Das Duell der Astronomen

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2011, Titel: 'Das Duell der Astronomen', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89
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Carsten Jaehner
Spannendes Duell um einen Kometen

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mär 2011

Kurzgefasst:

Im Jahre 1618 wird Darius Degenhardt, Doktor der Astronomie an der Universität zu Frankfurt an der Oder und Verfechter des neuen kopernikanischen Weltbilds, zur Bewerbung als Hofastronom beim Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg geladen. Im kurfürstlichen Schloss zu Cölln-Berlin trifft Darius auf einen Konkurrenten: den eitlen und konservativen Astronomen Corvin van Cron, der ebenfalls um die Stelle wirbt. Zwischen den beiden Männern, die die Aufgabe erhalten, innerhalb von 30 Tagen die Bahn eines kurz zuvor entdeckten Kometen zu berechnen, entbrennt ein erbitterter Kampf um das Amt und um die Liebe einer Frau...

 

Frankfurt an der Oder im Jahr 1618. Der junge Astronomieprofessor Darius Degenhardt wird als Kandidat als neuer Hofastronom bei Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg eingeladen. Sein Konkurrent für den Posten ist der Niederländer Corvin van Cron, ein eitler und konservativer Astronom. Sie haben 30 Tage Zeit, um die Bahn eines Astronomen zu berechnen, und derjenige, der die Aufgabe am zufriedenstellendsten löst, wird den Posten bekommen.

Doch zu allem Unglück wird die Druckerei von Darius' Vater von der Inquisition verwüstet und der Vater eingekerkert. Zudem beginnt sich eine Liebelei zwischen Darius und Anna, der Tochter seines Rektors von Krachnitz anzubahnen, doch eine Beziehung wäre nicht standesgemäß und daher unmöglich. Ausgerechnet Darius' Gegner van Cron hält um die Hand Annas an, und der Vater stimmt dem zu, da diese Ehe standesgemäß wäre.

Darius kämpft nicht nur um einen neuen Posten, sondern auch um das Leben seines Vaters, um Anna und muss auch noch des Vaters Druckerei am Leben erhalten. Doch leider lässt sich der Komet nur selten blicken, und das meist in den unglücklichsten Momenten. Doch da kommt Hilfe von ungeahnter Seite.

Flottes und spannendes Debüt

Mit Das Duell der Astronomen hat Axel Gora einen flotten und spannenden Roman vorgelegt, der jeden Leser schnell an sich fesselt. Es kommt nie Langeweile auf und es gibt auch ein paar Überraschungen, mit denen der Leser nicht unbedingt rechnen konnte. Gerade die Auflösung bei der Präsentation auf den letzten Seiten des Romans bekam im Vorhinein mehrere Möglichkeiten, und so liest sich der gebannt bis ins Finale.

Gora schafft es, von Beginn an eine dichte Atmosphäre zu schaffen. Während in Prag ein Revolutionär aus dem Fenster gestürzt wird und damit den Dreißigjährigen Krieg einläutet, streitet man sich in Astronomenkreisen darum, ob die Sonne oder die Erde im Mittelpunkt des Universums stehen, ein weitere Aspekt, der die "jungen" Astronomen wie Darius gegenüber den "alten" unbeliebt und leicht zum Opfer der Inquisition machen. So wird auch in der Druckerei Darius' anonyme Schrift gefunden, die ketzerisch sein soll und den Vater ins Gefängnis bringt, wofür sich Darius schuldig fühlt. Innerhalb kürzester Zeit muss er so aktiv werden und sein Leben umkrempeln, und der Leser fiebert gerne dabei mit.

Viel zu tun in knapper Zeit

Geschickt gewählt ist dabei die Frist von 30 Tagen, innerhalb derer die Geschichte ein Ende finden muss, wie auch immer das Ergebnis aussieht. Geschichten unter Zeitdruck haben immer ein gewisses Tempo, und Gora geht an keiner Stelle die Puste aus. Man fragt sich unweigerlich, wie Darius das körperlich durchhalten kann.

Aber er ist als junger und aufstrebender Mann charakterisiert, den man gerne durch seine schwere Phase begleitet. Sein Verhalten ist jederzeit nachvollziehbar, und so sehr ihm die Zeit auch im Nacken sitzt und ihn weitere Schicksalsschläge ereilen, man ist auf seiner Seite. Auch Anna wird treffend gezeichnet, obwohl sich beide anfangs noch gar nicht sicher sind, ob und was sie füreinander fühlen. Diese kleine, aufkeimende Liebesgeschichte ist nicht überzogen und passt in Darius' Situation.

Dass einem Corvin van Cron gehörig auf die Nerven geht, auch dafür hat Gora gesorgt, schildert er ihn doch als eitlen Gecken, der hochnäsig und sich seines höheren Standes bewusst von Anfang an von seinem Sieg überzeugt ist. Mit dem weiteren Verlauf wird er dem Leser immer unsympathischer, zumal sich noch weitere Machenschaften von ihm herausstellen. Dass Annas Vater von Krauchnitz auch nicht der ist, der er anfangs zu sein scheint, und weitere Enthüllungen im Verlauf des Romans bringen dem Leser so manche interessante Wendung.

Viel Dynamik mit bunten Charakteren

Wer denkt, dass man in diesem Roman mit astronomischen Fachausdrücken überladen wird, wird schnell eines besseren belehrt. Natürlich spielen diese Ausdrücke ein große Rolle, aber niemals bekommt man als Leser das Gefühl, von allzu viel Fachjargon erdrückt zu werden. Alles ist verständlich, und somit bleibt die Spannung auch durch die kompletten 320 Seiten erhalten.

Axel Gora hat mit seinem ersten historischen Roman direkt ein spannendes und empfehlenswertes Buch vorgelegt, das man leider nur zu schnell durchgelesen hat. Neben seiner temporeichen Sprache und der ebenso dynamischen Handlung behält er in allen Nebenhandlungen immer den Überblick und führt alles zu einem schlüssigen Ende, das vielleicht sogar auf eine Fortsetzung hoffen lässt. Einzig der Handlungsstrang mit dem geheimen Zirkel hätte weiter ausgeführt und mehr erklärt werden können, hier bleiben noch einige Fragen offen. Aber vielleicht kann man die ja auch in einer Fortsetzung klären? In jedem Fall bietet Das Duell der Astronomen eine lesenswerte und lebendige Auseinandersetzung mit den Wissenschaften und dem Leben der Zeit, das hoffentlich viele Leser finden wird. Weiter so!

Das Duell der Astronomen

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