Auf der Walz

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2011, Titel: 'Auf der Walz', Originalausgabe

Couch-Wertung:

82
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Rita Dell'Agnese
Als wäre man einer von ihnen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2011

Kurzgefasst:

Reutlingen im 16. Jahrhundert. Der 17-jährige Zimmergeselle Hannes Fritz geht nach seiner Gesellentaufe auf die traditionelle Walz. Seine dreijährige abenteuerliche Wanderschaft führt ihn in die freie Reichsstadt Esslingen, in das Benediktinerkloster Lorch und nach Frankfurt am Main. Er trifft den Humanisten Ulrich von Hutten, gerät zusammen mit einer jüdischen Familie in die Fänge von skrupellosen Räubern und begegnet der Kaufmannstochter Anna, seiner ersten großen Liebe...

 

Kaufmannstochter Anna ist dem jungen Zimmergesellen Hannes Fritz von Herzen zugetan. Doch der Kaufmannssohn Kaspar Neumann hat ebenfalls ein Auge auf Anna geworfen. Eine Heirat mit ihr soll den finanziellen Ruin vom Hause Neumann abwenden, denn Anna ist das einzige Kind eines wohlhabenden Vaters. Durch eine Intrige gelingt es Kaspar Neumann, den unbequemen Nebenbuhler los zu werden. Hannes muss seine Heimatstadt Reutlingen verlassen, um auf Walz zu gehen. Begleitet wird Hannes Fritz vom zwielichtigen Gesellen Walter, der ihm wenig Gutes wünscht. Der Reutlinger Zimmergeselle schafft es durch seine Art trotzdem immer wieder, interessante Menschen kennen zu lernen. Und er sammelt viele Erfahrungen, die ihn nicht nur in seinem Gewerbe weiter bringen.

Einführung ins Zimmermann-Handwerk

Auf der Walz ist ein gut komponierter, historischer Roman, der nebst einer ganz passablen Geschichte vor allem einen vertieften Einblick in die Welt der Zimmerleute bietet. Autor Julian Letsche schickt seinen Protagonisten als naiven jungen Mann in die Welt hinaus. Hannes muss sich aber schnell zu einer gereiften Persönlichkeit entwickeln, denn die Walz ist im 16. Jahrhundert keine einfache Sache. Nebst den üblichen Gefahren durch Räuberbanden und zwielichtige Gestalten sind auch die politischen Ereignisse nicht ganz ohne. Sehr geschickt schildert Letsche, was den jungen Gesellen dazu getrieben hat, seiner Heimatstadt gleich nach seiner Ausbildung den Rücken zu kehren und mit welchen Situationen er - zunächst noch absolut unwissend - konfrontiert wird. Mit großer Liebe zum Detail geht der Autor auf die Eigenheiten der Zimmerleute ein, schildert die Bedingungen der Zunft und lässt den jungen Reutlinger auch manch bittere Erfahrung machen. Dass die starke Gewichtung des Handwerks sich manchmal etwas bremsend auf den Verlauf der Geschichte auswirkt, mag man angesichts der Fülle der Informationen verzeihen.

An der Oberfläche bleiben

Nicht ganz so tief wie beim Handwerk geht Julian Letsche den Charakteren seiner Figuren auf den Grund. Oft bleibt er zu stark an der Oberfläche, um die eine oder andere Figur noch lebendiger auszugestalten. Zwar schafft er es, den Protagonisten Ecken und Kanten zu verpassen, doch sind diese nicht allzu stark ausgeprägt. Das Schwarz-Weiß-Raster kommt immer mal wieder zum Vorschein und drückt etwas ermüdend auf die Handlung. Hier hätte der Autor durchaus noch etwas Spielraum gehabt.

Dasselbe gilt für das Tempo der Handlung. Die Dramatik bewegt sich in engen Grenzen und flacht zwischenzeitlich so stark ab, dass es einzig die hervorragend geschilderten historischen Hintergründe sind, die der Geschichte über die Flaute helfen. Denn neben dem handwerklichen Wissen präsentiert der Autor den Lesern viel Atmosphäre und Schilderungen der gesellschaftlichen Entwicklung im Südwesten Deutschlands.

Still aber überzeugend

Alles in allem legt Julian Letsche mit seinem Debüt-Roman eine Geschichte vor, die nicht von sich überschlagenden Ereignissen lebt, aber dank einer starken historischen Basis durchaus zu überzeugen vermag. Schafft es der Autor, in einen nächsten Roman auf dieser Basis eine noch etwas lebendigere Geschichte aufzubauen, hat er das Potential, sich einen Namen als Autor von historischen Romanen zu schaffen. Wer immer sich für das Handwerk der Zimmerleute oder generell das Handwerk im 16. Jahrhundert interessiert, wird auf jeden Fall schon beim Debüt-Roman nicht zu kurz kommen.

 

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