Wir sehn uns wieder in der Ewigkeit

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2011, Titel: 'Wir sehn uns wieder in der Ewigkeit', Originalausgabe

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Daniela Loisl
Literarisch eindringlich - mit viel Wärme und Feingefühl

Buch-Rezension von Daniela Loisl Apr 2011

Kurzgefasst:

Am 21. November 1811 erschoss Heinrich von Kleist am Kleinen Wannsee zuerst Henriette Vogel und dann sich selbst. Was könnte in der Nacht vor dem Selbstmord passiert sein? Heinrich und Henriette übernachteten im Gasthaus der Familie Stimming direkt am Wannsee. Was machen zwei Menschen, die eine besondere Beziehung verbindet, in den letzten Stunden ihres Lebens?

 

Die letzten Stunden Heinrichs von Kleist und seiner Geliebten Henriette Vogel. Was hat sich zugetragen, als die beiden beschlossen im November 1811 aus dem Leben zu scheiden? Wie haben Sie diese Zeit verbracht? Welche Gedanken gingen den beiden durch den Kopf? Tanja Langer zeichnet die letzten 24 Stunden des Paares nach, gibt Einblick in ihre Gedanken, in ihre Seelen und lässt sie nochmal Abschied nehmen von einer Welt, auf der sie beiden nicht mehr bleiben mochten.

Ein heikles Thema mit Bravour gemeistert

Von den letzten Stunden eines Menschen zu berichten, ist alles andere als ein leichtes Unterfangen. Tanja Langer jedoch hat mit viel Takt- und Feingefühl diese Zeit nachgezeichnet, versucht, sich in Heinrich und Henriette hineinzuversetzen, sich hineinzudenken und diese Zeit mit den Augen der beiden zu betrachten. Was geht vor in einem Menschen, der diesen Schritt minutiös plant?

Mit leiser und feiner Sprache liest man von Seelenqualen, erlebt liebevolle Szenen zwischen dem Paar, nimmt teil an deren Gedankengängen und weiß, dass dieser Schritt für beide unumstößlich ist, sie sich darüber vollends im Klaren sind und ebenso einig. Dennoch ist es kein bedrückend schweres Buch, sondern mit einer trügerischen Leichtigkeit erzählt, einfach, weil für die beiden dies kein trauriger Moment sein wird, sondern der, der sie für ewig zu einander führt. Heinrich leidet unter dem stetigen Druck den er sich letztendlich selber macht. Er ist ehrgeizig und getrieben, er kann nicht anders, als seinen ewigen Hunger für immer zu stillen. Es ist der Hunger zu schreiben, dazuzugehören und auch der Hunger etwas zu sein, etwas darzustellen, dem er vielleicht nicht gerecht wird. Dies alles will Heinrich hinter sich lassen, aber er erträgt es nicht, von seinem geliebten Menschen getrennt zu sein. Und so fragt er Jette, ob sie mit ihm gemeinsam den endlichen Weg gehen möchte, denn dies sei die einzige Hochzeit die er ihr bieten kann. Und Jette willigt ein, liebt sie ihn doch ebenso wie er sie und will nicht ohne ihn sein.

Niemals wirken die Szenen gekünstelt oder gewollt dramatisch. Langer hat ein Gespür für Zwischentöne, für Nuancen und glaubwürdiger Charakterzeichnung.

So leicht und doch so tragisch

Sind doch Heinrichs und Henriettes gedankliche Rückblicke und Auseinandersetzungen mit ihrem geplanten Schritt für den Leser am eindringlichsten, so darf man dennoch die eigentliche Erzählerin der Geschichte nicht außer Acht lassen. Sie lebt exakt siebenhundertfünfzig Schritte von der Stelle entfernt, an der damals das Gasthaus "Neuen Krug" stand, in dem Heinrich und Henriette ihre letzte Nacht verbracht haben. Den Gasthof gibt es nicht mehr, heute befindet sich an dieser Stelle ein Yachthafen. Der Erzählerin aber gehen diese Ereignisse nicht aus dem Kopf und so lässt sie nicht nur die letzte Nacht des Liebespaares, sondern auch viele Szenen aus der Vergangenheit Revue passieren und erlaubt dem Leser die Teilnahme an demselben.

Man begegnet in den Rückblicken vielen Menschen, Freunden von Kleist ebenso wie berühmten Persönlichkeiten, aber niemand bleibt einem besonders in Erinnerung, allzu sanft dominiert das Paar, welches aus dem Leben scheiden will, die Szenerie.

Dieses Buch ist eine kleine Kostbarkeit. Tanja Langer zeigt Möglichkeiten auf, die zum Entschluss der beiden haben führen können, erlaubt Einblicke in tiefst verletzte Seelen, ihn Träume und Sehnsüchte, die nicht zu erfüllen waren, und auch die Grenzen der gesellschaftlichen und politischen Regeln werden angerissen. Sensibel und dennoch klar, aber nie sentimental oder urteilend, bietet Tanja Langer ihren Lesern feine und analytische Möglichkeiten und erlaubt so viele Gedankengänge, deren wahrer Schluss letztendlich immer im Ungewissen bleiben wird.

Ein kleines literarisches Kleinod, poetisch feinfühlig und dennoch so kraftvoll.

 

 

 

Wir sehn uns wieder in der Ewigkeit

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Letzte Kommentare:
03.05.2011 15:28:16
grossebine

Mit dieser Novelle ist Frau Langer etwas ganz besonderes gelungen. Tiefsinnig, berührend und glaubwürdig schildert sie die letzte Nacht zweier Menschen, die sich für einen gemeinsamen Freitod entschieden haben.
Henriette Vogel und Heinrich von Kleist verbringen diese Nacht und den nächsten Tag in einem Gasthof am Wannsee. Zwei reservierte Zimmer mit Verbindungstür. Beide Anfang 30; Sie verheiratet, ein Kind, er ledig. Was hat sie veranlaßt diese Entscheidung zu treffen und diesen Weg gemeinsam zu gehen?
Wozu diese letzten Stunden der Zweisamkeit und was könnten sie in dieser Zeit gemacht haben?
Die Autorin beschränkt sich allerdings nicht auf diese 24 Stunden, sie erzählt die Lebensgeschichten von Henriette und Heinrich, die politische Situation des Landes, die Weltanschauung der Bevölkung, teils mittels Rückblenden, inneren Monologen oder Gesprächen zwischen den Protagonisten. Die Figuren sind fein gezeichnet, lebendig, ihre Gefühle nachvollziehbar. Die Erzählung ist nicht immer leicht verdaulich, der Leser benötigt Zeit, Zeit zum wiederholten lesen so macher Abschnitte, zum Nachdenken oder auch Zeit, um sich auf die Heiterkeit, die freudige Erwartung der Protagonisten einzulassen. (war für mich anfangs nicht einfach) Wer sich aber darauf einläßt taucht ein in eine Welt vor 200 Jahren und in das Leben und die Gefühlwelt dieser zwei Menschen.

Mein Fazit: Sehr empfehlenswert, für mich ein Genuss von der ersten bis zur letzen Seite.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

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