Sherlock Holmes und der Club des Höllenfeuers

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • kbv, 2010, Titel: 'Sherlock Holmes und der Club des Höllenfeuers', Originalausgabe

Couch-Wertung:

70
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Jörg Kijanski
Sherlock in Florenz zum Zweiten

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jul 2011

Kurzgefasst:

Sherlock Holmes verlängert überraschenderweise seinen Aufenthalt in Florenz, da er den Auftrag erhalten hat, den Einbruch im Hause eines Kunstsammlers aufzuklären. Der Täter, der die überaus wertvollen Renaissancegemälde verschmäht hat, hat versucht, das riesige Gruppenporträt des zeitgenössischen Malers Adriano Benetti aus Livorno zu entwenden, auf dem fünf Mitglieder eines esoterischen Clubs namens Nuovo Circolo del Fuoco d'Inferno dargestellt sind.

Was als ein wenig spektakulärer Routinefall begann, erhält eine ganz neue Brisanz, als der Künstler Adriano Benetti tödlich verunglückt, bevor Holmes mit ihm sprechen kann. Der englische Meisterdetektiv bezweifelt, dass Benetti wirklich einem Unfall zum Opfer gefallen ist, zumal der Maler ein Verhältnis mit Lady Epperstone hatte, der Witwe von Sir Epperstone, dem Auftraggeber des ominösen Gruppenbilds.

Holmes findet, erneut unterstützt von seinem eifrigen Gehilfen, dem Buchhändler David Tristram, heraus, dass die meisten der auf dem Porträt dargestellten Personen finstere Geheimnisse zu verbergen haben.

 

Florenz, Juni 1891: David Tristram ist mehr als überrascht, als ihm seine Haushälterin den Besuch von Mister Baker Radcliffe ankündigt, denn eigentlich wollte der englische Meisterdetektiv Sherlock Holmes längst nach Indien abgereist sein. Da sich seine Abreise um ein paar Tage verzögert, lebt er weiterhin unter Pseudonym in der Stadt und hat bereits einen neuen Fall erhalten, bei dessen Aufklärung er Tristrams Hilfe wünscht. Bei dem Kunstkritiker Harold Percy Wilson wurde ein eingebrochen. Doch nicht die wertvollen Gemälde interessierten den Einbrecher, sondern ein eher wertloses Porträtgemälde des Malers Adriano Benetti. Dieses gab Sir Rupert Epperstone in Auftrag und zeigt fünf Mitglieder des "Nuovo Circolo del Fuoco d'Inferno", kurz des Hell Fire Club, einer esoterischen Gruppierung die ihre Mitglieder aus der englischen Gemeinde von Florenz gewinnt. Der Diebstahl konnte abgewendet werden, doch Holmes möchte natürlich wissen, wer dahinter steckt und will daher zunächst den Maler befragen. Holmes und Tristram kommen allerdings zu spät, denn als sie Kirche aufsuchen, in der sich Benetti mit Restaurierungsarbeiten beschäftigte, liegt dieser bereits im örtlichen Krankenhaus. Er stürzte von seinem Gerüst und starb an seinen Verletzungen.

Holmes und Tristram bleibt nichts anderes übrig als die fünf auf dem Gemälde dargestellten Personen aufzusuchen und zu befragen. Dabei stellt sich heraus, dass diese allesamt ein wenig seltsam und geheimnisvoll sind. Beispielsweise der exzentrische Sir Epperstone, dessen Frau erst vor rund einem halben Jahr bei einem Segelausflug tödlich verunglückte. Angeblich heirateten die beiden, weil sie das Geld und er den Adelstitel hatte. Auch verstummen die Gerüchte nicht, dass Lady Epperstone ein Verhältnis mit Benetti gehabt haben soll. Wilson selbst wirkt ebenfalls nicht ganz geheuer, ebenso wie Elisabeth Dowland und Lady Rutherford, die von Zeit zu Zeit die Séancen des Clubs maßgeblich gestalten. Die fünfte Person, die auf dem Porträt verewigt wurde, ist kein Geringerer als der zwielichtige Kunsthändler Mortimer Hopper, der Holmes in seinem letzten Fall beauftragte und ihm bis heute dessen Honorar schuldet ...

Überraschende Auflösung

Bereits zum zweiten Mal ermittelt Baker Radcliffe alias Sherlock Holmes in Florenz gemeinsam mit dem englischen Buchhändler David Tristram. Zwar hatte man sich schon verabschiedet, da Holmes eigentlich nach Indien fahren wollte, aber der dortige Monsumregen verzögert die Abfahrt. So findet Sherlock Holmes und die Büste der Primavera eine zeitnahe "Fortsetzung", bei der es ein Wiedersehen mit mehreren Nebenfiguren gibt. Dass der dubiose Mortimer Hopper erneut mit von der Partie ist, lässt allerdings nichts Gutes erwarten. Der Plot ist ein klassischer Whodunit, wobei es Holmes gleich mit mehreren Sachverhalten zu tun hat. Der vermeintliche Diebstahl eines eher wertlosen Gemäldes will aufgeklärt werden, ebenso der Tod des Malers Benetti und der Unfall (?) der Lady Epperstone. Wie derartige Fälle ablaufen ist Holmes-Fans natürlich von Anfang an klar. Viel Verwirrung, einige Verdächtige, immer wieder glanzvolle Darbietungen von Holmes Genie bei gleichzeitiger Demütigung des recht einfältigen Tristrams und am Ende eine Auflösung, die man zu keinem Zeitpunkt anhand der Handlung (vollständig) hätte erahnen können.

 

 

"Das haben Sie doch nicht aus den Staubresten auf dem Küchenboden geschlossen?"

"Man kann aus einem einzigen Staubkorn die Existenz der Sahara folgern!"

 

Wie das Original so die Fälschung, ist man boshafter Weise geneigt zu sagen, doch macht Franziska Franke ihre Aufgabe erneut gut, wenngleich man die Toten bekanntlich ja in Frieden ruhen lassen soll. Aber Sherlock Holmes ist natürlich nicht irgendwer und wer weiß schon so genau, ob er an den Reichbachfällen tatsächlich starb oder nicht eben doch nach Italien flüchtete, um sich vor seinem alten Widersacher Dr. Moriarty zu verstecken?

Interessant ist, dass neben den beiden Romanen von Franziska Franke auch zwei Holmes-Romane von Wolfgang Schüler (S.H. in Leipzig und S.H. in Berlin) erschienen sind. Beide "Serien" sind im KBV-Verlag erschienen und haben auffallend ähnliche Buchcover. Dennoch gibt es zwei grundlegende Unterschiede, denn neben den verschiedenen Handlungsorten spielen bei Schüler auch Dr. Watson und Holmes Bruder Mycroft mit und sind in dieser Hinsicht ein Stück näher am Original. Sei's drum, beide "Reihen" erfüllen bisher die Sehnsucht der Holmes-Fans nach weiteren Abenteuern ihres eigenwilligen Helden.

 

 

..."oder was haben Sie angenommen?"

"Ich nehme nie etwas an", entgegnete Holmes. "Ich sammle Fakten und ziehe anschließend meine Schlüsse daraus."

 

Nur Mister Tristram sollte im Falle eines weiteren Romans nicht mehr ganz so (geistig) minderbemittelt auftreten. Hier hat es die Autorin ein wenig übertrieben. Und wenn dann noch ein paar unnötige Schreibfehler (teilweise fehlen einzelne Worte) entfallen, spricht einem weiteren Lesevergnügen nichts entgegen.

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