Leidenschaft

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Knaus, 2007, Titel: 'Chaleur du sang', Originalausgabe

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Daniela Loisl
Kitschfreie Erzählung über Verlangen und Leidenschaft

Buch-Rezension von Daniela Loisl Apr 2011

Kurzgefasst:

Die junge Colette und der um viele Jahre ältere Jean leben nach ihrer Hochzeit zurückgezogen in Moulin-Neuf im Herzen der französischen Provinz. Es scheint, als wollten sie dem stillen Glück von Colettes Eltern nacheifern. Selbst der alte, desillusionierte Vetter Silvio, der schon am Hochzeitsabend im Bräutigam den gehörnten Ehemann sieht, beginnt zu glauben: Dieses Paar bleibt verschont, sein Glück wird nicht von jäh aufbrechender wilder Leidenschaft zerstört.
Doch Colette hütet ein Geheimnis. Auch sie ist dem Verlangen und der Leidenschaft für einen anderen erlegen. Erst als Jean unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, erwacht Colette aus dem Sinnesrausch und versinkt in Scham und Verzweiflung. Nachdem die Wahrheit über Jeans Tod ans Licht kommt, bricht auch die Lebenslüge ihrer Eltern auf.

 

Iréne Némirovsky, ein bekannter Name und Garant für qualitativ hochwertige Romane und Erzählungen. Leidenschaft gilt als dritter Teil des Weltbestsellers Suite francaise und ist mehr eine Novelle denn ein Roman.

Silvio, ein weitgereister und mittlerweile alter Mann, ist ein Verwandter von Colettes Eltern und erzählt die Geschichte aus seiner Perspektive. Man lebt in den 1930er Jahren auf dem Land in der französischen Provinz, wo es rundherum nur kleinere Orte gibt und man sich untereinander natürlich kennt. Colette liebt und bewundert ihre Eltern, die sich innig lieben. Als Colette den älteren Jean heiratet, ist sie bestrebt, ihren Eltern nachzueifern und eine ebenso gute und glückliche Ehe zu führen wie sie. Allerdings dauert es nicht lange, bis es zu einem schicksalshaften Unfall kommt, der ihrem Mann nicht nur den Tod, sondern auch noch einen großen Stein der Vergangenheit ins Rollen bringt.

Schnörkellose Erzählung

Gewohnt schnörkellos ebnet Némirovsky den Weg für den Leser und gewährt ihm so sehr realistische Einblicke in das karge und abwechslungslose Leben der Menschen auf dem Land. Durch Silvio, der alle Bewohner in der Umgebung natürlich kennt und der auch seine Verwandten regelmäßig besucht, nimmt man auch an Colettes jungem Leben teil. Allerdings erfährt man nicht alles wie gewohnt chronologisch, sondern bekommt, wie es eben ist, wenn eine dritte Person über jemanden spricht, alles nur happenweise präsentiert. Zwischendurch schweifen Silvios Gedanken ab und man lernt noch den einen oder anderen Bewohner der Umgebung kennen, erfährt, was ihn dazu trieb in der Welt herumzureisen und was ihn nun dazu bewog, im Alter wieder zurückzukehren an den Ort seiner Kindheit.

Sprachlich und erzählerisch eine Klasse für sich

Reduziert geradlinig erzählt Némirovsky aus Silvios Perspektive das einfache und ereignislose Leben auf dem Land, der Provence. Es ist ein Sittengemälde der Zeit, das auf eindringliche und intelligente Weise die Illusionen einer jungen Frau zeigt, die nach nichts anderem strebt, als eine ebenso gute und harmonische Ehe zu führen wie ihre geliebten Eltern. Als Colette den älteren Jean heiratet, ist sie voller Zuversicht, doch die Einsamkeit, das eintönige Leben und auch das körperliche Verlangen nach Liebe und Leidenschaft, lassen Colette einen anderen Weg gehen als sie sich selbst erdacht hat.

Traditionelle Gewohnheiten, Heucheleien, Heimlichkeiten und Stillschweigen über Vorfälle aus der Vergangenheit brodeln unterschwellig und warten nur auf den richtigen Moment um ans Tageslicht zu kommen. Das so idyllische Leben in der schönen Provence ist lediglich eine Decke die darauf wartet weggezogen zu werden, um endlich wieder frei atmen zu können. Durch den überraschenden Tod Jeans, Colettes Mann, wird der erste Zipfel gelüftet und nach und nach bröckelt die so viele Jahre aufrecht erhaltene Fassade und bringt eine unfassbare Wahrheit ans Tageslicht.

Explosives Finale

Iréne Némirovkys Stärke ist das scheinbar grobe Skizzieren von Figuren und Szenerie. Dem Leser ist gar nicht bewusst, auf welch subtile Weise er in das Geschehen miteinbezogen wird, man ist nur erstaunt, mit welcher Fügsamkeit sich die einzelnen Puzzlestücke am Schluss zusammenführen lassen und diese erst da, im letzten Augenblick, das gewaltige Bild von scheinbarer Moral, jahrelanger Lügen und Heimlichkeiten zerbrechen lassen.

Ein so unscheinbares, dünnes Werk, das aber immensen Tiefgang durch die feinfühlige und nüchterne Erzählweise birgt. Eine Geschichte mehr in der man erkennt, welch außerordentliches Talent die Autorin hatte, unscheinbare Kleinigkeiten zu fassen und daraus eine kompakte Erzählung zu zaubern.

 

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