Mann im Schatten

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • , 2010, Titel: 'Mann im Schatten', Originalausgabe

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Daniela Loisl
Thomas Mann ist der Mann im Schatten

Buch-Rezension von Daniela Loisl Mai 2011

Kurzgefasst:

Januar 1911: Münster ist die letzte Station einer ausgedehnten Lesereise Thomas Manns, die ihn zuvor durch das Rheinland und das Ruhrgebiet geführt hat. Das Echo auf die vorangegangenen Auftritte ist nicht eben glänzend. Auch in der westfälischen Provinzialhauptstadt reagiert man verhalten.
Der Erfolg der Buddenbrooks liegt zehn Jahre zurück, der Zauberberg und der Doktor Faustus sind noch lange nicht geschrieben. Der Schriftsteller befindet sich in einer Sinn- und Schaffenskrise.
Am Vormittag nach seiner Lesung im Realgymnasium am Syndikatsplatz bietet ein Spaziergang mit Ordinarius Otto Seeck von der Universität Münster ihm Gelegenheit, über seine Situation nachzudenken.

 

Im Januar 1911 ist Thomas Mann unterwegs auf Lesereise. Er liest aus "Königliche Hoheit", aber die Resonanz des Publikums ist verhalten und die Reaktionen der Presse nicht gerade schmeichelhaft. Als er nach einer Lesung einen Spaziergang mit Ordinarius Otto Speck macht, hat er Zeit, über alles nachzudenken...

Titel - eindeutig zweideutig

Hat man nur Titel und Autor des Romans, so kann man auf den Inhalt nichts ableiten und schon gar nicht auf die Relevanz schließen. Matthias Engels hat sich aber sehr wohl etwas dabei gedacht, denn er gewährt dem Leser einen Blick in Thomas Manns Innerstes. Thomas Mann, Sohn eines Kaufmanns und Senators in Lübeck, jüngerer Bruder des Schriftstellers Heinrich Mann und selbst Nobelpreisträger von 1929 für seinen Roman Buddenbrooks, wird in diesem Buch von einer Seite beleuchtet die zwar interessant, aber auch sehr gewagt ist.

Mann im Schatten, mehr ein Essay als ein Roman, umfasst eine relativ kurze Zeitspanne, und zwar die Lesereise 1911, die Mann durch das Rheinland und das Ruhrgebiet führt und bei der er in Münster bei einem Spaziergang mit Otto Speck Vergangenes Revue passieren lässt. Mann liest aus seinem letzten Buch "Königliche Hoheit", aber es gelingt ihm nicht, das Publikum in die Geschichte mitzunehmen und auch die Kritiken sind ernüchternd.

Typisch Mann - lange Schachtelsätze

Matthias Engels setzt den Leser in Thomas Manns Kopf, und so erlebt er aus seiner Sicht und mit seinen Empfindungen diese Lesereise. Eine logische Konsequenz, dass alles im Präsens gehalten ist, begleitet man Mann doch auf seinem Spaziergang. Engels hat sich bemüht, seinen Protagonisten auch in "seiner Sprache" denken zu lassen, was alles andere als einfach ist. Wer Manns Bücher kennt, weiß um seine Vorliebe für ellenlange Schachtelsätze mit oft sehr feinen und subtilen Pointen. Der Autor hat nicht den Fehler gemacht, Manns Stil unbedingt kopieren zu wollen, sondern hat sich lediglich bemüht, die Gedanken seinem Stil anzulehnen.

Im Sprachgestus der damaligen Zeit verfolgt der Leser nun das - leider vergebliche - Bemühen Manns, die Zuhörer der Lesungen mit Mimik und passenden Betonungen zu begeistern, die Reaktionen der Leute zu analysieren und auch so manches aus der Vergangenheit nochmals aufzurollen. Manns Bemühungen, den Leser doch noch zu gewinnen, registriert natürlich auch die Presse, und Engels hat diese Reaktionen durch Zitate aus damaligen Berichten unterstrichen. Generell hat Engels versucht, möglichst nahe am damaligen wirklichen Geschehen zu bleiben, wenngleich natürlich Manns Gedankenwanderung seiner Phantasie entsprungen ist.

Das Buch, gerade mal 180 Seiten dick, hat aber eigentlich nur ca. 100 "echte" Seiten, da alles in Großdruck gehalten ist. Dennoch ist dieses Büchlein eine kleine sprachliche und erzählerische Perle, ein Exkurs in die Welt eines großen Literaten, der mit seinen Werken die Leserschaft heute noch zu verzaubern mag.

 

Mann im Schatten

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Letzte Kommentare:
17.09.2014 12:05:44
ein schreiber

Matthias Engels wagt sich da an etwas heran. Er offenbart einen Mann, einen Thomas Mann, den man nach Werken wie Buddenbrooks und Zauberberg nicht erwarten würde oder gar erwarten möchte. Wer will sich schon diesen Meister entzaubern lassen?
Aber diese Frage stellt sich hier gar nicht. Engels entzaubert nicht, sondern zeigt viel mehr eine weitere, eine mögliche Zauberhaftigkeit des Autors. Viel zu leicht reduziert man Künstler auf ihre großen Werke, schmückt die Menschen hinten den Werken aus, idealisiert sie zu omnipotenten Wortkünstlern, die endlos aus ihrem Wortmeer schöpfen können, zu jeder Zeit, an jedem Ort zauberhafte Werke schaffen, man stellt sie sich vor, mit den besonderen Augen, lyrischen Lippen und den poetisch-glänzenden Haaren und dann - :"Man sagte mir kürzlich, nicht ohne gewisse Enttäuschung, nach, mit meinem Äußeren gar nicht dichterisch-phantastisch zu wirken." (S. 114 f.) - verkennt man sie. Thomas Mann in heutiger Zeit einmal als "ein dünnes, feines Seelchen"(S. 8) betrachten zu dürfen, das ebenso mit dem eigenen Schaffen zu ringen scheint, mit Schreibhemmungen, kleinen, heimlichen Lebenskrisen, ist ein Geschenk, das Engels seinem Leser macht. Dabei fühlt er sich ganz in diesen großen Schriftsteller ein, zeigt Feinfühligkeit und Empathie. Bemerkenswert dabei ist die Wahl des Erzählers: nämlich Thomas Mann selbst ist es, der sich dem Leser anvertraut. Ich hätte bei diesem Wagnis wirklich keinen Ich-Erzähler erwartet, vor allem nicht IHN, gänzlich intern fokalisiert. Ich hätte einen schützenden Abstand des Autors erwartet, denn so weit zu gehen, sich in eine Person einzuleben, die von vielen verehrt wird, die zu den großen Klassikern der deutschen Literatur zählt, erfordert nicht nur Kompetenz, sondern vor allem Mut, wie ich finde. Wenn diese Sicht in Manns Innenwelt auch nur eine Möglichkeit darstellt, so richtet sie sich, wie Engels selbst im Nachwort darlegt, nach realen Thematiken und erscheinen dabei vollkommen schlüssig. An keiner Stelle erscheint das Buch gekünstelt, die Sprache dabei immer angenehm authentisch. Engels verliert sich nicht im Dahinschwelgen, auch nicht im Heraufbeschwören von großen Momenten in Münster. Es bleibt einfach pur. Und dadurch rücken der Mann im Schatten und der Leser ganz nah zusammen und machen sich "'auf den Weg. Aus dem Schatten zum Licht.'" (S. 183)

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