Durch Himmel und Hölle

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • , 2011, Titel: 'Durch Himmel und Hölle', Originalausgabe

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Daniela Loisl

Buch-Rezension von Daniela Loisl Apr 2011

Kurzgefasst:

Heutzutage gilt Katharina II. vor allem als Machtmensch und männerverschlingende Chimäre. Doch ihr Leben ist die Geschichte eines hochintelligenten jungen Mädchens, der Prinzessin eines winzigen Fürstentums in Mitteldeutschland, die sich Mitte des 18. Jahrhunderts anschickt, die Welt zu erobern. Ihr wurde als Kind prophezeit, zu Großem bestimmt zu sein. Sie wechselte die Religion und erlernte eine fremde Sprache. Schon bald nach ihrer Ankunft am russischen Hof hatte sich die Prinzessin einem Netz tödlicher Intrigen zu entziehen. Man sieht den Weg einer jungen, lebensvollen Frau, die eine katastrophale Ehe erlebte, drei Kinder gebar und verlor. Sie gewann und verlor die Liebe und bahnte sich in den Wirren des Siebenjährigen Krieges den Weg zur Macht. Sophie Friederike Auguste von Anhalt-Zerbst-Dornburg suchte und fand ihren Weg, ihrer Bestimmung und der Prophezeiung gerecht zu werden.

 

Der Roman erzählt das Leben einer jungen Frau, die sich mit ihrer Mutter auf eine lange Reise begibt, um vielleicht die Frau des russischen Thronfolgers zu werden. Vorher allerdings muss sie der Prüfung durch Elisabeth Petrowana, der herrschenden Kaiserin in Russland, standhalten. Katherina, eigentlich Sophie Friederike von Anhalt-Zerbst, kann es kaum erwarten, am russischen Hof anzukommen, ist es nicht ihr größtes Bestreben, Reichtum und Macht zu erlangen.
An ihrem Reiseziel eingetroffen, scheinen sich all ihre Wünsche zu erfüllen. Die Kaiserin schließt sie in ihr Herz, alles ist prächtig und nur vom Feinsten ausgestattet, und auch ihr Zukünftiger ist ansehnlich und behandelt sie mit Respekt. Sie verliebt sich in Karl Peter Ulrich, Herzog von Holstein und Thronfolger des russischen Reichs und wähnt sich am Ziel ihrer Wünsche.
Wie stark umkämpft jedoch die oberste Position des Landes ist und mit welch intriganten und rücksichtslosen Mitteln am Hof gekämpft wird, hat Katharina sich in ihren schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können. So ist die junge Frau nun gezwungen, sich nicht nur ihren Gegnern, sondern auch ihrer Familie, ganz besonders ihrem Mann Peter, der nach der Hochzeit seine Maske fallen ließ, zu stellen und für ihre Ziele zu kämpfen.

Farbenprächtig, üppig und lebendig erzählt

Detlef Köpke hat sich mit seinem Erstlingswerk dem jungen Leben einer der wohl bekanntesten Figuren des 18. Jahrhunderts angenommen. Die Erzählung beginnt mit den Vorbereitungen der Reise von Sophie Friederike Auguste und ihrer Mutter Fürstin Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst nach Russland.

Schon auf den ersten Seiten steht man mitten in den politischen und diplomatischen Überlegungen und Ränkespielen der Mächtigen. Die Fülle an geschichtlich-politischen Informationen und die Einblicke in die Welt der Herrscher, wie auch Friedrich II. und seinen Verbündeten oder den ganzen russischen Ministerstaat, mag sich abschreckend und trocken anhören, wird aber vom Autor mit geschickter Leichtigkeit und äußerst spannend in den Plot eingebaut, so dass man eher das Gefühl bekommt, nie genug davon zu bekommen. Selten gelingt es einem Autor, historische Fakten so gekonnt packend zu erzählen, dass der Leser sich nicht langweilt, sondern diese wie mit einem Schwamm aufsaugt.

Niveauvolle Sprache, vielschichtige Figuren

Die Sprache des Autors ist von solider und niveauvoller Qualität und er vermeidet sogar bei der Nennung der Personen stetiges Wiederholen. So wird z.B. die amtierende Kaiserin eben auch mal so genannt, oder aber auch als die Tochter Peters oder einfach nur als Elisabeth bezeichnet. Bei den Protagonisten ist dies für den Leser kein Problem, allerdings kann man angesichts der Fülle an Nebenfiguren und deren langen und komplizierten Namen und Titeln schon einmal durcheinanderkommen. Hier zeigt sich das fehlende Personenregister als wirklich großes Manko, und man kann dem Leser nur raten, sich die wichtigsten Figuren und deren Position bei Hofe selbst zu notieren.

