Madame Hemingway

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2011, Titel: 'The Paris Wife', Originalausgabe

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92

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Rita Dell'Agnese
Ein bestechendes Portrait der ersten Frau von Ernest Hemingway

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jul 2011

Kurzgefasst:

Chicago 1920: Hadley Richardson hat die Liebe und das Glück bereits aufgegeben, als sie Ernest Hemingway trifft und sofort von seinem guten Aussehen, seiner Gefühlstiefe und seiner Kunst, mit Worten zu verführen, angezogen wird. Die beiden heiraten und gehen nach Paris, wo sie Teil einer schillernden Gruppe Amerikaner werden, unter ihnen Gertrude Stein, Ezra Pound und die Fitzgeralds. Doch im Paris der goldenen 20er - fiebrig, glamourös, verwegen - lassen sich Familie und Treue kaum aufrechterhalten. Während Hadley, inzwischen Mutter, mit Eifersucht und Selbstzweifeln ringt und Ernests literarische Arbeit allmählich Früchte trägt, wird das Paar mit einer Enttäuschung konfrontiert, die das Ende all dessen bedeutet, was es gemeinsam erträumt hatte.

 

Für Hadley Richardson verändert sich die Welt, als sie 1920 in Chicago dem blutjungen und ambitionierten Journalist und Schriftsteller Ernest Hemingway begegnet. Obwohl um sieben Jahre älter als der 21-jährige Hemingway, ist Hadley nicht nur unerfahren, was die körperliche Liebe betrifft, sondern auch verhältnismäßig naiv. Gegen den Rat ihrer Freundin nimmt Hadley Hemingways Heiratsantrag an und zieht mit ihm nach Paris, wo sich die beiden mit wenigen Mitteln durchschlagen müssen. Bald schon bewegen sie sich in Kreisen, zu denen auch Größen wie Gertrude Stein, Ezra Pound oder F. Scott Fitzgerald und dessen Frau Zelda zählen. Kompromisslos lebt die Gesellschaft ihre nach dem Ersten Weltkrieg neu gewonnene Freiheit aus - ebenso kompromisslos verfolgt auch Ernest Hemingway seine Ziele. Ziele, die er unter anderem dank Hadleys Bereitschaft, zurückzustecken, erreichen kann. Als sich erste Erfolge einstellen, tauchen in Hemingways Leben plötzlich andere Frauen auf.

Direkt involviert

Paula McLain erzählt Hadleys Geschichte in Ich-Form. Dadurch lässt sie die Leser sehr direkt am Geschehen teilhaben. Mit viel Feingefühl versetzt sich die Autorin in die Lage der jungen Amerikanerin, die in Paris nicht nur mit bescheidenen Mitteln klar kommen muss, sondern auch mit Heimweh und dem Gefühl, im Leben von Ernest Hemingway erst an zweiter Stelle zu kommen. Dennoch legt Hadley einigen Pragmatismus an den Tag, so dass ihre Geschichte zwar bewegend, aber nicht düster oder von depressiven Gedanken durchdrungen ist. Allerdings lässt sich durch die gewählte Form der Erzählung nicht vermeiden, die Ereignisse aus Sicht Hadleys zu betrachten, die zwar über die Zeit der Ehe hinaus eine besondere Verbindung zu Hemingway hat, jedoch zunehmend unter dem kalten Egoismus des Schriftstellers leidet. Was aber nicht bedeutet, dass sich der Leser mit dem Selbstmitleid einer verlassenen Frau konfrontiert sieht.

Lebenshunger dargestellt

Es gelingt der Autorin ausgesprochen gut, die Strömungen der 20er Jahre aufzufangen und sie in Worte zu packen. Nicht nur, dass sie mit einem schmissig-flüssigen Schreibstil aufwarten kann, Paula McLain vermag es auch, den Lebenshunger der damaligen Gesellschaft zu spiegeln. Ein Lebenshunger, der sich innerhalb weniger Jahre in eine übersteigerte Dekadenz auswächst, wie Hadley feststellt, ohne dabei den Moralfinger zu heben. Immerhin ist sie - wenn auch in einzelnen Bereichen nur am Rande - Teil dieser ausufernden Fröhlichkeit.

