Die geheime Mission des Nostradamus

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • List, 1999, Titel: 'The master of all desires', Originalausgabe

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Jkk Jkk
Viel Verwirrung um wenig Historie

Buch-Rezension von Jkk Jkk Jul 2006

Der deutsche Buchtitel von Judith Merkle-Rileys Roman Die geheime Mission des Nostradamus klingt zwar verheißungsvoll, doch schon die ersten Kapitel sorgen für reichlich Verwirrung. Da sprechen die Königin von Frankreich, die Herzogin von Valentinois, eine junge Adelige, die von Poesie und Liebe träumt und ein verwirrter Nostradamus.

Im Paris des 16. Jahrhunderts glaubt die junge Sibille, durch einen unglücklichen Zufall ihren Verlobten getötet zu haben und begegnet auf der Flucht zur ihrer Tante Pauline dem großen Michel von Nostradamus. Dieser versucht mit Horoskopen das Schicksal der königlichen Familie zu ändern und damit das von Frankreich. Sibille gelangt an eine Schatulle, in der sich ein sprechender, tausend Jahre alter Kopf befindet, der jedem, der ihm in die Augen blickt, einen Wunsch erfüllt. Allerdings für den Preis seiner Seele.

Doch das ist sowohl Katharina von Medici, Königin von Frankreich, als auch Diana von Poitiers, Herzogin von Valentinois und Mätresse des Königs, egal, denn beide versuchen an den sagenumwobenen Kopf zu gelangen.

Falsche Erwartungen

Dass der Buchtitel nicht das hält, was er verspricht, ist leider nicht zuletzt dem geschuldet, dass der Verleger eine wirklich unpassende Übersetzung des Originaltitels Master of all Desires ("Herr aller Wünsche") für diesen Roman gewählt hat. Denn Die geheime Mission des Nostradamus schürt nur Erwartungen, die nicht erfüllt werden können. Zumal Nostradamus nur eine Nebenfigur ist. Allerdings macht ein Titel allein noch lange kein gutes oder schlechtes Buch, denn auch wenn dieser hier den Inhalt nicht trifft, so macht es Judith Merkle-Riley dem Leser richtig schwer und treibt ihn in die Verzweifelung.

Beinahe in jedem neuen Kapitel spricht ein neuer Ich-Erzähler. Nicht selten braucht man einige Seiten um herauszufiltern, wer genau nun spricht. Das macht keinen Spaß. Und so gelingt nie ein wirkliches Eintauchen in die Geschichte oder sich auf die Figuren einzulassen und eine Verbindung aufzubauen. Darunter leidet auch die Charakterisierung der Hauptfiguren. Lediglich die junge Sibille vermag der Leser wirklich wahrzunehmen, denn hier gelingt es Merkle-Riley, das Bild einer naiven und leicht verträumten jungen Frau zu zeichnen, die zunehmend selbstsicherer wird. Doch das reicht nicht aus, um dem Leser zu fesseln, vor allem wenn all die anderen Figuren scheinbar nur Platzhalter sind.

Spannungsloser Schauplatzwechsel

Zu oft wird der Schauplatz gewechselt und tauchen neue Figuren auf. Zu viele nebensächliche Handlungsstränge werden ungeschickt miteinander verbunden. Da kann man schon mal den Überblick darüber verlieren, was wirklich wichtig ist.
Der Schreibstil von Merkle-Riley ist durchaus ansprechend zu lesen und hat auch eine schöne Klangfarbe, aber die Geschichte ist so stark konstruiert und absurd, dass einfach keinerlei Spannung aufkommen will. Glaubhaft wird sie dadurch erst recht nicht. Hätte sich die Autorin auf ein paar wenige Figuren beschränkt, wäre mehr Raum für deren Beschreibung und deren Gefühlswelt vorhanden gewesen. Wie sagt man so schön: "Im Detail liegt der Teufel begraben", und das trifft den Nagel auf den Kopf in Bezug auf die vielen auftretenden Personen.

Freunde des historischen Romans kommen hier leider auch nicht auf ihre Kosten, denn der historische Rahmen wird nur dürftig bedient. Nur an den Tagebucheintragungen des Nostradamus lässt sich das Jahr datieren, in dem die Geschichte spielt. Nur leider ist nicht erkennbar, ob diese sich auf eine historische Quelle stützen oder völlig frei erfunden sind. Denn abgesehen von diesen wenigen Datierungen beschreibt die Autorin die Zeit in der Geschichte spielt nicht. Keine Anspielungen auf historische Ereignisse, Beschreibungen der Gesellschaft oder Architektur verraten, in welchem Jahrzehnt und Jahrhundert der geneigte Leser gerade wandelt. Und das ist eben das, was einen guten historischen Roman ausmacht, denn mit viel Liebe zum Detail kann ein Autor das Tor in eine fremde Welt zu einer vergangenen Zeit öffnen. Merkle-Riley fehlt es an dieser Stelle leider an Detailverliebtheit und auch an Fantasie. So ist ihr Roman mehr reine Fiktion als historischer Roman, sehr fantasievoll, aber dafür auch sehr verwirrend.

Wem Katharina von Medici oder Heinrich II. von Frankreich nichts sagt, wird es schwer haben, sich in die politische Gegebenheit der Zeit hineinzudenken und einen Blick ins 16. Jahrhundert zu erhaschen. Und so bleibt als Fazit leider, dass man sich letztlich über die verschwendete Zeit ärgert, sich diesem Buch gewidmet zu haben.

Die geheime Mission des Nostradamus

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Letzte Kommentare:
13.09.2015 19:51:54
Karin

Ja, ich gebe gerne zu, daß andere Romane sich stärker historisch orientieren, daß oft reichlich sprunghaft zwischen den Charakteren hin- und hergesprungen wird, und die Geschichte an sich natürlich ziemlich schräg ist.
Jedoch weiß ich jetzt auch wieder, warum ich vor vielen Jahren die anderen Bücher von JMR so toll fand.
Meinen Humor spricht es definitiv an, und ich konnte mich reichlich amüsieren über die skurilen Gestalten, und daß scheinbar ausweglose, missliche Situationen durch einen vergnüglichen Dreh wieder ins Reine kommen. In anderen Büchern werden die Protagonisten ja oft endlos geschunden und gedemütigt, bevor es zu einer Lösung kommt.
Dieses Buch ist tatsächlich einfach nur vergnüglich und völlig geeignet für einen gemütlichen Regentag auf der Couch.