Die Tochter der Seidenweberin

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2011, Titel: 'Die Tochter der Seidenweberin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

78
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Daniela Loisl
Kurzweiliges Lesevergnügen, jede Menge Ereignisse und sympathische Figuren, aber nicht sehr innovativ

Rezension von Daniela Loisl Mär 2011

Kurzgefasst:

Silvester 1499 in Köln. Ein neues Jahrhundert beginnt und hält für Lisbeth, die Tochter der erfolgreichen Seidenweberin Fygen Lützenkirchen, so manches Ungemach bereit. Ihre Mutter hat sich aus dem Geschäft zurückgezogen und nach dem Tod ihres geliebten Mannes in Spanien ein neues Glück gefunden. So steht Lisbeth nun allein der schwierigen Aufgabe gegenüber, ihre Weberei gegen die Konkurrenz zu behaupten. Aus den Reihen der mächtigen Seidmacherinnenzunft schlagen ihr Neid und Missgunst entgegen. Hier haben Frauen das Zepter übernommen, die um des eigenen Vorteils willen sogar vor Verleumdung und Mord nicht zurückschrecken. Doch das sind nicht die einzigen Sorgen der jungen Seidenmacherin. Obwohl Mertyn ihr ein guter Gemahl ist, hat sich ihr sehnlicher Wunsch nach einem Kind bislang nicht erfüllt. Als Lisbeth eine folgenschwere Entscheidung trifft, gerät ihr Glück in Gefahr...

 

Im ersten Band Die Seidenweberin hat die Protagonistin Fygen Lützenkirchen am Schluss des Buches ihren Mann verloren, und die Fortsetzung setzt einige Jahre danach wieder mit der Erzählung ein. Ihre verheiratete Tochter Lisbeth ist in ihre Fußstapfen getreten und Seidenweberin geworden. Als es für Fygen Probleme mit der Seidenlieferung aus Spanien gibt, beschließt Fygen, selbst dorthin zu reisen, um nach dem Rechten zu sehen. Sie übergibt ihr Geschäft einer Vertrauensperson und macht sich auf dem Weg. Lisbeth betreibt weiter ihre eigene Seidenweberei und könnte mit ihrem Mann eigentlich glücklich sein, gäbe es da nicht einen großen Herzenswunsch, der ihr einfach nicht erfüllt wird: Ein eigenes Kind.

Temporeicher, aber klischeebehangener Beginn

Ursula Niehaus hat immenses Wissen rund um die Seidenweberei, und dies liest man auch zwischen den Zeilen auf jeder Seite ihres Buches. Dieses Wissen, die Liebe zu diesem Handwerk und eine umfangreiche Recherche führen dazu, dass der Leser sich vom Geschehen aufgesogen fühlt und sich mitten unter den Seidenwebern wähnt. Auch wenn man den ersten Band nicht kennt, hat man keine Probleme, der Geschichte zu folgen, denn Niehaus hat es verstanden, wichtige Ereignisse aus dem ersten Teil geschickt mit in die Geschichte einzuweben.

Ist der Beginn auch flott zu lesen und sind einem die Figuren schnell vertraut, so wird man schnell feststellen, dass gerade die Reise von Fygen nach Spanien voller Klischees ist. Fygen wird auf dem Schiff angegriffen und ein fremder, natürlich gut aussehender Spanier, rettet sie. Diesen Fremden trifft sie natürlich durch einen Zufall später wieder...

Dieser nicht gerade individuelle Teil des Buches dämpft die vielleicht schon aufgekommene Begeisterung für diesen Roman, denn der Part der Reise will stilistisch nicht so recht zum restlichen Buch passen. Dennoch darf man anraten, weiterzulesen, denn wenn Fygens Erlebnisse erzählt sind, geht es mit Lisbeth doch wesentlich weniger klischeebeladen weiter und der Teil von Fygens Leben erscheint einem dann wie eine eigenständige Geschichte in der Geschichte.

Einfache, aber packende Sprache

Ursula Niehaus hat es schon in ihrem Erstlingswerk Die Seidenweberin verstanden, den Leser in ihren Bann zu ziehen. In flotter und flüssiger Weise bringt einem Niehaus ihre Darsteller näher, ohne dies groß und breit zu beschreiben, sondern baut deren Aussehen und Charaktereigenschaften direkt in die Erzählung ein. Durch die klare Sprache und den roten Faden werden die Geschehnisse nie unübersichtlich und es kommen nie Längen auf.

Jede Menge Figuren bevölkern das kleine Reich um Lisbeth und obwohl (leider) kein Personenverzeichnis im Buch zu finden ist, passiert es kaum, dass man Figuren verwechselt oder in eine falsche Familie einreiht. Viele Figuren sind historisch belegt und wenn sich die Autorin das eine oder andere "Zurechtrücken" eines Ereignisses erlaubt hat, so findet dies im Anhang Erwähnung und war für die Kompaktheit des Romans notwendig und ist auch verzeihbar.

Lisbeth ist eine junge und fleißige Frau und manchmal erscheint sie einem vielleicht etwas "zu gut", kümmert sie sich doch auch um Angelegenheiten, die eigentlich im Widerspruch zu ihr selbst stehen. Lisbeths Erlebnisse sind eigentlich mehrere kleinere Episoden, die nur durch das Seidenweben eine Verbindung haben und so zusammengehalten werden. Langweilig wird es nie, dafür ist das Buch zu ereignisreich und man wird erstaunt sein, wie viele Geschehnisse man in so einen Roman packen kann, ohne den roten Faden zu verlieren oder gar abreissen zu lassen.

Die Tochter der Seidenweberin ist trotz der einen oder anderen Schwachstelle ein kurzweiliges und flüssig zu lesendes Werk, das gute Unterhaltung, das Abtauchen in eine andere Welt und viel Informationen zur Seidenweberei enthält.

 

Die Tochter der Seidenweberin

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