Die Schlacht

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • Suhrkamp, 1997, Titel: 'La Bataille', Originalausgabe

Couch-Wertung:

100

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:90
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":1,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Almut Oetjen
Wiener Blut - Der Irrsinn des Krieges

Buch-Rezension von Almut Oetjen Apr 2011

Kurzgefasst:

Die Schlacht von Aspern und Eßling, zwischen Franzosen und Österreichern, vor den Toren Wiens 1809 gilt als das erste große Blutbad des modernen Krieges, als ein Gemetzel ohne Sieger und Besiegte, ohne Ruhm und Illusionen: In dreißig Stunden wurden 40.000 Soldaten getötet, 11.000 verwundet. Dokumentarisch fundiert erzählt Rambaud aus wechselnden Perspektiven, aus der Sicht Napoleons, seiner Marschälle und Offiziere bis zu der der einfachen Soldaten und des Beobachters Henri Beyle, der sich damals noch nicht Stendhal nannte. Er führt den Leser in das von der Armee Napoleons besetzte Wien, über die schwankenden Pontonbrücken der reißenden Donau, zeigt die alten Haudegen und die angsterfüllten Rekruten, die Rivalitäten der goldbetreßten Marschälle, schildert hautnah den erbarmungslosen Kampf der feindlichen Armeen.

 

Napoleon hält mit seinen Truppen Wien besetzt. Auf dem anderen Donauufer in der Ebene des Marchfeldes hinter den Dörfern Aspern und Eßling hat der österreichische Erzherzog Karl seine Truppen versammelt. Napoleon will Karls Armee vernichten, bevor sie Verstärkung durch Erzherzog Johann bekommt, der sich aus Italien nähert. Da die Österreicher sämtliche Brücken zerstört haben, lässt Napoleon in kürzester Zeit eine Pontonbrücke vom Ufer bis zur Insel Lobau und von dort weiter bis zum anderen Ufer bauen. Dann schickt er seine Armee über die Donau und hofft, dass die Verstärkung pünktlich eintrifft und die Brücke den anschwellenden, wilden Wassermassen des Flusses standhält. Von Lobau aus beobachtet er das zweitägige Gemetzel.
Von den Wällen Wiens aus lässt sich das Geschehen ganz wunderbar mit Fernrohren beobachten, die ein cleverer Händler vermietet. Hier wird der Krieg mit anderen Mitteln geführt.

Nicht mehr als zwanzig Sekunden

Der französische Autor Patrick Rambaud erzählt in seinem Roman die Geschichte von Aspern und Eßling. Die Schlacht vor den Toren Wiens 1809 zwischen Franzosen und Österreichern gilt als erstes großes Blutbad des modernen Krieges und kennzeichnete fortan die Feldzüge Kaiser Napoleons. In vierzig Stunden starben 40.000 Männer, 11.000 wurden verwundet - Austerlitz dauerte ganze fünfzehn Minuten. Auf fast zweihundert Seiten, dem Großteil des Romans, schildert Rambaud minutiös aus wechselnden Perspektiven, aus der Sicht Napoleons, seiner Marschälle und Offiziere, der einfachen Rekruten, des Armeearztes und des Beobachters Henri Beyle, der sich später Stendhal nennt, detailliert die Vorbereitungen, die Topographie des Schlachtfeldes, die Wetterbedingungen, die strategischen Überlegungen, das Übersetzen der Truppen, die Formationen und Truppenbewegungen, die Gemetzel, schließlich den Rückzug der französischen Armee. Dabei beschreibt er den Donner und Rauch der Kanonen, die Träume, Rivalitäten und Ängste der Männer, ihre oft nur unzulängliche Kleidung und Bewaffnung, die mit Kanonenpulver gewürzte Bouillon, die sich die hungrigen Soldaten in der ersten Nacht aus den niedergemetzelten Pferden kochen. Nicht mehr als zwanzig Sekunden darf eine Amputation dauern - die nächsten Verwundeten warten schon. Rambaud vermittelt dem Leser ein genaues Bild der Schlacht, zeichnet ihren Verlauf im Detail nach und die Umstände, die zum Scheitern führen.

Die Schlacht von Aspern und Eßling ist irrsinnig und sinnlos, sie kennt keinen Sieger, nur Verlierer. Am Ende blickt Napoleon auf eine Ebene jenseits der Donau, wohin sich der Erzherzog zurückgezogen hat. Es ist Wagram.
Ein historischer Roman ist die Inszenierung wahrer Begebenheiten, merkt Rambaud an, der aus dramaturgischen Gründen neben dem Kaiser und den Marschällen fiktive Figuren einführt, die Gliederungsfunktion haben und ergänzend wirken. Er webt die Historie in Die Schlacht nicht als Hintergrundtapete, sondern sie ist zentrales Thema, lebendig, realistisch und authentisch.

