Nachsaison

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Bebra, 2011, Titel: 'Nachsaison', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Nicht nur für Italienfreunde eine kurzweilige Unterhaltung

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2011

Kurzgefasst:

Herbst 1874: Theodor Fontane und seine Frau Emilie befinden sich auf einer Italien-Reise. Als Fontanes Portemonnaie zusammen mit einer Leiche aus dem Meer gefischt wird und man wenig später die Mordwaffe in seinem Hotelzimmer findet, wird der Dichter von der italienischen Polizei verhaftet. Emilie bleibt nichts anderes übrig, als den kriminalistischen Ambitionen ihres Mannes nachzueifern und auf eigene Faust zu ermitteln. Während sich Kommissar Aschinger aus Berlin auf den Weg macht, um den Fontanes zu helfen, verdichten sich die Ereignisse in Neapel zu einem teuflischen Komplott...

 

Neapel, November 1874: Emilie und Theodor Fontane wollten auf ihrer Italienreise eigentlich gar keinen Abstecher nach Neapel machen, doch da sie kurz vor ihrer Abreise erfuhren, dass ihr Freund, Kriminalkommissar Aschinger, dort Verwandte besuchen möchte, beschließen sie ein paar zusätzliche Urlaubstage einzuschieben. Bereits kurz nach ihrer Ankunft kommen ihnen jedoch erste Zweifel, denn statt der zahlreichen Sehenswürdigkeiten werden sie bereits am Bahnhof von einem überwältigenden Lärm empfangen. Nicht nur Reisende, sondern vor allem Betteljungen und vermeintliche Touristenführer versuchen sich Gehör zu verschaffen.

Am nächsten Tag beginnen die Fontanes mit einem kleinen Besichtigungsprogramm, allerdings wird ihre Freude schnell getrübt, denn einem Taschendieb gelingt es, Fontane um seine Geldbörse zu erleichtern. Einen weiteren Tag später begeben sich die Fontanes mit dem Ehepaar Schwatlo auf einen weiteren Erkundungsgang, um ein vornehmes Austernrestaurant aufzusuchen. Doch sie verlaufen sich und werden am Hafenbecken des Porto Piccolo Zeugen eines Leichenfundes, denn ein junger Mann wurde dort soeben aus dem Wasser geborgen. Es handelt sich um den Kleinkriminellen Gennaro Caccavallo, bei dem mehrere Portemonnaies gefunden werden, darunter auch Fontanes Geldbörse. Als am nächsten Tag in Fontanes Hotelzimmer ein blutverschmiertes Messer gefunden wird und zwei Zeugen behaupten ihn am Tatort gesehen zu haben, wird Fontane von dem Sottotenente Biondi, einem Carabinieri, festgenommen und wandert unversehens in den Karzer. Emilie ist außer sich und begibt sich mit Aschinger auf die Suche nach dem wahren Mörder, denn die Polizei, allen voran Ispettore Fumagalli, scheint sich nicht gerade bei ihren Ermittlungen zu überstürzen...

Gelungener dritter Fall für die Fontanes

In seinem dritten Band der Theodor-Fontane-Reihe wird das Ehepaar Fontane also nach Neapel geschickt, wo sie 1874 tatsächlich hinfuhren. Dort stiegen sie im Hotel Washington ab und trafen auf den Berliner Architekten Schwatlo und dessen Gemahlin. Frank Goyke gelingt es hervorragend, historisch belegte Begebenheiten und existierende Personen mit einer fiktiven Handlung zu vermischen. Dabei wird besonders die atmosphärische Dichte (fünf Euro ins Phrasenschwein) herausragend umgesetzt, so dass man sich bildlich in das damalige Neapel hineinversetzen kann. Zahlreiche Straßennamen und Sehenswürdigkeiten unterstützen diesen Eindruck, aber auch die Darstellung der Lebensverhältnisse, vor allem in den ärmsten Stadtteilen, ist erdrückend. Betteljungen und Taschendiebe bestimmen weite Teile des Straßenbildes, kein Wunder, herrschen oftmals erbärmliche Zustände. Nicht selten teilen sich sechs und mehr Personen zwei kleine Zimmer. Doch auch die Gefängniszelle, in der Theodor Fontane kurzzeitig untergebracht wird, verspricht alles andere als Komfort.

