Die blaue Blume

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • Insel, 1995, Titel: 'The Blue Flower', Originalausgabe

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Almut Oetjen
Heinrich von Hardenberg alias Novalis

Buch-Rezension von Almut Oetjen Mär 2011

Kurzgefasst:

Die blaue Blume: Symbol romantischer Poesie, der Sehnsucht nach dem Unendlichen, Chiffre für ein Leben in und aus der Phantasie gegen die alltägliche Wirklichkeit.
Im ausgehenden 18. Jahrhudnert lernt der Dichter Friedirch von Hardenberg, genannt "Novalis", die viel zu junge Sophie von Kühn kennen. Friedrich verliebt sich in sie, fast noch ein Kind, und steht zunächst dem Unverständnis ihres Vaters gegenüber. Doch zwischen Fichtes furoremachenden Vorlesungen, Studentenkreisen in Jena, Leipzig und Wittenberg, Alltagsleben und Adelsgesellschaft findet sich bald eine Lösung. Doch als ihrer Heirat nichts mehr im Weg steht, treten ganz andere Probleme auf...

 

In Die blaue Blum erzählt die englische Autorin Penelope Fitzgerald die Geschichte Friedrich von Hardenbergs. Fritz, so sein Kosename, wird 1772 als ältester Sohn des Freiherrn Heinrich von Hardenberg und dessen Cousine und Ehefrau Bernhardine von Böltzig auf Schloss Oberwiedenstadt in der sächsischen Grafschaft Mansfeld geboren. Das Paar bekommt insgesamt elf Kinder. Den neunjährigen Fritz schickt der tiefreligiöse Vater auf die Schule der Herrnhuter in Neudietendorf. Dort bleibt Fritz nicht lange, denn er stellt ständig Fragen und gibt sich mit den Antworten der Lehrer nie zufrieden. Auch der Leipziger Hofmeister, der als Hauslehrer engagiert wird, ist überfordert mit dem brillanten Kind.

Als 1786 der Vater zum Direktor der Kursächsischen Salinen ernannt wird, zieht die Familie nach Weißenfels, wo die Hauptverwaltung liegt. Mit fünfzehn beschäftigt sich Fritz mit Naturphilosophie, Galvanismus, tierischem Magnetismus und Freimaurerei. Später studiert er in Jena, Leipzig und Wittenberg Jurisprudenz, Chemie und Geologie, Geschichte und Kants Philosophie, lernt Fichte und Schlegel kennen. Nach dem Studium wird er Akzessist in der Salinenverwaltung bei Kreisamtmann Coelestin Just in Tennstedt. Hier schreibt er den ersten Entwurf seiner Geschichte der blauen Blume. Während eines Amtsbesuchs verliebt sich der leidenschaftliche, idealistische Fritz in die zwölfjährige Sophie von Kühn, "seines Herzens Herz", seine "wahre Philosophie", "die Natur selbst", und verlobt sich mit ihr. Es ist eine Bindung, die seine Freunde und seine Familie amüsiert, befremdet und verärgert.

Das Weltall ist eben in uns

Fitzgerald schildert anhand wichtiger Stationen und Begegnungen die ersten dramatischen Jahre eines jungen Mannes, der später unter dem Namen Novalis einer der wichtigsten Dichter und Philosophen der deutschen Romantik wurde. Die titelgebende blaue Blume ist das Symbol der romantischen Dichtung, Inbegriff der Sehnsucht nach dem Unendlichen, Chiffre für ein Leben in und aus der Phantasie. Die Geschichte von der Blauen Blume erschien 1802 in Novalis Roman "Heinrich von Ofterdingen".
Bevölkert ist Fitzgeralds Roman von einem Ensemble lebensnaher, mitunter grotesker Figuren. Jede erhält ein Eigenleben, hat eigene Bedürfnisse, Wünsche, Sehnsüchte, ist einzigartig. Keine der Figuren ist sich ihrer Bedeutung bewusst, die sie später haben wird. Niemand hält sich für etwas Besonderes, auch Fritz nicht.
Fitzgerald erzählt wenig von dem, was man sieht, aber viel darüber, was ihre Figuren fühlen und denken, was sie prägt. Das alles geschieht mit leichter Hand, en passant, oft nur im Anriss.

Das sächsische Provinzleben

Obwohl Fitzgerald auf ausladende Beschreibungen, lange Dialoge und Ausführungen verzichtet, erhalten die Leser einen anschaulichen Eindruck von der Epoche und dem Hardenbergschen Haushalt. Das gelingt ihr mit wenigen Worten, mit der Erwähnung kleinster, sinnlicher Details, mit guter Recherche. So erfährt man beispioelsweise, dass das Einfache (Bier) fade wie Kochwasser von Bohnen schmeckt. Anschaulich und minutiös beschreibt sie die Rituale des Weihnachtsfestes, das Morgengrauen nach einem Duell, das skurrile Frühstück der Hardenbergs, den Waschtag und die unsentimentalen, bewegenden Überlegungen von Fritzens leicht absurder Leidenschaft, das Schicksal von Sophies Kätzchen, den Umgang mit zwei im Duell abgetrennten Fingern, eine Operation ohne Narkose.

Erzählweise

Der Roman missachtet die genretypischen Muster des biographischen Romans, denn Fitzgeralds Prosa ist schnell, schnörkellos, episodisch, skizzenhaft, ohne abstruses Vokabular, mit wenig Erläuterungen, Beschreibungen und Bildern. Andeutungen, Ellipsen, gutes Timing, Indirektheit, das Erfassen der Essenz sind die wichtigsten Mittel, mit denen Fitzgerald die Handlung stetig vorantreibt, von einem Zeitpunkt, von einem Ort, von einem Menschen zum anderen, aber stets mit der Sicherheit einer Autorin, die ihr Material fest im Griff hat, die Gefühle und die Gedanken der Menschen versteht und vor den großen Namen nie in Ehrfurcht erstarrt.

Die blaue Blume ist ein inspirierender Roman über einen großen Dichter, einsichtsreich und mit trockenem Humor erzählt.

 

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