Jenseits von Feuerland

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2011, Titel: 'Jenseits von Feuerland', Originalausgabe

Couch-Wertung:

82
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Rita Dell'Agnese
Eine Frau kämpft sich durch

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mai 2011

Kurzgefasst:

Punta Arenas, die südlichste Stadt der Welt. Hier kämpfen zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, um ihre Zukunft und ihre Freiheit - und um die Liebe: Emilia ist die Tochter von deutschen Auswanderern und flieht von zu Hause, nachdem sie ein dunkles, beschämendes Familiengeheimnis enthüllt hat. Die zurückhaltende Rita dagegen hat nur einen Wunsch: Sie will von den Chilenen als Weiße anerkannt werden, denn sie ist die Tochter einer Weißen und eines Mapuche und wird als Mischling brutal verfolgt. Im sturmgepeitschten Patagonien entscheidet sich das Schicksal der beiden Frauen...

 

In wenigen Tagen soll Emilias Traum in Erfüllung gehen: Die Hochzeit mit ihrem Jugendfreund Manuel. Doch da kommt eine Wahrheit zutage, die Emilias bis dahin heile Welt in sich zusammen stürzen lässt. Emilia flieht aus der Deutschen Siedlung in Chile nach Punta Arenas, der südlichsten Stadt der Welt. Hier lässt sie sich zusammen mit ihrer Begleiterin Rita nieder, einer junge Mapuche-Frau, die seit dem blutrünstigen Überfall auf ihr Dorf völlig verstört ist. Der Starrsinn Emilias und ihre Bereitschaft, anzupacken, scheinen sich bald auszuzahlen: Emilia und Rita können sich in dieser Stadt eine neue Existenz aufbauen. Als jedoch der schmierige Esteban Ayarza in der Stadt auftaucht, ist es mit dem eben erst gefundenen Frieden vorbei. Der brutale Mann lässt keine Gelegenheit aus, die beiden Frauen mit seiner Zerstörungswut zu drangsalieren. Zusammen mit dem Sadisten Jeronimo macht sich Esteban auf, die Existenz Emilias und Ritas zu zertrümmern. Und im auslaufenden 19. Jahrhundert, am Ende der Welt, haben die beiden Frauen keine Chance darauf, vor einem Gericht Gehör zu finden.

Zwischen Hoffnung und Resignation

Sehr schön zeichnet Autorin Carla Federico den Lebensweg der beiden jungen Frauen auf. Emilia, die bis kurz vor der erhofften Heirat in einem zwar arbeitsintensiven, aber geborgenen Umfeld aufwächst, sieht sich plötzlich auf sich alleine gestellt. Da kann es nicht ausbleiben, dass sie zunächst einige Fehler macht. Dennoch kommt ihr ihre Erziehung zugute: Sie schafft es, sich hochzurappeln und eine Existenz aufzubauen. Ganz anders Rita. Das Mapuche-Mädchen ist seit dem Überfall auf ihr Dorf traumatisiert und kommt über längere Zeit auch nicht richtig in die Gänge. Zwar passt das Bild der konzeptlosen und eingeschüchterten Rita ganz gut in den Plot, dennoch wirkt die passive Haltung des Mädchens immer wieder verstörend und entfacht eher Ärger auf Rita denn Mitleid mit ihr. Carla Federico zeigt die beiden Protagonisten bewusst in einem völlig unterschiedlichen Licht. Ganz sachte streut sie dabei die Erklärungen für das jeweilige Verhalten der Frauen ein. Damit kann Carla Federico zwar nicht verhindern, dass Rita lange Zeit als schwache und gar leicht destruktive Persönlichkeit wahrgenommen wird, sie lässt aber genügend Raum, damit sich Rita schließlich doch noch entwickeln kann.

Verknüpfung mit Deutschland

Im zweiten Teil ihrer Chile-Saga lässt Carla Federico auch die deutschen Wurzeln Emilias zutage treten. In der Gestalt des jungen Apothekers Arthur Hoffmann, der einer unglücklichen Ehe entfliehen und sich in Chile als Geschäftsmann einen Namen machen will, tritt ausgerechnet ein Deutscher in Emilias Leben. Sie hat immer davon geträumt, einst in die Heimat ihrer Vorfahren zu reisen. Geschickt flicht die Autorin einen in Deutschland spielenden Erzählstrang in die Geschichte ein und gibt dem Chile-Roman auf diese Weise eine ungewohnte Wendung. Nicht nur die Auseinandersetzung mit der neuen Heimat sondern auch jene mit der alten Heimat spielt in der Geschichte eine nicht unwesentliche Rolle.

Viele dramatische Gefühle

Gekonnt beschwört Carla Federico höchst dramatische Gefühle herauf. Die Geschichte lebt davon ebenso wie von mehreren unerwarteten Wendungen und hervorragend umgesetzten Beschreibungen des Lebens in Chile. Leider bleiben die Figuren dabei aber etwas auf der Strecke: Die willensstarke Emilia und die verhuschte Rita sind zwar verhältnismäßig facettenreich beschrieben, doch die restlichen Charaktere lassen sich mühelos ins Schwarz-Weiß-Schema einreihen. Das ist schade, denn dass die Autorin ausgezeichnet erzählen kann, stellt sie durchaus unter Beweis.

Sehr angenehm ist, dass auch Leser, die Carla Federicos Auftakt zur Chile-Saga Im Land der Feuerblume nicht kennen, problemlos in die Geschichte eintauchen können und nie das Gefühl haben müssen, irgendwo den Anschluss verpasst zu haben.

Grundsätzlich ist Jenseits von Feuerland ein Roman für all jene, die - von Fernweh gepackt - etwas über andere Welten erfahren möchten. Die Geschichte hält von allem etwas bereit: Gefühl, Abenteuerlust und Spannung. Zudem ist mit Patagonien eine zwar nicht exotische, aber faszinierende Welt beschrieben.

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