 

 

Die Lage Ihres Mannes ... Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich spreche ohne Ironie: Er scheint das Verbrechen anzuziehen wie der Nordpol die Kompassnadel.

 

Erstmals schlüpft Emilie in die Rolle der Ermittlerin wider Willen, nachdem sie in den beiden vorausgehenden Geschichten lediglich eine untergeordnete Nebenrolle spielte. Gleiches gilt für Aschinger, der nach seinem Vornamen gefragt, lediglich mit "Kommissar" antwortet. Die Beiden versuchen also zu helfen, was gar nicht so einfach ist in einer Gegend, wo das Schweigen von früher Kindheit an das vornehmste Gebot ist. Manchmal helfen zwar ein paar glänzende Geldstücke, aber die Neapolitaner sind doch grundsätzlich lieber unter sich. Mit Ausländern möchte man wenig und mit der Polizei rein gar nichts zu tun haben

 

 

"Haben Sie schon einen Plan?"

"Nicht im Geringsten. Ich weiß nur, was wir zuerst ermitteln müssen. Am dringendsten müssen wir so viel wie möglich über den Toten, über Gennaro Caccavallo herausfinden. Ich möchte wissen, wer ihren Mann gegen sechs im Porto Piccolo gesehen haben will, und mich interessiert, woher die Carabinieri den Tipp bekommen haben, dass im Hafenbecken eine Leiche schwimmt."

"Und wie wollen Sie das in Erfahrung bringen?"

"Kein Ahnung."

 

Der dritte Teil knüpft nahtlos an die Vorgänger an, wobei die Spannungskurve überschaubar ist, da sich die Anzahl der mitwirkenden Personen in Grenzen hält. Allerdings erhält man einen ersten Einblick in das organisierte Verbrechen, welches schon damals in Neapel florierte. Richtig schön ist dagegen nur das Blau des Golfs von Neapel, allerdings - sehr zum Entsetzen Emilies - nur auf Bildern und Postkarten.

Nachsaison

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Letzte Kommentare:
08.05.2012 23:40:12
anath

Zum Glück gibt's Emilie ! Die Dame war mir in den beiden vorhergehenden Fontane-Krimis schon sehr sympathisch, mir scheint, wir sind verwandt, die Emilie und ich. Mit ihrer bodenständigen Art, ihrem Pragmatismus, ein bißchen spießig vielleicht, aber sonst ganz nett...Ja, die Madame Fontane ist mir seelenverwandt. Und das hat mir eine Menge Spaß gemacht in diesem Buch.
Irritierend allerdings, daß der Verlag offenbar für schnöde 9,95 Teuros nicht in der Lage ist, Cover und Innenleben adäquat zu gestalten. So steht auf dem Cover : "Fontane und die Bettler von Neapel". Auf der ersten Seite dann : "Fontane und die Diebe von Neapel". Ja - wer denn nun ? Um das raus zu finden muß man dann das Buch lesen. Ehrlich gesagt, ich habe schon bessere Werbetricks erlebt (Ich bin einfach mal so freundlich und interpretiere das als Werbetrick und nicht als beschämende Schlamperei.) und finde es Autor und Leser gegenüber als unfair.
Aber wir werden ja immer aufgefordert, anderen Lesern nicht die Spannung zu nehmen, also werde ich nicht verraten, ob die Diebe oder die Bettler gemeint sind. Das soll mal jeder schön selber raus finden! ;-)
Ansonsten hat das Buch durchaus einiges an Spannung zu bieten. Fontane in seinem detektivischen Tatendrang ziemlich ausgebremst, aber wie gesagt gibt es zum Glück Emilie. Die stürzt sich zwar nicht gerade mit jubelndem Enthusiasmus in die Ermittlungsarbeit, aber als sie sich stürzt, da stürzt sie richtig. Goyke ist da ein hübsches Kabinettstückchen gelungen.

Ansonsten gibt es in diesem Roman für meinen Geschmack ein oder zwei Zufälle zuviel, das wird jedoch schnell durch eine Menge Lokalkolorit aufgewogen, welches Goyke offenbar gründlich recherchiert hat. Ich war noch nie in Neapel und weiß nicht, ob alles so stimmt, wie er es schreibt. Aber ich nehme es ihm ab und denke, so könnte es gewesen sein. Und das ist letztendlich wichtig.
Netter Krimi, kann man gut lesen, durchaus spannend und kurzweilig.

Zeitpunkt.
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