Die Magie des Falken

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2011, Titel: 'Die Magie des Falken', Originalausgabe

Couch-Wertung:

86
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Rita Dell'Agnese
Eine Saga um Magie, Falknerei und blutige Rache

Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2011

Kurzgefasst:

Norwegen, kurz vor Ende des ersten Millenniums christlicher Zeitrechnung. An der Seite seines Vaters Haeric Harekson - Falkner, Seher und Vertrauter des Wikingerkönigs Tryggvason - erlebt Kyrrispörr als junger Mann, wie der König 994 zum Christentum übertritt. Als Knappe des Königs erlernt er die Kunst der Falknerei.
Tryggvason nutzt seine Bekehrung dazu, das Land mit Feuer und Schwert zu missionieren und lockt die Seher in eine tödliche Falle. Auch Kyrrispörrs Vater lässt sein Leben, Kyrrispörr selbst wird gefangengenommen. Ihm gelingt die Flucht - doch den Mord an seinem Vater kann er weder vergessen noch verzeihen...

 

Fassungslos muss der junge Wikingersohn Kyrrispörr im Norwegen des 10. Jahrhunderts miterleben, wie sein Vater und viele andere Männer einem Verrat des zum christlichen Glauben übergetretenen Königs Tryggvason zum Opfer fallen. Der Junge, an der Schwelle zum Erwachsenenalter, hätte seinem Vater als Seher nachfolgen sollen. Desillusioniert folgt Kyrrispörr dem geheimnisvollen Eyvindr in dessen Dorf. Der mächtige Seher verdankt Kyrrispörr sein Leben, war er doch der Einzige, der die seltsamen Bilder, die der Junge vor seinem geistigen Auge auftauchen sah, richtig gedeutet. Um den König Tryggvason zu stürzen, bildet Eyvindr Kyrispörr aus und macht ihn zum willigen Instrument der Rache. Denn die Seher Norwegens wollen den Verrat des Königs nicht einfach hinnehmen. Bei einem geheimnisvollen Ritus in den Kreis der Seher aufgenommen, bekommt Kyrrispörr Waffen ausgehändigt, die ihm helfen sollen, den König zu töten. Dabei würde er jedoch - so sagte es die Vorsehung - seinen eigenen Tod hinnehmen müssen. Von Erbitterung getrieben macht sich der Junge dessen ungeachtet auf den Weg.

Ehre und Macht

In diesem Roman geht es um Ehre, Religion und Macht - nicht nur, aber zur Hauptsache. Genau dadurch schafft es Autor Ruben Philipp Wickenhäuser mühelos, die Welt der Wikinger herauf zu beschwören und die Leser in eine männlich dominierte Welt eintauchen zu lassen. Sehr schön fängt der Autor die Entwicklung von Kyrrispörr auf, der vor seinem Erwachsen werden reifen und Verantwortung übernehmen muss, in seinem Herzen jedoch ein feinfühliger und nach Gerechtigkeit strebender Mensch bleibt. Ein Wesenszug, der ihm - angesichts der rauen Umwelt und der Haltung der nach Macht und Rache strebenden Seher - nicht nur Freunde einbringt. Ebenso geschickt wie beim Aufbau seines Protagonisten erweist sich Wickenhäuser in der Verknüpfung von Schilderung der Verhältnisse und eigentlicher Story. Er gibt dem Helden ein Gesicht, lässt andere Figuren sich aus dem sich immer wieder verändernden Bild der Gesellschaft heraus schälen, um dann wieder einen Schritt zurück zu treten, wenn sie wie Kyrrispörr in der Sonne stehen könnten.

Auch für Frauen

Die Magie des Falken richtet sich primär an ein männliches Publikum, was nicht heissen soll, dass nicht auch Frauen Gefallen an diesem Wikinger-Roman finden könnten. Immerhin gibt es einige Elemente, die den an sich harten Grundton abmildern und dem Roman weitere Facetten hinzufügen. Wickenhäuser erzählt im gemässigten, stetigen Tempo, steigert dieses punktuell, um dann wieder in den gemässigten Erzählfluss zurück zu gleiten. Dadurch verlangt er dem Publikum einiges an Geduld ab - er gibt ihm dafür eine wunderschöne Geschichte, die auch an einem Feuer im Kreise von Wikingern hätte erzählt werden können. Der Verzicht auf einen moralisierenden Unterton lässt die Leserinnen und Leser an der Veränderung einer Zeit teilhaben, die den Untergang einer starken Kultur bedeutete und dem Christentum ermöglichte, sich in Norwegen zu verankern.

Ungewohnte Namen

Mit diesem Roman hat zu kämpfen, wem die norwegischen Namen nicht leicht auf der Zunge liegen. Leider fehlt ein Personenregister, anhand dessen man eine Übersicht gewinnen könnte. Einem der fremden Laute nicht ganz mächtigen Leser dürfte es auch ein Rätsel sein, weshalb mehrere Namen im Verlauf des Romans unterschiedlich geschrieben sind. Es drängt sich der Verdacht auf, hier sei beim Satz nicht ganz optimal gearbeitet worden. Weshalb etwa Eyvindr mal nur Eyvind heisst oder auch bei Olafr das R am Schluss des Namens nur zur Hälfe angeführt wird, bleibt im Dunkeln. Hier hätte eine Aufklärung dringend Not getan. Sollte es sich tatsächlich um Druckfehler handeln, so müsste der Satz dringend nochmals überarbeitet werden.

Zahlreiche Aspekte

Mit Die Magie des Falken legt Ruben Philipp Wickenhäuser einen historischen Roman vor, der sich nicht nur bezüglich Epoche von der grossen Masse abhebt. Er versteht es auch, eine Erzählkunst anzuwenden, die gleichermassen fesselt als auch informiert und bildet. Denn der Autor hat in seinen Roman viele Details eingearbeitet, die ein deutliches Bild der Wikinger und ihrer Lebensweise vermitteln. Gleichzeitig nimmt Wickenhäuser das Thema "Falknerei" auf und stellt diese geschickt in Zusammenhang mit den übrigen Ereignissen.

Der Roman besticht letztlich auch durch eine sehr ansprechende Gestaltung und erinnert an die sorgfältig verzierten Initialen in den einst von Mönchen kopierten Büchern. Auch das Cover spricht an, hier hat sich der Verlag von Schlichtheit leiten lassen und einen sehr guten Griff damit getan. Ergänzt wird das Werk durch ein mehrseitiges Nachwort, in dem der Autor auf die tatsächliche Geschichte um König Tryggvason eingeht.

 

Die Magie des Falken

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