Im Westen nichts Neues

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  • Erschienen: Januar 1929
  • , 1929, Titel: 'Im Westen nichts Neues', Originalausgabe
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Christina Wohlgemuth
100

Histo-Couch Rezension vonJul 2006

Ein zeitloses Plädoyer gegen den Krieg!

Europa, im Ersten Weltkrieg. Die Westfront: die Armeen sind ins Stocken geraten. Das, was als schnelle Angelegenheit geplant war, ist zum Stellungskrieg geworden. Tagelang wird um wenige Meter gekämpft, unzählige Leben gehen verloren, um einen Schützengraben zu halten. Während die Heimatfront mit ermutigenden Nachrichten bei Laune gehalten wird, ist an der Front jede Euphorie verflogen. Unter ihnen ist auch Paul Bäumer, der gemeinsamen mit seinen Kameraden versucht, zu überleben. Doch selbst diejenigen, deren Körper unversehrt bleibt, kehren mit zerschundener Seele nach Hause zurück …

 

"Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde – auch wenn sie seinen Granaten entkam."

 

So beginnt Remarque seine Geschichte. Und gleichzeitig fast dieses Zitat die Geschichte zusammen. Es geht um den Krieg, und es geht darum, auf welch vielfältige Weise er Menschen zerstören kann. Jeder Charakter, der dem Leser begegnet, wird vom Krieg gezeichnet: durch Verwundung, durch Angst, durch Stress. Paul Bäumer, der Ich-Erzähler, lässt uns teilhaben an den Schlachten, am stundenlangen Maschinengewehrfeuer. Aber auch an den elenden Zuständen im Lazarett, an den vermeintlich glücklichen Momenten im Fronturlaub, an dem bangen Warten hinter der Front, bis es wieder losgeht.

Starke Individuen, die zu Herzen gehen

Remarques Charaktere sind ganz normale Menschen. Schüler, Handwerker, Beamte jeder Art. Es sind ganz normale Menschen, die dem Wahnsinn begegnen und irgendwie verhindern müssen, selbst dem Wahnsinn anheim zu fallen. An der Front, in Uniform, verschwinden die Grenzen, die Herkunft, Stand und Beruf zwischen ihnen ziehen – das Gefühl der Kameradschaft ist das einzige (auch trügerische) Hochgefühl, dass Remarque seinen Charakteren gönnt. Schon früh wird der Leser mit der Sterblichkeit konfrontiert – im Lazarett, an der Front. Die Episoden der Erholung, in denen der Leser durchatmen kann werden immer kürzer, der Schrecken immer größer. Die Sinnlosigkeit des Krieges wird dem Leser schonungslos vor Augen geführt.

Die Erlebnisse werden episodenweise erzählt – mal sind es Paul Bäumers Erinnerungen an die kurze, harte Ausbildung, mal sind es Gedanken an den kurzen Heimaturlaub, mal sind es Geschehnisse, in die der Leser direkt hineingezogen wird: die Schlachtenszenen, in der Gegenwartsform geschrieben, binden den Leser ein, bringen ihm Geschehnisse nahe, die man eigentlich nicht in Worte fassen kann. Das Pfeifen der Artillerie ist ebenso zu hören wie das Knattern des Maschinengewehrs. Und wenn der größte Schrecken des Krieges – das Giftgas – zum Einsatz kommt, hält auch der Leser unmittelbar die Luft an.

Stilistisch ansprechend und hoch philosophisch

Remarques´ Stil ist eine besondere Betrachtung wert. Er pendelt – je nachdem, wovon Paul Bäumer uns erzählt. Eine rascher, knapper, fast schon militärischer Stil in der Gegenwartsform, wenn wir die Geschehnisse an der Front direkt miterleben. Eine ruhige, sanfte, fast schon poetische Sprache, wenn Paul und seine Kameraden einen kurzen Moment der Ruhe genießen können, wenn Paul über den Krieg und seine Folgen nachdenkt. Es sind die besonderen Momente dieses Buches, die im Gedächtnis bleiben und in ihrer Schlichtheit der Wahrheit sehr nahe kommen müssen. Die Momente, in denen deutlich wird, dass eine ganze Generation um ihre Jugend gebracht wurde. Die erschütternde Erkenntnis, dass niemand ungezeichnet aus der "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" entkam.

Im Westen nichts Neues ist für jeden empfehlenswert: es ist eine Geschichte vom Krieg, eine Geschichte gegen den Krieg. Leider verliert sie nicht an Aktualität: aktuelle Geschehnisse beweisen uns immer wieder, dass die Menschheit offenbar noch immer nicht genug vom Krieg hat. Und so wird man wohl noch in 100 Jahren Remarques Geschichten empfehlen müssen, um die Menschen daran zu erinnern, dass es am Krieg nichts Gutes gibt.

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