Sämtliche Figuren, angefangen von Katharina, ihren Mann Peter, der Kaiserin bis hin zu sämtlichen Politikern und Nebenfiguren wie Hofdamen oder Boten, sind liebevoll ausgearbeitet, individuell ins Leben gerufen und zeigen ein großes Spektrum menschlicher Charaktere mit Stärken und Schwächen.

Natürlich ist der Focus auf Katharina und ihre Entwicklung gerichtet und dem Autor ist es mit viel Feingefühl gelungen, das Verhalten der jungen Frau, ihre Zweifel und Ängste und auch ihre Suche nach Liebe und Anerkennung nachvollziehbar und vor allem auch glaubwürdig darzustellen. Man bekommt ein anderes Bild von Katharina der Großen, sieht sie nicht nur als diplomatische und machthungrige Anwärterin auf den Thron, sondern auch als Frau, die durch die Härte der Politik, durch Intrigen und Verrat gezwungen war, ihren eigenen Weg zu finden, um für sich und ihre Kinder eine stabile Zukunft zu sichern.

Von "Näschen" und "Mäulchen"

Obwohl die Sprache Köpkes ausgereift und auch flüssig zu lesen ist, mag einem dazu gar nicht passen vorkommen, dass - im Laufe der Erzählung sukzessive immer mehr werdend - das weibliche Geschlecht mit allerlei Verniedlichungen bedacht wird. Es erscheint einfach störend, dass bei den ansonsten so sympathisch beschriebenen Figuren, nur die hübschen Frauen, wie eben auch Katharina, nicht von Nasen in ihrem Gesicht die Rede ist, sondern stets nur von "niedlichen kleinen Näschen, die leicht nach oben gebogen sind". Oder dass eine hübsche junge Frau nicht einfach ihren schönen Mund dem Geliebten darbietet, sondern ihr "geschwollenes Mäulchen" oder ihr "Schmollmündchen". Dass vielleicht einmal eine junge Frau mit einem "Näschen" ausgestattet ist, wird kaum stören, wenn dies aber bei sämtlichen schönen Frauen Erwähnung findet, so werden diese ständigen Wiederholungen unangenehm und als Stilbruch empfunden.

Letztendlich ist das Buch eine sehr schöne und kompakte Erzählung über die jungen Jahre Katharinas der Großen. Detlef Köpke ist zweifelsfrei ein Autor mit Potenzial. Er schafft es, dem Leser Geschichte auf sehr spannende und interessante Weise näher zu bringen und kreiert seine Figuren mit viel Liebe zum Detail. Lediglich der Feinschliff an manch Ecken und Kanten fehlt noch.

 

Durch Himmel und Hölle

Durch Himmel und Hölle

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Letzte Kommentare:
16.07.2014 07:28:36
Vorharzer

Der Roman zu Katharina der Großen spiegelt in eindrucksvoller Weise das Leben am russischen Zarenhof in der Zeit des Siebenjährigen Krieges bis zum Staatsstreich gegen Peter III. wieder. Er ist gut recherchiert, die Fakten gehen weit über das vermittelte Geschichtswissen hinaus und machen Lust, mehr über das Leben Katharinas der Großen zu erfahren. Dieses ist im Roman spannend, fassbar und für jeden nachvollziehbar geschildert.
Der Roman zeigt das Leben und Leiden einer jungen, wissbegierigen Frau, die von ihrem ungeliebten Ehemann ignoriert wird, von Intrigen umgeben ist und in der Zeit der Aufklärung auch der Politik aufgeschlossen gegenüber steht und sich aktiv einbringt (und das als Frau ihrer Zeit !!!!). Ihr Interesse und ihre Liebe zum russischen Reich bildeten sich in einer Zeit heraus, in der Peter III. alles Preußische verehrte und die russische Seele" ignorierte.
Der Roman steht auch gegen landläufige Klischees, die Katharina nur als "männerverschlingenden Vamp" darstellen. Sicherlich hat sie sich durch zahlreiche Liebhaber diesen Ruf erworben, aber die Ursachen liegen in der vom Autor geschilderten Zeit ihrer mehr als unglücklichen Ehe mit Peter III.
Der Schreibstil des Autors ist dem damaligen Zeitgeist angepasst, flüssig und spannend.
Ich wünsche mir mehr Belletristik von diesem Autor.