Die Sündenburg

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Blanvalet, 2011, Titel: 'Die Sündenburg', Originalausgabe

Couch-Wertung:

90
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Rita Dell'Agnese
Es gibt immer verschiedene Wahrheiten

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jul 2011

Kurzgefasst:

Anno Domini 912, am Oberrhein. Der alte Graf Agapet wird in der Burgpfalz hinterrücks ermordet. Kurz darauf heiratet seine Witwe, Gräfin Claire, erneut. Claires Tochter Elicia will den Tod ihres Vaters nicht ungesühnt lassen und stellt Ermittlungen an. Hatte ihre Mutter schon seit Längerem eine Liebesaffäre? Hat sie ihren Gatten ermorden lassen, ihn womöglich selbst getötet? Von Tag zu Tag werden Elicia ihre Mutter und ihr neuer Stiefvater immer verdächtiger...

 

Wer hat den alten Grafen Agapet ermordet? Seine Tochter Elicia ist überzeugt, dass es ihre Mutter Claire war, die nur kurz nach dem Tod des Grafen ihren Geliebten Aistulf heiratete. Claire hingegen tut alles, um die Ungarin Kara, eine Sklavin, die mit dem Toten im Bad gefunden wurde, als Mörderin hinrichten zu lassen. Licht ins Ganze bringen soll der Vikar Malvin von Birnau aus Konstanz, der mit der Untersuchung des Falles betraut ist. Bei seinen Ermittlungen stößt der Vikar auf einige Ungereimtheiten und gerät immer tiefer in den Strudel der Ereignisse, der die beteiligten Personen erfasst hat. Undurchsichtig bleibt auch die Rolle der stummen Magd Bilhildis, die ihre eigenen Interessen verfolgt.

Ungewöhnlicher Aufbau

Autor Eric Walz greift für diesen Roman auf einen höchst ungewöhnlichen Aufbau zurück. Er wählt als Erzählweise die Ich-Form - und das gleich fünf Mal. Denn jede der Hauptpersonen bekommt eine eigene Stimme und kann damit die Geschichte aus ihrer eigenen Sicht erzählen. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen den Geschehnissen. Denn jede Person hat eine ganz andere Perspektive und letztlich auch jeweils ein eigenes Interesse an der Entwicklung der Dinge. Optisch sehr gut gelöst ist die sich verändernde Perspektive eine höchst reizvolle Komponente. Die Ich-Erzählweise - in historischen Romanen sonst eher verpönt - bringt hier eine wohlschmeckende Würze ins Geschehen.

Durch die Erzählstruktur gelingt es Eric Walz auch, die handelnden Personen in ihren Charakteren dezidiert auszuarbeiten. Der Einblick in die Gedankenwelt jedes Einzelnen macht es leicht, die Beweggründe für ein bestimmtes Handeln nachzuvollziehen und sich in die Person hinein zu versetzen. Dies, ohne dass jeder der fünf Charaktere wirklich sympathisch sein oder dessen Handlung goutiert werden muss.

Letztlich ist es auch der gelungene Aufbau, der die Spannung darüber, wer denn nun den Grafen tatsächlich ermordet hat, fast bis zum Ende hoch halten kann. Damit bekommt das Krimi-Element eine angenehme Note und trägt zum positiven Gesamteindruck einiges bei.

Krieg oder Brot

Ausgezeichnet versteht es der Autor, die unterschiedlichen Vorstellungen der Regenten darzustellen. Während sich Aistulf als neuer Graf um seine Bauern sorgt, die Hunger leiden und durch ein furchtbares Hochwasser geschädigt wurden, will sein Schwiegersohn Baldur (Elicias Ehemann) als Befehlsführer der Truppen auf Kriegszug gehen. Dieser Interessenskonflikt macht deutlich, unter welchen Zwängen die kleineren Herrscher standen, die ihrem König Gefolgschaft gelobt hatten. Und es ist ein fein strukturiertes Bild davon, wie die ständige Kriegsführung der Könige und Kaiser nicht nur den untergebenen Adel forderte, sondern ganze Landstriche ausblutete und am Hungertuch nagen ließ. Denn die rekrutierten Soldaten fehlten als Hilfskräfte auf den Feldern.

Aber auch das Leben auf der Burg kommt bei den Schilderungen von Eric Walz nicht zu kurz. In die Gedanken der Protagonisten eingestreut erklärt der Autor die Zusammenhänge auf eine leichtfüßige Weise und macht einerseits den Alltag sichtbar, andererseits zeigt er auch die für heutiges Verständnis skurrilen Beerdigungsriten auf. Alleine schon dafür lohnt es sich, sich vertieft mit dem Roman Die Sündenburg auseinander zu setzen.

Sorgfältig gestaltet

Bei diesem Roman haben Autor und Verlag Hand in Hand gearbeitet. Die Namen der unterschiedlichen Erzähler werden typographisch voneinander abgesetzt, ebenso die Verhörprotokolle von Malvin von Birnau. Weniger überzeugend ist das Cover, bei dem leider zu viele Zugeständnisse an den herrschenden Trend gemacht wurden, wobei immerhin darauf verzichtet worden ist, einen kopflosen Frauentorso aus einem alten Gemälde abzubilden.

Hier wird ein attraktiver historischer Roman vorgelegt, der von einer hohen Präsenz der Protagonisten lebt und viel Hintergrund bietet.

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