ihr eigenes Personal, gruppiert um das vereinende Motiv der Brücke. Diese kann als ein Bild für das Bestehen unter wechselnden Bedingungen bis hin zu Katastrophen gesehen werden. Sie überdauert die Generationen und wird so zur stillen Zeugin der Kontinuität und des Wandels von Kulturen über mehrere Jahrhunderte.

Die Menschen leben und richten sich ein in wechselnden Systemen der Repression, der Brutalität und des Raubes, bis, wie es in Kapitel 14 zusammengefasst wird, diese Systeme abgelöst werden durch einen Staat, der mit seiner Verwaltung Steuern und Abgaben aus dem Volk presst.

Die Figuren sind weder abstrakt, noch bleiben sie blass. Im Gegenteil, sie finden schnell Zugang in das Innere der Leser. Am Ende stehen wir nicht erschöpft vor einem unübersichtlichen Personalbestand, sondern haben eine umfangreiche Porträtsammlung durchschritten, die dazugehörigen Geschichten gehört, und können nun über jeden dieser Porträtierten Anekdoten erzählen. Episoden aus Alltag, Politik, Geschichte und gesellschaftlicher Entwicklung werden mit Mythen und Legenden verwoben zu einem Text von großer sprachlicher Schönheit.

 

Die Brücke über die Drina

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Letzte Kommentare:
20.05.2015 14:47:49
Steffen Löbel

Das Buch spannt einen Bogen über die Jahrhunderte bis zum Beginn des ersten Weltkriegs, geschrieben hat es Ivo Andric während des zweiten Weltkrieges und gelesen habe ich es erstmals 1992 während des Bosnien-Krieges. Irgendwie habe ich danach verstanden (und auch wieder nicht), warum diese Region nicht zur Ruhe kommt. Ivo Andric, ein glühender Verfechter der jugoslawischen Idee, beschreibt eigentlich, warum diese Idee scheitern musste. "Das wird kein gutes Ende nehmen", hat der Alihodscha schließlich gesagt, und leider sollte er recht behalten. Und dieses "schlechte Ende" (im Buch das Jahr 1915) könnte man bis in die Gegenwart fortsetzen. Was aber ewig bleiben und alle Zerstörungen überdauern wird, ist ein Roman über eine Stadt, eine Region und ihre so verschiedenen Menschen.