Die Kaffeemeisterin

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Diana, 2011, Titel: 'Die Kaffeemeisterin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

84
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Rita Dell'Agnese
Kaffeeduft zieht durch den Roman

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mai 2011

Kurzgefasst:

Frankfurt 1729. Nach dem Tod ihres Mannes gelingt es Johanna mit Mut, Einfallsreichtum und der Hilfe des jüdischen Musikers Gabriel, das Kaffeehaus der Familie zum besten der Stadt zu machen. Bis eine üble Intrige sie aus Frankfurt vertreibt. Über Venedig flieht sie nach Konstantinopel, wo sie zur Kaffeemeisterin des Sultans aufsteigt. Doch nie kann Johanna die Heimat vergessen - und auch nicht ihre geheime Liebe zu Gabriel ...

Am Sterbebett verspricht Johanna Berger ihrem Mann, sein Kaffeehaus allein weiterzuführen. Schon bald wird ihr Etablissement zu einem der ersten Häuser der Stadt. Allerdings ist der »Türkentrank« nicht wenigen Frankfurtern ein Dorn im Auge. Besonders der Apfelweinwirt Gottfried Hoffmann hat es auf Johanna abgesehen. Als er und seine Schergen die Coffeemühle stürmen, entgeht Gabriel Stern, den Johanna heimlich liebt, nur knapp dem Tod. Johanna flieht nach Venedig, zu Freunden ins berühmte Caffè Florian, um von dort aus weiter nach Konstantinopel zu ziehen. In der faszinierend fremdartigen Metropole lernt sie alles über die Kunst der Kaffeezubereitung. Doch obwohl man ihr anbietet, die Kaffeemeisterin des Sultans zu werden, reift in ihr ein Entschluss: Sie will sich ihr Frankfurter Kaffeehaus - und Gabriel, den Mann, den sie liebt - zurückerobern.

 

Johanna Berger hat es nicht leicht. Seit ihr Ehemann Adam gestorben ist, muss sie die Coffeemühle in Frankfurt alleine betreiben. Doch es gibt einen Widersacher: Gottfried Hoffmann, verheiratet mit Johannas Freundin Elisabeth, versucht alles, um Johanna zu schaden. Denn diese hatte Elisabeth einst davor gewarnt, den gewalttätigen Gottfried zu heiraten. Als nach einem Überfall die Coffeemühle vor dem Aus steht, macht sich Johanna auf die Reise nach Venedig, um bei einem Freund von Adam Hilfe zu finden. Für Johanna wird dies eine Reise in exotische Welten.

Stimmung gut aufgefangen

Das Autorenpaar Helena Marten setzt im zweiten Roman auf eine Protagonistin, die nicht mehr ganz so jung und auch keine unglaubliche Schönheit ist. Damit wird Johanna zu einer Heldin aus dem Volk - und kommt dadurch den Lesern sehr nahe. Die Ängste der Witwe, die sich durch all die Aufgaben leicht überfordert fühlt und ihren Mann vermisst, kommen gut zum Ausdruck. Ausgezeichnet eingefangen haben die Autorinnen auch die Stimmung in der Coffeemühle. Sie zeichnen ein Bild, das man nicht nur vor sich sieht, sondern streckenweise auch zu riechen glaubt. Denn in den farbenfrohen Schilderungen steckt eine große Erzählkraft.

Etwas zu phantastisch

Der Bogen wird jedoch dort leicht überspannt, wo es um die exotischen Reisen der Frankfurter Kaffee-Wirtin geht. Hier ist nicht nur die Umgebung exotisch, auch die Erzählung gerät auf eine etwas zu phantastische Ebene. Doch tut das dem Lesegenuss trotz allem kaum Abbruch. Denn erzählt wird die Geschichte mit mehreren gut platzierten Spannungsbögen, die immer wieder auch ganz ungewohnte Perspektiven zulassen. So wird das Thema Kaffee von verschiedensten Seiten beleuchtet und kommt sehr gut zur Geltung. Die Autorinnen verstehen es auch, sich dort zurück zu halten, wo es zu einer erschlagenden Fülle werden könnte. So bleibt der Kaffee über den ganzen Roman hinweg ein Genuss, ohne dass er irgendwann schal oder bitter schmecken würde.

Gut ausgearbeitete Charaktere

Viel Mühe haben sich die Autorinnen bei der Ausgestaltung ihrer Charaktere gegeben. Ob nun die verhuschte Nachbarin Elisabeths, der leicht skurrile Kartenmacher oder der musikbegeisterte Jude: Alle Protagonisten haben mehrere Facetten und machen im Zusammenspiel miteinander eine lebendige Gesellschaft aus. Leider gibt es bei Johanna ein paar Ausreißer, stellenweise ist sie etwas zu taff. Nicht ganz überzeugend ist der zeitliche Ablauf. Angesiedelt ist die Handlung im Frankfurt von 1729. Reisen war eine beschwerliche Sache, und doch schafft es Johanna, innerhalb eines Jahres mehrere Destinationen bis in den Orient zu erreichen, und teilweise Monate an einem Ort zu verbringen. In diesen Monaten lernt sie mehrere Sprachen. Dies lässt sie als Überfrau erscheinen, was angesichts der realistischen und sehr gut gelungenen Darstellung der übrigen Passagen etwas schade ist.

Man leidet mit

Wer einmal von der Geschichte gepackt worden ist, vermag sich ihr kaum mehr zu entziehen. So leidet der Leser mit, wenn Johanna vor einem Scherbenhaufen steht und sieht mit Wut und einer gewissen Atemlosigkeit zu, wie es Gottfried immer wieder gelingt, der Witwe zu schaden. In diesen Passagen stimmen Erzähltempo, Bilder und Handlung perfekt überein. Auch der zweite Erzählstrang um den jungen Juden Gabriel Stern ist in sich stimmig und bringt sehr viel Atmosphäre rüber.

Die Kaffeemeisterin ist ein solider historischer Roman, der mit einigen hervorragenden Szenen aufwarten kann. Dafür nimmt man auch in Kauf, dass rund um die Figur von Johanna einige Situationen gibt, die dann doch zu unglaubwürdig sind. Auf jeden Fall wird - nicht nur den Kaffetrinkern - die richtige Mischung serviert, die für ein intensives Geschmackserlebnis steht.

Die Kaffeemeisterin

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