Die Papiermacherin

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2011, Titel: 'Die Papiermacherin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

84
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Rita Dell'Agnese
Das Papier mit anderen Augen betrachten

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2011

Kurzgefasst:

Um 1000 nach Christus in West-China: Eine Gruppe Papiermacher wird von Uiguren verschleppt und Richtung Westen gebracht. Unter ihnen sind auch Meister Wang und seine hübsche Tochter Li. In Samarkand lernt Li den sächsischen Ritter Arnulf von Ellingen kennen, der von der Papiermacherin sogleich fasziniert ist. Zwischen den beiden entfaltet sich eine leidenschaftliche Liebe. Doch als Arnulf Opfer einer Intrige wird, müssen beide fliehen, und eine abenteuerliche Reise über Venedig bis nach Magdeburg beginnt...

 

Just als die junge Chinesin Li unter den strengen Augen ihres Vaters, einem Meister der Papierherstellung, ihre Handwerkskunst beweisen will, wird die kleine Stadt von Uiguren überfallen. Die Räuber scheinen um den Wert vom Papiermachen zu wissen, denn sie verschleppen nicht nur Li und ihren Vater, sondern auch den Gesellen Gao. Auf einer harten Reise durch Wüsten und Gebirge werden die erbeuteten Papiermacher gezwungen, ihr Handwerk auszuüben und den Besitzern dadurch zu Reichtum zu verhelfen. Zudem beweist Li grosses Geschick darin, Wasserzeichen zu fertigen, was ihr einen besonderen Ruf einträgt. Doch das Schicksal scheint es nicht besonders gut zu meinen mit den Papiermachern. Immer dann, wenn es scheint, als könnte Ruhe in Lis leben einkehren, bricht alles in sich zusammen und sie muss sich auf eine völlig neue Situation einstellen. Das bekommt eine weitere Dimension, als Li dem Ritter Arnulf von Ellingen begegnet, der sich in China auf die Suche nach einem speziellen Stahl machen soll.

Einblick in die Kunst der Papierherstellung

Der Titel ist durchaus aussagekräftig, geht es doch im Roman zur Hauptsache um Lis Schicksal, das Eng mit der Papierherstellung verknüpft ist. Auf geschickte und keineswegs schulmeisterliche Weise erklärt die Autorin den Prozess, durch den Papier hergestellt wird. Zugleich deckt sie das Geheimnis des Wasserzeichens auf und lässt dadurch die Leser eine ganz andere Beziehung zu Papier aufbauen, das solchermassen gezeichnet ist. Die Hintergründe der Papierherstellung im 10. Jahrhundert, einer Zeit, in der in dieser Hinsicht einiges im Wandel war, geben dem Roman eine besondere Note. Doch auch von der Geschichte von Li und Arnulf her bewegt sich die Autorin auf einem angenehmen Niveau. Sie vermeidet allzu schmachtende Liebesszenen zugunsten einer nachvollziehbaren Entwicklung Lis zur selbstbewussten Frau, die sich ihrer Fähigkeiten durchaus bewusst ist.

Gegensatz von Europa und Asien

Ob gewollt oder eher zufällig - Conny Walden zeichnet ein eindrückliches Bild von den Gegensätzen zwischen europäischen und asiatischen Kulturen. Während Arnulf ein schwertschwingender Haudegen ist, versteht sich die Chinesin Li vor allem auf die leisen Töne, geht damit aber nicht weniger gekonnt um, um ihr Ziel zu erreichen. Lis Vater scheint ganz nach dem Bild gestaltet, das sich die Europäer von einem weisen Chinesen machen und auch Li als gehorsame Tochter weicht von den hierzulande üblichen Vorstellungen nicht ab. Dass die Protagonisten - besonders die junge Chinesin - noch etwas mehr an Tiefe vertragen hätten, ist lediglich ein kleiner Schönheitsfehler, der den Charakteren und deren Ausgestaltung kaum Abbruch tut.

Viel von einer stellenweise etwas platten Handlung Wett gemacht wird durch das Aufgreifen eines Themas, das auch heute noch die Gemüter der Menschen erregt: Die Fremdenfeindlichkeit. Li sieht sich nach ihrer Verschleppung aus der Heimat immer wieder Situationen gegenüber, in denen ihr "Fremd sein" andere Menschen dazu bringt, ihr mit Verachtung oder zumindest mit grosser Distanz zu begegnen. Das hat Conny Walden sehr gut in den Stoff hinein gearbeitet.

Unterhaltende Lektüre

Mit diesem Buch legt Conny Walden einen Roman vor, der gut unterhält und auch ein Quäntchen Spannung bereit hält. In einer angenehmen und durchaus gepflegten Sprache gehalten eignet sich Die Papiermacherin für angenehme Lesestunden und das Versinken in eine unbekannte Welt.

Etwas ärgerlich ist hingegen die Cover-Gestaltung. Obwohl die Hauptfigur des Buches ganz klar eine Chinesin ist, zeigt das Titelbild eine Europäerin. Dass ausserdem eine europäische Stadt im Hintergrund abgebildet ist, verwirrt angesichts der Tatsache, dass der Roman im Wesentlichen in Asien spielt. Hier wünschte man sich eindeutig grössere Sorgfalt der Grafiker.

 

 

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