Intensiver noch als das Portrait der Gesellschaft fällt die Schilderung aus, wie Hemingway Hadley nutzt, um seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Er verhindert mit egoistischen Ansichten, dass sich Hadley zu einer unabhängigen Persönlichkeit zu entwickeln vermag, kokettiert aber genau mit jenen Frauen, die sich von der Gesellschaft emanzipiert haben und ihren eigenen Weg gehen. Auf diese Weise versucht der Schriftsteller, sich einen vertrauten Rückzugsort zu schaffen - nämlich das gemeinsame Leben mit Hadley - und gleichzeitig den mondänen Lebenshunger zusammen mit anderen Frauen auszuleben. Die sehr fein aufgebaute Darstellung der sich auseinander entwickelnden Partnerschaft der beiden Protagonisten steht für eine typische Beziehungsgeschichte des vergangenen Jahrhunderts.

Keine Biographie

Obwohl der Leser zum Schluss des Buches überzeugt ist, ein guter Freund Hadleys zu sein und an ihrem Schicksal direkt teilzuhaben, handelt es sich bei Madame Hemingway nicht etwa um eine Biographie, sondern um einen Roman. Denn vieles, was Paula McLain schreibt, ist fiktiv, wenngleich die Autorin auf viele Recherchen aufzubauen vermag.

Der Roman erfüllt letztlich alle Voraussetzungen für großes Kopfkino, das weitgehend ohne opulente Bilder auskommt, dafür aber bestechend scharfe Bilder zu liefern vermag. Dass der Schriftsteller Ernest Hemingway bei diesem Buch aber nicht zu einem Sympathieträger wird, liegt auf der Hand.

Sehr schön ergänzt ist das Buch durch eine Chronik mit allen relevanten Daten sowie durch ein aussagekräftiges Interview mit der Autorin. Zudem findet sich eine Erklärung zum Quell-Material. Nett anzusehen ist der Plan von Paris, der die inneren Buchdeckel ziert - doch stellt man sich hier unvermittelt die Frage, was dieser Plan ausdrücken will. Wer sich in Paris nicht ohnehin gut auskennt, wird mit diesem Plan wenig anfangen können.

Madame Hemingway

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Letzte Kommentare:
09.04.2015 10:48:48
Literaturschaf

Hadley Richardson war Ernest Hemingways erste Frau und diejenige, mit der er seine Zeit in Paris als aufstrebender junger Schriftsteller verbrachte. Paula McLain erzählt die Geschichte ihrer Liebe, ihrer Ehe und ihrem Scheitern aus Hadleys Perspektive.

Ich dachte, ich würde dieses Buch lieben. Ich hatte nur positive Rezensionen gelesen, ich mag Hemingway, ich finde das Paris der 20er Jahre faszinierend und trotzdem bin ich mit diesem Buch einfach nicht warm geworden. Es fängt schon damit an, dass Paula McLain Hadley zur Ich-Erzählerin macht. Diese Frau hat wirklich gelebt und ist keine fiktive Romanfigur, da stört es mich einfach, wenn eine Autorin ihr Gedanken und Gefühle zuschreibt, von denen sie nichts wissen kann.

Das Schlimmste aber war, dass ich große Teile der Geschichte schon kannte, weil ich Hemingways Romane und Kurzgeschichten aus dieser Zeit gelesen habe, in denen er seine eigenen Erlebnisse verarbeitet. Viele Passagen des Buches waren für mich also nur Wiederholungen, sozusagen ein billiger Abklatsch, denn egal wie gut Paula McLain schreibt, an Hemingway kommt sie dabei nicht heran. Auch mit der Geschwindigkeit des Romans war ich nicht zufrieden, Kleinigkeiten werden ausführlich beschrieben, dann gibt es wieder große Zeitsprünge, die in wenigen Sätzen abgehandelt werden.

Das Paris der 20er Jahre, dieses goldene Zeitalter, in dem die Stadt voller Künstler war, spielt im Buch leider eine sehr geringe Rolle. Das mag daran liegen, dass Hadley nicht so sehr am gesellschaftlichen Leben teilnahm wie ihr Mann und als Ehefrau des Schriftstellers auch eher mit den Frauen der anderen Künstler Kontakt hatte. Schade ist das aber trotzdem, ein bisschen 20er-Jahre-Glamour hätte ich mir schon gewünscht.

Erst am Ende, wenn Hemingway und Hadley auf das unausweichliche Scheitern ihrer Ehe zusteuern, hat das Buch mich gefesselt. Diese sehr gefühlvollen Passagen haben mich berührt und mit Hadley fühlen lassen. Für eine gute Bewertung reicht das aber nicht, zu wenig hat mir das Buch vorher gefallen.

Meine Empfehlung: Lest die Geschichte aus erster Hand, also von Hemingway selbst. "Fiesta" und "Paris – Ein Fest fürs Leben" sind sehr viel lesenswerter als "Madame Hemingway".