Der Gesang der Sehnsucht

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2011, Titel: 'Der Gesang der Sehnsucht', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Mehr Hintergrund als erwartet

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jul 2011

Kurzgefasst:

Azurblaue Adria, wolkenloser Himmel und Champagner in Strömen - 1929 wird ein Traum für Theresa wahr: Italien! Im Grand Hotel von Rimini, dort, wo Hochadel und Industrielle absteigen, wird sie den Sommer verleben. Sie verdankt diese Reise ihrem Chef, der mit seinen technischen Erfindungen auchin Italien Geschäfte machen möchte. Die junge Berlinerin genießt den Aufenthalt- vor allem, weil sie ungehindert ihrer Passion nachgehen kann: als Sängerin, begleitet am Klavier, aufzutreten. Als sie sich in einen geheimnisvollen Marchese verliebt, scheint ihr Glück vollkommen. Wären da nicht ein Verlobter in Berlin, der auf ihre Rückkehr drängt, und der Diebstahl ihrer Unterlagen. Sollte ihre neue Liebe am Ende Industriespionage betrieben und sie nur benutzt haben?

 

Theresa arbeitet als rechte Hand für den Unternehmer Heinrich von Bodmer in Berlin, der mit seiner technischen Erfindung in Sachen Radio Geschäfte machen möchte. Er schickt Theresa mit seinen beiden erwachsenen Kindern in ein nobles Hotel nach Rimini. Während sich Elvira und Frido ein paar unbeschwerte Tage an der Adria machen sollen, hat Theresa die Aufgabe, Bodmers Erfindung in Italien zu verkaufen. Doch da werden ihr wichtige Unterlagen gestohlen. Theresa fürchtet, der geheimnisvolle und smarte Marchese, den sie kennen gelernt hat, könnte sich als Industriespion entpuppen. Immerhin scheint der Marchese ihr etwas zu verheimlichen.

Überraschend gehaltvoll

Weder der Klappentext noch der Einstieg in den Roman lassen vermuten, dass man hier ein interessantes Stück Geschichte in Händen hält. Denn zunächst einmal macht der Roman den Anschein, einfach nur nette Unterhaltung mit viel Liebe und ein wenig Kriminalistik zu bieten. Spätestens beim Reitausflug der drei jungen Deutschen mit dem ungarischen Lebemann Gábor kommt die starke Seite des Romans zum Tragen: die Schilderung der politischen Verhältnisse in Italien kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Wer genau hinsieht, wird hier in feinen Tönen geschildert bekommen, wie sich die italienische Gesellschaft nach und nach Mussolini zuwendet. Sehr überzeugend führt Cristina Camera in den aufstrebenden Faschismus ein und stellt auch die Ignoranz der wohlhabenden Bevölkerung in einen Kontext zur politischen Entwicklung. Hier präsentiert die Autorin eine feinfühlige Beobachtung, die mehr als einmal Unbehagen weckt, sind doch die Parallelen zur Entwicklung des Nationalsozialismus in Deutschland augenfällig. Sehr gut gelungen ist ihr dabei die Diskrepanz zwischen dem Lebenshunger der Bevölkerung und der auf einen neuen Krieg zusteuernden Politik.

Nicht ganz ausgereift

Bedeutend weniger gehaltvoll ist der Roman, was die Protagonisten anbelangt. Hier ist es vor allem der Unterschied zwischen Theresa, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten muss, und den beiden Bodmer-Erben Elvira und Frido, der gut gelungen ist. Leider bleibt die Heldin des Romans, Theresa, bis zum Schluss ein eher graues Mäuschen und mag sich nicht so recht vom Image der braven Angestellten, der von allen unrecht getan wird, lösen. So bleibt Theresa unspektakulär und uninteressant - ebenso, wie ihre Schwärmerei für den Marchese eher peinlich berührt. Theresas zweite Identität Tessa - eine Sängerin, die auch mal gewagte Lieder zum Besten gibt - mag sich nicht so richtig in das Geschehen einfügen und es bleibt ein Geheimnis, weshalb die Autorin diesen Aspekt eingebaut hat. Bereichernd ist es nicht, allenfalls erklärend - dafür, dass Theresa sich nach einem anderen Leben als dasjenige einer kleinen Angestellten sehnt. Diese Interpretation ist allerdings bereits höchst gewagt.

Unterhaltende Lektüre

Die Diskrepanz zwischen dem empathisch aufgebauten Eindruck des sich ausbreitenden Faschismus und der banalen Lebensgeschichte der Protagonisten sowie ihren Liebschaften hinterlässt eine gewisse Ratlosigkeit. Einerseits hält man einen zwar unterhaltenden doch höchst banalen Roman in den Händen, wenn es um die zwischenmenschlichen Beziehungsgeschichten geht. Andererseits bekommt man einen Eindruck davon, wie sich ein schreckliches Kapitel der europäischen Geschichte angekündigt hat und welchen Einfluss geschickte Demagogen nahmen. Erzählt wird in einer leichtfüßigen Sprache, die aber leider etwas dazu verleitet, die tieferen Hintergründe des Romans zu überlesen.

Wer zu Der Gesang der Sehnsucht greift, um einen Roman mit fundiertem historischen Hintergrund zu lesen, muss in der Lage sein, die Oberflächlichkeiten der Protagonisten auszublenden und sich auf die geschichtlichen Passagen zu konzentrieren. Ansonsten dürfte eine Enttäuschung nicht ausbleiben. Wer hingegen einfach nur unterhalten werden will, findet hier den klassischen Mainstream in solider Ausführung.

 

Der Gesang der Sehnsucht

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