Rambaud wurde für den Roman 1997 mit dem Romanpreis der Académie Française und dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Ein eindrucksvoller Roman, fesselnd und mit dem Sujet angemessener Boshaftigkeit erzählt.

 

Die Schlacht

Die Schlacht

Deine Meinung zu »Die Schlacht«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
03.11.2014 09:41:37
Nico Robin

Der Roman von Patrick Rambaud begeistert von den ersten Zeilen an! Der Effekt wird insbesondere dadurch erzielt, dass es dem Autor gelingt die historischen Persönlichkeiten wie Napoleon unglaublich plastisch darzustellen. Insgesamt ist das Werk sehr detailliert recherchiert. Dem Autor gelingt es die Schlacht von Aspern zu einem Mikrokosnmos der menschlichen Schwächen und des Leidens werden zu lassen. Hierbei wird dem Leser aufgrund des suggestiven Erzählstils der Schrecken der napoleonischen Kriege bewusst. Insgesamt ist das Buch sehr empfehlenswert, auch für Leser, die mit den historischen Begebenheiten nicht vertraut sind. Am Ende des Buches, als feststeht, das die Schlacht kein grundsätzliches Ergebnis gebracht hat und das deshalb eine weitere Schlacht (Wagram) geschlagen werden muss, wird jedem Leser der Unsinn des Krieges und die Verschwendung von Menschenleben bewusst und die Erkenntnis bestätigt, das Krieg nur Krieg gebiert.

09.09.2014 13:34:14
venatrix

Nach dem ich in Essling lebe (unser Haus steht auf einer der vielen ehemaligen französischen Stellungen), kenne ich die beschriebenen Örtlichkeiten genau. Aller Orten wird man an diese unsinnige Schlacht erinnert, die nur Verlierer kennt.
Rambaud hat sehr viele historische Quellen (französische wie österreichische) bemüht, um eine authentische Darstellung der Schlacht zu erzeugen.
Er geht mit Napoloen recht respektlos um. Der Autor legt ihm beinahe witzige Statements in den Mund, läßt ihn allerdings auch häufig als den Despoten auftreten, der er war.
Sehr einfühlsam sind die Charaktere der einfachen Soldaten geschildert, die zwischen Hoffen und Bangen, Willen zum Sieg und Desertion hin und her schwanken.
Den Schreibstil finde ich der Thematik angepasst.
Sehr ausführlich und nützlich (für Interessierte) ist die Liste mit den Quellen.

23.01.2012 20:27:52
Susannah

Wien, 1809. Die französischen Truppen unter Napoleons Oberkommando halten Wien besetzt, ihm gegenüber die österreichischen Truppen unter dem Kommando von Erzherzog Karl. Am Ufer der Donau liegen zwei kleine Dörfer: Aspern und Eßling. Binnen 30 Stunden werden hier 40.000 Menschen den Tod finden - ein Gemetzel, bisher ungekannten Ausmaßes. Das erste Blutbad der modernen Geschichte ...

Ein großartiges Buch - der Begriff "schön" verbietet sich bei der Thematik. Zu dem Zeitpunkt, in dem ich diese Rezension schreibe, habe ich das Buch schon seit drei Tagen ausgelesen; doch bisher lag mir das Buch noch zu sehr im Magen, als dass ich darüber erzählen könnte. Die schockierenden Zahlen, die das Schlachten von Aspern-Eßling begleiten, werden lebendig. Wer das Buch zuschlägt, wird in Gedanken noch immer in den kleinen Dörfern vor den Toren Wiens verweilen.
Der Autor hat sich, wie er auch in seinem Nachwort erwähnt, große Mühe bei der Rekonstruktion der Schlacht gegeben. Auf und ab, Hoffnung und Verzweiflung, alles wird greifbar. Rambauds große Leistung ist jedoch die Charakterisierung. Von Napoleon selbst, über seine Marschälle (wobei ich hier Lannes besonders hervorheben möchte, der in seiner tragischen Rolle bei dieser Schlacht wunderschön getroffen ist), über einfache Offiziere bis hin zum gemeinen Soldaten. Die Hoffnungen und Ängste der jungen Rekruten, die Streitereien zwischen den Marschällen - doch über allem thront der Krieg, die Schlacht - denn sie ist letztlich der Hauptcharakter von Rambauds Roman. Sie beherrscht alles.

Rambauds Stil ist einfach, bisweilen abgehackt - doch immer der Situation angepasst. Die wenigen ruhigen Momente, die die Schlacht dem Leser und seinen Akteuren lässt, sind dennoch mit viel Liebe zum Detail beschrieben und sind wie eine Oase inmitten des Gemetzels. Und am Ende stehen nicht nur 40.000 Tote und mehr als 11.000 Verletzte, sondern auch eine Botschaft: Krieg ist Wahnsinn.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren